Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Neu im Kino – Schneekönigin backstage: „Herz aus Eis“

Den Spielfilm „Herz aus Eis“, der mit einer Art Blick hinter die Kulissen einer fiktiven Schneekönigin Verfilmung kokettiert, könnte man am einfachsten als Weihnachtskino für Erwachsene umschreiben. Doch es steckt viel mehr in dieser mit Sehgewohnheiten brechenden Interpretation von Andersens Werk durch die französische Autorenfilmerin Lucile Hadžihalilović. Eine Kurzkritik.

Kollegen nennen den Streifen beispielsweise eine surreale Coming-of-Age-Geschichte. Auch das trifft es sehr gut. Marion Cottilard – hierzulande vor allem durch ihre Darstellung der Édith Piaf in Olivier Dahans Spielfilm La vie en rose bekannt -spielt diesmal eine geheimnisvolle Diva. Der in wenigen Tagen 50jährige August Diehl hat auch eine zentrale Rolle. Sprichwörtlich um diese Beiden herum gesellt sich Clara Pacini: als 16-jährige Waise Jeanne. Die Jugendliche lebt zu Filmbeginn in einem Kinderheim in den Savoyen. Da ihr bisheriges Dasein eher freudlos verlief, versucht sie ihre Faszination für besondere Bilder in die Realität, also nach draußen zu verlagern. Das Märchen der Schneekönigin, das sie anderen Kindern im Heim vorliest, hat es ihr angetan. Und so ist ein Filmdreh über die wunderschöne aber kaltherzige Herrscherin über ein Reich aus Eis und Schnee der perfekte Zufluchtsort für Jeanne. Die Dreharbeiten des Films im Film laufen indes nicht wirklich wie es sich die auch am Set launische Protagonistin erhofft. Aber irgendwie findet Cottilards Cristina Figur recht schnell Gefallen an der Ausreißerin und sorgt dafür dass diese nicht mehr nur Komparsin sein muss. Ohne zu sehr zu spoilern: Auch in „Herz aus Eis“ hat manches seinen Preis…

Der optisch gut und glaubhaft in eine 1970er Jahre Story passende Film ist phasenweise etwas langatmig, das gebremste Erzähltempo an sich stört aber eigentlich keineswegs. Der Look hat tatsächlich auch Anleihen an die größten Highlights osteuropäischer Märchenfilme der vergangenen sechs Jahrzehnte. Normale Farben gibt es kaum. Oft pure Düsternis. Passend zu Sequenzen mit Eis und Schnee wird es dann auch mitunter gleißend.

Drei tolle Schauspieler, ein paar interessante Wendungen in der Geschichte. Vieles was nicht nur hinsichtlich der Farbkomposition im Dunkeln bleibt: dieses Melodrama über Besessenheit, Opferbereitschaft und Selbstverlust ist absolut sehenswert!



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