Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Spielekiste Winterkalender 2015/2016

Ob beim sich “dem Unheimlichen” stellen, beim gemeinsamen Monster vor den eigenen Toren abwehren, beim Plantagen anlegen oder beim Zaubertränke ausliefern – man braucht ein gewisses Gespür für die jeweils richtige Taktik, gepaart mit dem guten alten Glück, um bei den vier folgenden Brettspielen als Gewinner des Abends gekürt zu werden. Wenn denn auch jeder Titel mit bleibender Spannung aufwarten würde, dürften solche Spielrunden auch lange dauern…

pegasuscastlepanicGemeinsam gegen Monster– Die Spielidee von “Castle Panic” dürfte insbesondere Fans des Computerspiel-Genres “Towel Defense”, in dem die Teilnehmer zuvörderst Türme bauen und diese dann vor diversen Gegnern verteidigen, bekannt vorkommen. In der Brettspielversion steht bereits ein mehrgliedriger Turm in der Mitte des Spielplans, verstärkt durch eine Mauer. Aus Wäldern, die die äußersten Ränder umgeben, stürmen nun diverse mehr oder minder gefährliche Monster wie Kobolde, Orks und Trolle auf die Anlage. Sie müssen drei Felder überqueren, bis sie die erste Mauer niederreißen könnten. Dabei bekommen sie es aber – da alle Spieler teilweise mit vereinten Kräften agieren – in schöner Regelmäßigkeit mit mal mehr, mal minder starken Bogenschützen, Rittern und zum Schluss mit Schwertkämpfern zu tun. Manche Monster verlieren dabei ihr Leben, manche nur an Kraft und können zumindest bis auf weiteres noch näher voran Richtung Burg stürmen. Ist die letzte Burgmauer unwiederbringlich zerstört sieht es Zappen duster für die Spielerrunde aus – die Monster stehen vor einem finalen Sieg. Um dagegen anzukämpfen und gar auch individuell zu siegen, müssen bis zu sechs Spieler wie angedeutet grundsätzlich zusammenarbeiten und im Verlauf letztlich tatsächlich alle Monster platt machen.

tacho-13 Konkret können theoretisch alle den Spieler, der gerade am Zug ist, dadurch unterstützen, indem sie ihm unmittelbar zweckdienliche Handkarten zum Tausch anbieten, damit er ein Monster, das zu nahe an den Turm zu kommen droht, im Interesse aller Einheit gebieten beziehungsweise zerstörte Mauern wiederaufbauen kann. Völlig selbstlos sollte man aber eben auch nicht agieren – wenn die Menschen am Ende gegen die Monster gewonnen haben, ist derjenige ihr Oberheld (Gewinner einer Spielpartie), der die meisten getöteten Monster vorweisen kann. Das Spiel ist unseres Erachtens überdurchschnittlich gut gelungen, auch in puncto Aufmachung und rasch nachvollziehbarer Anleitung. Vor allem ist es erfreulich kurzweilig und von der “Story” bis zur Umsetzung ordentlich durchdacht. Zumal neben den bereits erwähnten Elementen der Zufallsfaktor beim Kartennachziehen noch einige besonders fiese Gegner hervorzaubern kann, aber auch Rettung in höchster Not sein kann, und selbst die Tatsache, dass Startgebiete für die Monster jeweils ausgewürfelt werden, Taktikspieler nicht zu nachhaltig im Spielfluss einschränkt.Spielidee/Aufmachung/Material: 4/5 – Spielanleitung/-ablauf 4/5 – Spaß/Spannung/Suchtgefahr: 5/5


BroomserviceZaubertränke im Anflug – Aus dem Hause Ravensburger kommt das Brettspiel “Broom service”, in dem Hexen und Druiden diverse Tränke an diverse Türme im Flach- und Hochland, in Wald- und Berggebieten austragen und somit dem Sieg näher kommen können, welche zuvor von Kräuter-, Früchte- und Wurzelsammlern hergestellt werden. Trifft man unterwegs auf Wolkenfronten, so tritt die Wetterfee auf den Plan, vorausgesetzt sie hat genügend Zauberstäbe zur Verfügung. Es gibt zehn verschiedene Rollen, aus denen wählen zwei bis fünf Spieler bei jedem Zug jeweils vier, in die dann tendenziell schlüpfen können: als Hexe, Druide oder Sammler haben sie unterschiedliche Funktionen zu erledigen. Das Besondere dabei: man wählt, ob man mutig oder feige ist. Mutige Aktionen sind einträglicher aber auch riskanter, weil bereits nach der Ankündigung, dass man mutig spielt, Mitspieler die sich für diese Runde die gleiche Karte vorgemerkt hatten, diese Option wegschnappen und den Spielzug mit sofortiger Wirkung übernehmen können – so gerät der wohlüberlegte Plan zur Pleitenummer. Die Feigen hingegen kommen immer zum Zug – aber im Spiel auch nur sehr langsam voran.


Den Spielplan – beidseitig bedruckt, die eine für die Standart-/Einsteigerversion, die andere bietet eine kompliziertere Variante – kann man nicht unbedingt als liebevoll und schon gar nicht als übersichtlich gestaltet bezeichnen: zu viele Details, zu viele ähnliche Farben, so dass man fast mit der Nase auf dem Plan agieren muss – erst recht wenn nicht nur zwei Personen am Spieletisch Platz genommen haben.

tacho-07Auch beim Spielmaterial wurde hier viel zu sehr geknausert, was die Qualität und Übersichtlichkeit angeht. unzählig viele winzige Kleinteile, wie Zauberstäbe, Tränke oder Wolken, die man am Ende dann in diversen Tütchen verstauen soll. Selbst die Beschriftung der Rollenkarten beziehungsweise der Spielablauf-/Wertungskärtchen sind nicht gut lesbar. Und die siebenseitige Anleitung gibt leider reichlich Grund für Zweifelsfragen – unnötiges Diskutieren in Sachen Regelauslegung hemmt jeden Spielfluss und häufig auch -spaß. Das beginnt schon damit, dass nicht zweifelsfrei geklärt ist, wie Hexen bei ihrem jeweils ersten Auftreten auf ein ihren Fähigkeiten entsprechendes Gebiet ziehen dürfen. Denn eigentlich dürfen sie eben nicht aus sprichwörtlich heiterem Himmel auftauchen. Spielidee/Aufmachung/Material: 2/5 – Spielanleitung/-ablauf 2/5 – Spaß/Spannung/Suchtgefahr: 3/5


cacaoMit Handel und Kultstättenkraft zum Erfolg – Abacus Spiele verspricht “in die exotische Welt der Frucht der Götter zu entführen – es geht also um Kakao. Konkret gilt es für 2-4 Spieler (empfohlen ab 8) in die Rolle eines Stammeshäuptlings zu schlüpfen, Plantagen anzulegen, um mit dem Ertrag zu Wohlstand zu kommen. Mit leicht erlernbaren, doch tatsächlich Runde um Runde neu herausfordernden taktischen Überlegungen wird nicht nur jene Götterfrucht angelegt sondern auch Zugang zu überlebenswichtigen Wasserquellen geschaffen und auch Ausschau gehalten nach einem guten Weg zu einer Mine, um dort möglichst exklusiv Gold zu schöpfen. Wenn die Tempel(plättchen) hingegen unmittelbar gar nichts bringen – wie es mit dem Glauben halt so ist -, spielen diese in der Endwertung doch eine nicht unwesentliche Rolle. Das Spiel “Cacao” ist nicht nur schnell erklärt, die Regeln sind auch in verschiedenen Spielszenarien absolut stimmig – und das gemeinhin auch bis zur letzten Runde kaum vorhersehbare Rennen um den Sieg bleibt auch nach der dritten, vierten Partie (Dauer, jeweils gut 30 Minuten) an ein und dem selben Abend durchaus kurzweilig.

tacho-10 Im Spielverlauf sind die so genannten Arbeiterplättchen das zentralste Element. Und dabei ist die Idee, wie diese anzulegen sind und was mit den unterschiedlichen Ausführungen bewirkt wird – auf jedem der quadratischen Plättchen sind vier Arbeiter abgebildet, entweder auf jeder Seite einer, oder auf einer Seite gleich zwei und auf den jeweils benachbarten Seiten wieder einer, oder aber es gibt 2 leere Felder, eines mit einem und auf einer Seite gleich 3 Arbeiter – eigentlich simpel gestrickt. Die Regel des Schachbrettmusters und die jeweils zur Verfügung stehenden Plättchen lassen einem teilweise keine andere Wahl als auch wenigstens einen Gegenspieler ab und an gar größere Erträge bzw. Schätze zuzuschanzen als dem eigenen Portfolio. Cacao hat zwar nicht wirklich Kultcharakter, ist aber in jedem Fall mehr als ein nettes Mitbringsel für Wenigspieler. Zu unserem Wertungstacho dürfen Sie sich hier eigentlich noch einen virtuellen Bonuspunkt hinzudenken – denn hier ist es der Fall, ansonsten leider bei anderen Verlagen, die lieber viele kleine Plastiktütchen in ihre Spielekartons packen, eher aus der Mode gekommen: gute Aufbewahrungsmöglichkeiten für viele kleine Spielteile.Spielidee/Aufmachung/Material: 4/5 – Spielanleitung/-ablauf 4/5 -Spaß/Spannung/Suchtgefahr: 2/5


alte_dunkle_dingeSich dem Unheimlichen stellen – “Alte Dunkle Dinge” aus dem Hause Feuerland ist eines jener Spiele, das man am besten gleich direkt mit der jeweiligen Spielerrunde ausgiebig gemeinsam vorbereitet, im konkreten Fall für Spielaufbau und “Regel erlernen” etwa eine dreiviertel Stunde zusätzlich einkalkulieren sollte, außer man will Gefahr laufen, in den ersten zwei-drei Spielpartien gar keinen Spaß zu haben. Hier reicht es tatsächlich nicht, dass sich der Gastgeber die Mühe macht alles alleine vorzubereiten und dann rasch zusammenzufassen, obgleich es für alle Mitspielenden auch hier eine Kurzanleitung auf dem jeweiligen Markensammeltableau, welches gleichzeitig die originären Charakterzüge des Besitzers skizziert, gibt. Rundum positiv dagegen: Spielidee, Styling der Verpackung, Spielmaterial und Regelausgestaltung ergeben – keineswegs selbstverständlich heutzutage – ein rundum stimmiges Gesamtbild! Ein Team von zwei bis vier Abenteuerlustigen ab 14 Jahren macht sich mittels Boot über einen Fluss auf in mehr oder minder unheimliche Gegenden, wo sie sich ihren Ängsten zu stellen haben. Es heißt dann mit Mut und oder Taktik und mit tendenziell durchaus ein wenig steuerbarem Würfel-Glück das Unheimliche zu besiegen und mit dem Geld, von dem man mal mehr mal weniger hat, Ausrüstungen für besonders anstrengende Begegnungen zu besorgen. Hat man Pech, sammelt man in sein Gepäck dabei auch Stück für Stück “Das Dunkle Ding”, was am Ende, wo die meisten gesammelten Geheimnisse bzw. deren Wertigkeiten addiert werden, für Punktabzug sorgen kann.


tacho-11 Obgleich wir das Gesamtpaket gelobt haben und sich dort einfügt, dass passend zum Szenario das Spielmaterial (damit auch viele Karten mit vergleichsweise viel Text) ziemlich düster gestaltet wurde, ist es eben häufig anstrengend dies und das rasch zu Lesen. Da viele Karten ausliegen, die einzelnen Spielelemente ohnedies eher komplex sind, wird so der Spielfluss oftmals gebremst. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Details in der Anleitung eher oberflächlich behandelt werden, dafür an anderer Stelle Platz verschwendet mit ausführlichsten Darstellungen simpelster Würfelkombinationsmöglichkeiten, die eigentlich jeder Achtjährige ohne auch nur ein einziges Erklärbildchen nachvollziehen kann.


Trotzdem und obwohl die am Anfang fast zu komplex erscheinende Spielanleitung fast vom Spiel abschreckt, ist der Ablauf wenn man erst einmal den “Flow” hat doch ziemlich kurzweilig.Spielidee/Aufmachung/Material: 4/5 – Spielanleitung/-ablauf 3/5 – Spaß/Spannung/Suchtgefahr: 4/5



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