Spielekiste Winterkalender 2015/2016 Teil 2

Zum Abschluss unseres diesjährigen Winterkalenders greifen wir noch einmal in die Spielekiste… weiterhin unter dem Motto “what’s hot, what’s not” – auf dass Sie einerseits kein Geld verschwenden und andererseits beim Geschenkeverteilen keine langen Gesichter ernten.

buttonsMit Knöpfchen zum Erfolg– In “Buttons” (von Noris) spielt jeder – 2 bis 4 Spieler ab 8 Jahren – auf seinem eigenen kleinen quadratischen Spielplan, der voll von bunten Knopffeldern ist. Links und oben säumen Würfelaugen von 1 bis 6 das Tableau. Die Idee ist, durch Würfelglück mit durchsichtigen Knöpfen aus dem Vorrat die bunten abgedruckten Knöpfe gemäß der Regel (keiner neben dem anderen, diagonal ist kein Problem) so zu belegen, dass bei den jeweiligen Zwischenwertungen möglichst viele Sterne durch bisher geschicktes Platzieren gesammelt werden. Wer schließlich irgendwann fünf in einer Reihe zusammenhängende Sterne oder wahlweise insgesamt zwölf Sterne irgendwo auf dem Plan regelkonform eingetauscht vorweisen kann, hat gewonnen. Der aktive Spieler kann jeweils zwischen zwei Möglichkeiten wählen: entweder er fordert nach und nach sein Glück imer weiter heraus – wenn durch Würfelergebnisse keine Knöpfe gesetzt werden können, müssen auch die in der jeweiligen Runde bereits gesetzten vom Feld geräumt werden, als ob jemand den großen reset-Knopf drücken würde – oder er tut gleich nichts bzw. stoppt (rechtzeitig) im weiteren Verlauf des Zugs und gibt die Würfel entsprechend an den Nebenmann, der unter Umständen bereits von einem Teil seiner Würfelergebnisse nebenher profitieren konnte (zwei der insgesamt jeweils sechs zu werfenden Spielquadranten sind golden markiert, diese gelten ggf. auch für die Gegenspieler) und dabei aber keine Gefahren eingehen musste, weiter.

tacho-08 Langer Rede kurzer Sinn: bei Buttons spielt zwar auch Taktik eine gewisse Rolle, aber es überwiegt am Ende dann doch wie bei vielen Spielen die mehr oder minder hochtrabend neue Mechanismen, neue Ideen behaupten, doch das profane Würfelglück. Immerhin: dieses Spiel ist leicht und rasch und unmissverständlich auch jungen Schulkindern erklärbar und mit etwa einer halben Stunde Spieldauer insgesamt auch relativ kurzweilig – aber eben nur bedingt spannend. Dies vor allem weil es ein zentrales Spielelement ist, in einer halbwegs guten eigenen Ausgangslage kaum mehr ein Risiko eingehen zu müssen. Bezüglich der an sich durchaus netten Spielmaterialideen gibt es noch zu bemängeln, dass transparente Knöpfe nicht immer praktisch sind, je nach Lichtverhältnissen und eigener Augenstärke können sie leicht übersehen werden. Spielidee/Aufmachung/Material: 3/5 – Spielanleitung/-ablauf 3/5 – Spaß/Spannung/Suchtgefahr: 2/5

simsala_bummWenn Zaubersprüche daneben gehen– Das Packungsdesign von “Simsala…Bumm?” mutete für uns eher nach einem reinen Kinderspiel an, ist aber dann doch (erst) ab acht Jahren empfohlen und richtet sich gar durchaus nicht zuletzt an Erwachsene. In dem Spiel wetteifern die Zauberschüler im Sprüche aufsagen. Wer die meisten “richtigen” schafft, hat gewonnen. Wenn man möchte, schmückt man das Ganze noch mit irgendwelchen Geräuschen oder Gesten aus, je nachdem wie die Spielrunde von 2 bis 5 Personen so drauf ist, finden das auch Hardcorespieler schon beim zweiten Mal ziemlich affig. Auch bei diesem mit einer “Abschlussprüfung des Magiestudiums” als Basisgeschichte kokettierenden Titel ist schon mal erfreulich und – da es keineswegs selbstverständlich ist -entsprechend festzuhalten: die Regeln sind schnell erklärt und ohne Widersprüche verfasst. Ansonsten gibt es einen Spielplan, wo erfolgreich vollbrachte “Sprüche” in Form von Runensteinen platziert werden. Spieler sehen ihre eigene Steine bis dato nicht, dafür aber die ihrer Gegner und natürlich, was bereits von wem auch immer (vulgo durch die Spielvorbereitung als Ausgangslage vorgegeben) in die Landschaft gestellt wurde. Daraus kombinieren sie, welche Sprüche wohl noch vorhanden sein könnten. Damit letztlich im übertragenen Sinne nicht eins und eins immer zwei ergibt, spielt man “Simsala…Bumm?” sozusagen als Gleichung mit einigen Unbekannten. Einige wenige Steine werden nämlich zur Seite gestellt und “eigentlich” nie angetastet, was das Raten erschwert, den Spielspaß zumindest für einige Partien angenehm erhöht.

tacho-08Liegt man mit seinem Spruchrepertoire daneben, verliert man wertvolle Lebenspunkte. Zumindest temporär. Denn es gibt Situationen, da gewinnt man Lebenspunkte zurück oder darf sich gar exklusiv einen der vier verdeckten Steine ansehen, womit das Raten etwas zielsicherer ausfallen kann. Und es gibt bei diesem Titel aus dem Hause Pegasus auch Spielzüge, die eine Bestrafung der Gegner vorsehen – mal den der links von einem sitzt, mal den Gegener zur Rechten, mal beide vorgenannten auf einmal, mal alle Mitspieler. Ätzend wird das dann folgedem wenn man eine Partie mal nur zu zweit spielt. Schade auch, dass der gemessen am gesamten Spielgeschehen etwas mickrige Plan rasch überladen erscheint – für eine größere Runde als nur für zwei ist vieles was abläuft nicht gut einsehbar. Dazu kommt, dass man in diese 36 Runensteine bzw. Plastikdinger, in die man die auf Pappkärtchen fixierten Spruchvarianten schiebt, nicht gut verdeckt mischbar sind. Spielidee/Aufmachung/Material: 2/5 – Spielanleitung/-ablauf 3/5 – Spaß/Spannung/Suchtgefahr: 3/5

wieichdieweltseheWolkenblasen im Alkoholrausch– Kennen Sie den Teil von Max Uthoffs Soloprogramm, in dem er über die “Erfindung” des Drehzahlmessers spricht? “Das traust du dich nicht”, antwortet einer, als derjenige der sich diesen Humbug, den bis dato niemand der Ohren hat, also ohnedies “erkennt” wann im Auto schalten angeraten ist, meint, diese aberwitzige Idee dem Chef vorzustellen. So ähnlich stellen wir uns die Situation vor, als im Verlag Abacusspiele irgendjemand drohte mit der “Spielidee” “Wie ich die Welt sehe” um die Ecke zu kommen und am Ende noch arglosen Spielefreunden da draußen in der weiten Welt – nun gut zumindest Menschen im deutschsprachigen Raum – für ein paar Minuten in den Irrglauben zu versetzen, dass hier auch nur ansatzweise Stimmung wie bei Partyspielen aus den 80er bzw. 90er Jahren, etwa wie bei “Tabu”, “Therapy” oder “Nobodys Perfect” aufkommen könnte. Doch hier hat man es eben leider nur mit jener Art Unterhaltung zu tun, die bestenfalls in einem schon ziemlich angeheiterten, sprich alkoholisierten Zustand, aufgeht. Und auch dann frühestens wenn sich mindestens fünf Leute (wir sagen: keinesfalls ab bereits dreien wie der Spielekarton angibt) zusammenfinden um wenigstens ein klein wenig Vielfalt in den jeweils ausgewählten “Antwortoptionen” erahnen zu lassen.

tacho-02 Denn das Spielprinzip läuft wie folgt: Es gibt einen Pool von Sprüchenkarten, wo jeweils mindestens ein Wort durch ein Wolkensymbol ausgelassen ist, und einen noch größeren Pool von Kärtchen mit mehr oder minder schlecht dazu passenden Einzelworten oder kleinen Wortreihen. Ein Spieler liest zunächst den “Spruch”, die anderen legen aus ihrem jeweils sehr begrenzten persönlichen Wölkchenfüllervorrat eine Ergänzung aus, dazu kommt eine Wild-Card aus dem allgemeinen Nachziehstapel. Alle “Antwort”-karten werden gemischt, der Startspieler liest sich alles durch und darf bzw. muss dann entscheiden, welches Wort zu seinem Spruch zumindest halbwegs passt oder vermeintlich irgendwie etwas Lustiges darin produziert. Hat er ein Wort von einem Gegenspieler genommen, bekommt derjenige Punkte, war es vom Stapel, verliert der Startspieler Punkte und darf in der nächsten Runde wieder weiter raten. Bei einigen Antwort-Kombinationen könnten zwar tatsächlich witzige Sprüche entstehen, aber in der Gesamtheit langweilt dieses Spiel total. Welchen Spaß will man aber auch von einem “Autor” erwarten, der in der Anleitung im Bereich “Helpline” (wo Namen und Begriffe aufgezählt und erklärt werden, die man vielleicht je nachdem mal in Deutschland, mal in Österreich, mal in der Schweiz nicht kennt) Angela Merkel als “charismatische Führungspersönlichkeit” bezeichnet, Sumo(ämpfer) als Ringer in “sexy Outfit” und nebenbei noch ziemlich aberwitzig Werbung für irgendein vermeintlich namhaftes Fitnessgerät macht, das er über den sprichwörtlich grünen Klee lobt und dabei gar noch den ach so günstigen Preis lobt. Durch gewisse Abwandlungen der Grundidee von “Wie ich die Welt sehe” könnten wir uns zwar einige Ideen vorstellen, mit den Kärtchen etwas halbwegs Unterhaltsames anzufangen – so ist es aber tatsächlich einer der größten Flops im Bereich “Mitbringspiele” die uns seit Jahren begenet sind. Spielidee/Aufmachung/Material: 1/5 – Spielanleitung/-ablauf 1/5 -Spaß/Spannung/Suchtgefahr: 0/5

hausdersonneLeben mit einem aktiven Vulkan -“Haus der Sonne” ist ausschließlich für zwei Spieler ab einem empfohlenen Alter von zwölf Jahren konzipiert. Es gilt auf einer Insel, in deren Mitte ein aktiver Vulkan beheimatet ist, Statuen zu errichten. Und nebenbei auch Fische, Muscheln oder Perlen zu sammeln, mit denen großen bei der Schlussbewertung noch weitere Punkte winken, die nochmal den letzten Ausschlag in Sachen Siegerkürung bringen können. Auch kann man sich situativ hier und da zusätzliche Karten “besorgen”, die ihrerseits die Punktzahl verbessern können. Das alles schafft man, indem man mit Hilfe des eigenen Schamanen Platz für Punkte bringende Statuen sichert. Wenn man das gut durchdacht anstellt, so bekommt man zusätzliche Punkte, etwa wenn man Statuen durchgehende Wege einnimmt – eine Reihe vom Strand bis fast zum Vulkan bildet oder in einer bestimmten Naturregion – Wiese oder Wald oder Berge – einfach viel präsenter als die Mitspieler ist. Irgendwie wirkt dieses Spiel spätestens nach einer Viertelstunde wie ein billiger Mix aus ohnedies schon zigfach adaptierten Spielideen – nicht zuletzt weil auch einmal mehr die unter anderem aus Catan bekannte Spielplanfarbgebung auch ins Kurzzeit-Gedächtnis zurückkommt.

tacho-07 Die nötigen Karten für Statuen aufstellen und alles andere bekommt man in einem Hafen, den das Boot angesteuert hat. Am Ende eines jeden Durchgangs dieses Spiels aus dem Hause Feuerland bricht dann der Vulkan aus, dessen Lava – je nachdem, wie sie fließt, was man mit bestimmten Karten vorab beeinflussen konnte – idealerweise gegnerische Statuen zerstört. Es ist ein Spiel ohne Charme, zwar auch wieder leicht erklärt und schnell gespielt. Gemessen an dem wie es vom verlag beschrieben wird, gemessen an dem, was die Spielschachtel an Assoziationen weckt eine herbe Enttäuschung. Aber da es im Grunde auch nominell nicht falsch falsch macht, außer eben alles andere als auch nur halbwegs originär zu sein, kann man es zumindest Wenigspielern, die kaum andere Titel ähnlicher Machart kennen, zumuten. Spielidee/Aufmachung/Material: 2/5 – Spielanleitung/-ablauf 3/5 – Spaß/Spannung/Suchtgefahr: 2/5

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