Während des letzten Bundestagswahlkampfs begleitete Lars Jessen der mit “Dorfpunks”, “Fraktus” und “Mittagsstunde“ bisher eigentlich recht brauchbare Regiearbeiten ablieferte den Grünen-Politiker und Möchtegern-Kanzler Robert Habeck als Berater und hielt das Erlebte mit seiner Kamera fest. Sein auch zahlreiches fremde Dokumaterial verwurstendes Machwerk wurde – wie bei vielen Leinwandproduktionen in Deutschland Standard, aber bei der offensichtlichen Schlagrichtung seiner neuesten Arbeit mindestens fragwürdig – auch mit Steuergeldern gepampert und findet jetzt den Weg ins Kino.
An irgendeiner Stelle des Films, der Zuschauer hat da gerade erst – genauso langatmig und unfassbar selbstverliebt vorgetragen wie nahezu jede Szene zuvor – erfahren “dürfen”, wie die zwei Herren sich erstmalig begegneten (Spoiler^^: 2019, lernten sich Habeck und der Regisseur – beide Jahrgang 1969, beide “norddeutsch” – bei einem Handballspiel kennen), gibt Regisseur und Co-Protagonist Jessen einen besonders pathetisch nachwirkenden Spruch von sich: “In mir keimte seit Jahren ein schlechtes Gewissen, ich hätte mich ja auch parteipolitisch engagieren können statt mich um meine künstlerische Selbstverwirklichung zu kümmern.” Robert habe es ja 2002 vorgelebt und seine Autorentätigkeit an den Nagel gehängt…
Wenn man allein die in diesem Film, dessen Titel an ein Gedicht Heinrich Heines angelehnt ist, verwendeten Szenen aus wochenlanger Wahlkampfunterstützung und “Nachbetrachtung” zum Maßstab nimmt, müsste man sagen: es wäre kein Verlust gewesen, wenn Jessen weit fernab des Kinobetriebs wirken würde. Doch der Mann hat unter anderem mit “Dorfpunks”, “Fraktus” und “Mittagsstunde“ eigentlich bewiesen, dass er etwas vom Filmemachen versteht. In der Lobhudelei für Robert Habeck ist davon aber tatsächlich Null Komma Null zu spüren. Vom Sujet mal ganz abgesehen. Auch ganz formal: “Jetzt. Wohin. Meine Reise mit Robert Habeck” ist einfach bis auf vielleicht über verschiedene Stellen verstreut 5 Minuten Netto-Spielzeit einfach ein unfassbar schlechter Streifen.
Weder wird irgendetwas erhellt, was Habeck wirklich in die Annahme versetzt haben könnte, Kanzler werden zu wollen, nachdem er gerade maßgeblichsten Anteil am Scheitern der Ampel hatte und aus völlig nachvollziehbaren Gründen schon länger von einer Mehrheit der Bundesbürger sogar jedwede Kompetenz für Wirtschaftspolitik abgesprochen bekommen hatte. Sich darauf zu verlassen, dass einige pseudowoke und oder gänzlich verstrahlte Neuwählerinnen oder Mütter und “Omas”, die in ihm einen perfekten Schwiegersohn vermuten könnten, ihm ihr Kreuz schenken, kann es doch allein nicht gewesen sein. Noch wird bis auf einen Halbsatz von Feine Sahne Fischfilet Sänger Jan “Monchi” Gorkow Selbstkritik an der unerträglichen Selbstgefälligkeit, ja Selbstherrlichkeit grüner Arroganz auch nur ruchbar.
Im Mittelpunkt der Leinwandproduktion: Das Projekt “Grüne Küche” – Habecks “Strategie” Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, sich zu Selbigen nach Hause einzuladen. Und viele O-Töne von vermeintlichen Politik-Experten, aber auch Künstlern wie Charly Hübner. In den ersten 2/3 des Streifens ist das durchweg wohlwollend. Die Bubble in der Bubble könnte nicht heftiger vor blinden Flecken überlagert an die Grenze einer Implosion zusteuern.
Jessen schneidet in sein Werk auch zahlreiche Archivaufnahmen aus Talkshows und Nachrichtensendungen. Er entblödet sich nicht einmal an gleich zwei Stellen Greta Thunberg einfließen zu lassen, als ob die (oliv)grüne Meute in Deutschland diese nicht spätestens bei ihrem wunderbaren Engagement für die Menschen in Gaza schändlich gemobbt hätte. So wundert es nicht, dass Gestalten wie Luisa Neubauer mindestens implizit Krokodilstränen verdrücken dürfen, dass es mit Habecks Kanzlerschaft nicht geklappt hat.
Apropos Palästina. Das ist erwartbar kein Thema in dem von Steuergeldern subventionierten Propaganda- und Selbstdarstellungswerk. Russland und Ukraine Bilder hingegen spielen eine Rolle. Aber natürlich weil es ja bei Habeck um Energiefragen gehen darf. Moral und Ökologie lassen sich hier so besonders wohlfeil vermengen. Irgendeinem Habeck-Fanboy ist es in der “Doku” vorbehalten zu resümieren, dass Roberts Reise nach Katar “pragmatische Politik auf der Höhe der Zeit” gewesen sei. Und irgendein drastisch besser englisch als Baerbock (die im Film dankenswerterweise nicht auch noch redet aber ein paar Mal erscheint) sprechender Wuschelkopf aus der Wahlkampftruppe wird unter anderem dafür gepriesen, dass er auch schon mit Obama gearbeitet habe. Was das letztlich zumindest indirekt an Steuergeldern gekostet hat, möchte man lieber nicht wissen. Habeck spult irgendwann ab wie dankbar er für jeden Fuffi irgendeiner älteren Dame war, fast so beseelt wie über die nach Bekanntgabe seiner Kandidatur kurzfristig “sprunghaft” steigende Zahl neuer grüner Parteisoldaten.
Als im ohnedies kaugummiartigen Filmverlauf die Ergebnisse der Bundestagswahl (endlich) feststehen folgen noch langweiligere Bilder, atypisch unterlegt mit klassischer Musik. Und das wo man dachte die Tragikomik der vorherigen Heiland-Erzählung könnte nicht mehr peinlicher werden. Doch wir wollen nicht ungerecht urteilen. Es folgen dann doch noch 2-3 kurze Interviewsequenzen die ein klitzekleines bisschen am Heiligenschein des Roberts rütteln. Allen voran jener Schnipsel mit Marina Weisband, in dem sie über Kamala Harris durchaus fremdenfeindliche Wahlkampfarbeit gemahnt und ergänzt, den Fehler hätte auch Habeck…. Obwohl Antifaschismus auf der Straße lag…
Im Film wird aber auch nach diesem O-Ton nicht thematisiert wie der Möchtegernkanzler und seine ebenfalls gescheiterte Vorgängerin um diese Kandidatur für die Grünen 2023 ff in Sachen “Nahost” unfassbar viel Schuld auf sich geladen haben. Auch nicht erwähnt werden Habecks Sprüche über nötige Deportationen “mit Bauchschmerzen”. Im Gegenteil. Durch die Montage einiger Talkshowschnipsel, vor allem “Robert bei Lanz”, entsteht eher der Eindruck Habeck hätte sich in der Ampel geweigert mitzuhetzen gegen Refugees. Im Abspann erfährt der Zuschauer der sich dieses Grund auf dreiste Machwerk, welches der von fast allen Bürgern des Landes seinerseits zwangsfinanzierte NDR als “Nachdenkliche Doku über das Scheitern von Robert Habeck” anpreist und sogar die Chuzpe aufbringt zu urteilen, dass staatlichen Fördergelder für diesen Streifen “gut angelegt seien”, bis zum Ende angetan hat, welche Filmförderungen von Lars Jessen erfolgreich angezapft wurden. Und dass wohl auch irgendwie der Comedian Marc Uwe Kling seine Finger mit im Spiel hatte.
