Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Kurzkritik zu Judith Angerbauers “Sabbatical”

Die bisher eher als Drehbuchautorin (u.a. der vielleicht beste Film in Jürgen Vogels Karriere “Der freie Wille”) bekannte Judith Angerbauer legt mit „Sabbatical“ ihren zweiten Langfilm vor: zwei mehr schlecht als recht noch miteinander verbandelte Erwachsene wollen mit ihrem Kind eine Auszeit in Griechenland nehmen. Sein Bruder und irgendwann auch seine Eltern spielen keine unbedeutenden Rollen. Ebenso ihre seit Jahren abwesenden Eltern.
Robert (Trystan Pütter) und seine Partnerin Tara (Seyneb Saleh) wollen sich gemeinsam mit ihrer Tochter Nia (Zoë Baier) eine Auszeit nehmen, ehe diese im nächsten Jahr eingeschult wird.  Es geht ans Meer – konkret nach Griechenland. Die Dreisamkeit genießen und – eher unausgesprochen – wieder besser zueinander finden. Kurzum: Der “Urlaub” soll die – obwohl es für den Kinozuschauer keine klassischen Rückblenden gibt – augenscheinlich schon länger zerrüttete Beziehung der Beiden retten. Doch auch während ihres unbefristeten Ausstiegs – er plant wohl länger, sie hatte aber zumindest insgeheim kein ganzes “Sabbatjahr” vor Augen, wenngleich innerhalb der Filmlogik wahrscheinlich noch nicht mal viele Wochen verstrichen, seit sie hier in der aktuell recht fröstelnden Umgebung (die Neoprenanzug und Gasheizer statt Sonnenbrille und Badehose zum Einsatz kommen lässt) angekommen sind  – sorgen Roberts ständige Telefonbereitschaft für einen nie ganz klar einschätzbaren Job, aber auch wohl schon seit Jahren (wenn nicht Jahrzehnten) schwelende Familienkonflikte für eigentlich tagtägliche, nur selten pausierende Spannungen…
Mit einem kontroversen Film wie insbesondere “Der freie Wille”, der eben auch aus ihrer Feder stammt hat Angerbauers “Sabbatical” nicht im Entferntesten etwas gemein. Schlimmer: es ist eigentlich nahezu jedwede “wichtige” Szene in dem kleinen Alltagsdrama über ein dysfunktionales Mittdreißiger-Paares bis ins Detail vorhersehbar. Manche Bild-Sequenzen legen es gerade dazu darauf an, dass der Zuschauer denkt, “dies und das wird passieren, wetten?” – auch wenn es dann meistens aber noch 5 bis 10 kaugummiartige Filmminuten (Spielzeit insgesamt: 99 Minuten) dauert, ehe das vermutete Ereignis dann tatsächlich passiert.

Richtig langweilig ist das Ganze gleichwohl trotzdem nicht. Man kann auch nicht sagen, dass einer der Haupt-Charaktere schlechte Arbeit in der Darstellungskunst liefert. Es fehlt aber komplett die Harmonie, bzw. in diesem Fall muss man sagen: es mangelt (auch) daran, die behauptete Disharmonie organisch darzustellen. Es gibt zwar einige formal schlüssig aufgezeigte Situationen mit der die unmittelbare Entstehung der aktuellsten Missstimmungen in dieser Paarbeziehung “miterlebt” werden kann, auch sind diese Beispiele sogar mitunter sehr lebensnah – aber eben letztlich nur aneinandergereiht. Keinerlei Tiefgang. Auch wenn angerissen wird, dass man mal sich – mutmaßlich mal wieder wie auch in Berlin vor dieser Reise – getrennt schlafen geht.

Auch als gegen Ende aufgrund einer ernsthaft besorgniserregenden Situation Roberts Eltern (gespielt von Ulrike Willenbacher und Bernhard Schütz) ins Geschehen treten, wirkt nahezu jeder Dialog, auch jede Interaktion ohne (große) Worte wie richtig schlecht getimtes und bestenfalls rudimentär beherrschtes Method Acting. Am Natürlichsten agierte bis dato die Figur von Roberts jüngerem Bruder Jonathan (Sebastian Urzendowsky), der vermeintlich überraschend eines Tages auf der Insel auftauchte.

“Sabbatical” ist definitiv eher ein Fernsehfilm als etwas, das sich lohnt, unbedingt im Kino in Augenschein zu nehmen. Ein paar nette Landschaftsaufnahmen reichen für eine bildlich faszinierende Geschichte beileibe nicht aus.


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