Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Bunte Energieschübe mit Obst-Ratespielen

veganpowergyVorweg: wer es als Nichtveganer als aufgesetzt empfindet, wenn nun “auch noch” Getränke als “vegan” gekennzeichnet werden, weil man davon ausgeht, dass in Limonaden und anderem was gemeinhin ohne Milch auskommt ohnedies keine tierischen Stoffe zu vermuten sind, sei hiermit eines Besseren belehrt. Klar, Obstsäfte oder Getreide sind an und für sich vegan, aber bestimmten Getränken werden häufig Farb- und oder Aromastoffe zugesetzt – und deren Ursprung ist eben nicht immer pflanzlich. Oft werden Säfte auch geklärt, es werden also Trübstoffe entfernt, damit zum Beispiel Apfelsaft nicht nur schön “goldig” aussieht, sondern auch besser schmeckt und riecht. Für diese Prozesse werden unter anderem auch gemeinhin tierische Stoffe verwendet. Sie gelten als technische Hilfsmittel, werden nach dem Produktionsprozess wieder “entfernt”, deswegen müssen sie gegenwärtigen Verodungen zufolge für Verbraucher auch nicht auf den Etiketten auftauchen. Zu den gängigen tierischen Klärmitteln gehören unter anderem Speisegelatine, Hausenblase (aus der getrockneten Schwimmblase bestimmter Fische), Kasein oder Molkeproteine aus Kuhmilch, oder Albumin aus Hühnerei. Wer Vegan-Leben richtig ernst nimmt, müsste gar Getränkeflaschen auf die Etiketten mit tierischem Leim geklebt sind, meiden…

In der Kulturküche-Redaktion gibt es (bisher) übrigens keinen einzigen Veganer, nicht mal hundertprozent konsequente Vegetarier. Aber wir bemühen uns redlich halbwegs ökologisch verträglich zu leben. Und so fanden wir die vier verschiedenen Limonaden, die das frisch gegründete Unternehmen Vegan-Powergy aus der Region Hannover auf der jüngsten Biofach-Messe in Nürnberg präsentierte, nominell interessant: Das erste was bei den “Die gute Kraft” untertitelten Flaschen auffällt, ist das aufwendige Design der Plastikfolie in der die 0,33 Liter fassenden Glasgefäße fast komplett eingewickelt sind – es ist nur ein winziger Sichtschlitz übrig, um die erfreulich natürlich wirkende Farbgestaltung der jeweiligen Limo schon vor dem Öffnen zu sehen, also nicht bereits in optischen Fragen die Katze im Sack kaufen zu müssen.

4xVeganpowergyWährend man über die grafische Gestaltung der Folien sehr getrennter Meinung sein kann – manche empfinden es als erfrischend bunt, manche vermuten es als das Resultat eines ganz besonderen Konsums -, ist die Haptik in jedem Fall schon mal zweifelhaft: die seitliche “Naht” der Flaschenummantelung, bei der beide Enden der Folie zusammenkommen, ist unangenehm in der Hand zu spüren und das Plastetikett – zumindest steht nichts dergleichen auf den Produkten – sicher eher nicht umweltfreundlich, nicht biologisch abbaubar.

Doch auch wenn es allein dafür gefühlt einen halben Minuspunkt geben müsste – wir konzentrieren uns in unserer Rubrik Geschmackstest ja bekanntlich auf anderes: Vegan-Powergy gibt es als “Cola”, als “Starkes Stück” (abgesehen vom Thema Taurin augenscheinlich RedBull nachempfunden), “Orange, Pfirsich & Karotte” und “Orange & Passionsfrucht”. Alle Getränke (UVP je 1,89 Euro) beinhalten 10 bis 11 g pro 100 ml Zucker – dementsprechend schmecken sie teils recht süß. Besonders die fruchtigen Varianten unserem geschmack nach zu “dolle”. Außer “Starkes Stück” (dort – obgleich dies ja die nominelle Energy-Sprte isz laut Herstellerangaben “nur” 27 mg Koffein pro 100 ml) liefern die veganen Limos aus Niedersachsen auch jeweils die höchst zulässige 32 mg Koffein-Menge, sind also richtige Energieschubser. Die nur leicht dunkelbraune Brause mit Cola-Geschmack kann unserem Urteil vom “taste and feel” mit gleich mehreren Konkurrenten aus dem Bio-Segment nicht ansatzweise mithalten. Dafür besticht “Orange, Pfirsich & Karotte” mit einem unseres Erachtens absolut gelungenem, runden Geschmackserlebnis. Wobei man sich nicht zu sehr auf “echten” Pfirsich freuen sollte: im Unterschied zu den anderen beiden namengebenden Komponenten – Orange 8% und Karotte 2% Saftanteil – ist das Steinobst wohl mehr unter “natürliches Aroma” subsumiert – Pfirsich taucht bei den offiziell angegebenen Inhaltsstoffen nicht separat auf. Bei der Vegan-Powergy Linie “Orange & Passionsfrucht” ist es lustigerweise genau umgekehrt: Beim Produktnamen fehlt Apfelsaft, der aber im Vergleich zu Orange (6%) und Passionsfrucht (1%) mit 13% den höchsten Saftanteil aufweist. Unser Geschmacksteil hierzu: kein großer Wurf.

Für das was es laut Etikett sein will, ist da die Energy-Limo “Starkes Stück” schon interessanter. Vom Geschmack her durchaus leicht und erfrischend, allerdings wie der Original “Flügelverleiher” – der wohl mit “Wir waren es leid, arme, ausgepresste Gummibärchen zu trinken” von den Hannoveranern in “Unsere Story” zu Recht gedisst wird – wie oben bereits skizziert mit 11 Gramm pro 100 ml Zuckeranteil. In der Liste der Zutaten tauchen hier ansonsten unter anderem Extrakte aus Gerstenmalz und der südamerikanische Muntermacher Guarana auf.

Wer die eine oder andere Vegan-Powergy-Sorte probieren möchte, sollte, so er in der Bar oder im Getränkemarkt seines Vertrauens mit dem Hersteller direkt Kontakt aufnehmen – leider führt die Webseite veganpowergy.com noch keinen Bezugsnachweis.



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