Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Kurzkritik zu “Sechswochenamt”

Die erste Hälfte des Kinojahrgangs 2026 ist fast um – wirkliche Highlights aus dem deutschsprachigen Raum sind bisher rar gesät (löbliche Ausnahmen aber gab es: “Home Entertainment” von Dietrich Brügge­mann und allen voran Nicolas Steiners “Sie glauben an Engel, Herr Drowak“). Mit “Sechswochenamt” kommt nun aber ein weiterer Must-see in die Lichtspielhäuser. In dem anrührenden aber überhaupt nicht kitschigen Spielfilm der ins Jahr 2020 zurück blicken lässt, geht es um eine gerade verstorbene Mutter und eine ihrer beiden Töchter, die unter anderem mit den neuen Regeln des Corona-Regimes zu kämpfen hat.

Für empathische Menschen ist es nie leicht, wenn ein geliebter Freund oder Verwandter stirbt. Wie tiefgreifend die Beziehung zwischen der Toten und ihrer Tochter war, erfährt der Zuschauer nicht wirklich. Aber der Film startet mit der Sequenz, wo die junge Frau offenbar gezielt temporäres Quartier im Hospiz bezogen hat, und somit den offensichtlich für alle nicht mehr überraschenden Tod der erst 55-jährigen Krebspatientin hautnah miterleben durfte – oder soll man sagen miterleben musste. Lore verabschiedet sich jedenfalls innig. Wenig später wird sie ihrer Schwester am Telefon vom letzten Atemzug der Mutter berichten. Und auch davon, dass sie bis zu jenem Moment in den letzten Stunden akribisch darauf geachtet hatte, immer wieder eine neue Kerze zu entzünden, sobald die alte zu erlischen drohte. Weil sie Angst hatte, dass andernfalls der Tod käme. Doch der kam trotzdem. Die aktuelle Kerze brannte derweil unbeeindruckt weiter.

Dass es die Mittzwanzigerin in den kommenden Tagen und Wochen nicht leicht haben wird, ahnt man sofort. Schließlich verließ sie das Zimmer der Toten auf der Suche nach einer Vertreterin des Pflegepersonals sogleich mit den Worten “Meine Mama ist tot, was mach’ ich denn jetzt?”. Ihre Oma wird sie nicht beim Gang ins Beerdigungsinstitut begleiten. Ihre Schwester sowieso nicht. Auch in vielen anderen Situationen, die es zu regeln gilt, wird sich Lore alleingelassen fühlen. Unterstützen will sie tatsächlich niemand – aber mitreden, rummäkeln nahezu jeder. Das fängt bei der Gestaltung der Traueranzeige in der Zeitung an und endet an der von allen Seiten hereinprasselnden Kritik, dass es Lore mit den unorthodoxen letzten Wünschen der Verstorbenen doch nicht so genau nehmen muss. Aber die Mutter hat verfügt, dass ihre Asche im Meer verstreut werden soll – und das will die Tochter irgendwie arrangieren. Wohl wissend, dass dies in Deutschland eigentlich verboten ist. Zu allem Übel setzen in diesen Tagen auch die Kontaktbeschränkungen im ersten Corona-Jahr ein. Die Geschichte spielt 2020 – Hamsterkäufe  beim Klopapier und anfangs halbherzig getragenen Masken blitzen in Nebenszenen auf.

“Sechswochenamt” von Jacqueline Janson ist ein Debütfilm! Und gleichzeitig einer der – auch international beleuchtet – mit Abstand allerbesten Streifen, die in den vergangenen Jahren über Abschied und Trauer erzählen, wenn es nicht um Gewalt oder Krieg geht. Magdalena Laubisch als Lore ist schlichtweg eine Idealbesetzung. Es bedarf bei ihr keiner großen Worte die Innenwelt der emsigen Tochter transparent zu machen. Anrührend. Aber nicht kitschig. Sämtliche Filmförderungsstellen dieses Landes sollten sich schämen Janson nicht vertraut zu haben: die Regisseurin musste für diese wunderbare Kinoproduktion ohne einen Cent dieser einschlägigen Geldgeber auskommen.



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