Ein mit Holz zu schürender, daher sehr antiquiert anmutender Ofen ziert als Titelbild das Hardcoverbuch aus dem österreichischen Anton Prustet Verlag, passend zum Inhalt: “Das Kochbuch der Bäuerin. Die gute alpenländische Küche” (24 Euro). Der Titel gilt tatsächlich völlig zu Recht als Standartwerk – eine Sammlung von knapp 1100 alpenländischen Rezepten – ist nunmehr, hier und da von Nastasja Pircher dezent überarbeitet und ergänzt, in die 10. Auflage gegangen. Weiterhin ohne Hochglanzfotos, dafür mit diversen nützlichen Zeichnungen. Etwa Anleitungen, die einem zeigen, welches Stück Fleisch aus welchem Körperteil eines Rindes, Schweines oder Schafes entstammt und wofür es am besten verwendet wird. Aufgeteilt ist das Werk in 15 sinnvoll abgegrenzte Kategorien, bietet zahlreiche Rezepten und Tipps zur Zubereitung von Suppen, Gemüse, Fleisch oder Fisch, zu Pilzen, zu diversen Beilagen, zu Teigwaren, Torten und anderen Süßigkeiten, zu Getränken und Krankenkost.
“Das Kochbuch der Bäuerin” bietet auch ausführlich wertvolle Anleitungen, wie man Lebensmittel ganz ohne Chemie ein- beziehungsweise länger haltbar macht, worauf man diesbezüglich bereits beim Einkauf achten kann, wie man schonend lagert, einfriert oder trocknet. Wer in seinem Wohnumfeld auch die Möglichkeit dazu hat, es aber noch nie ausprobiert hat, Kräuter anzubauen, bekommt auch hier Tipps zu knapp 20 Sorten geliefert, unter anderem ab wann man sie am besten erntet und wie man sie am Besten verwendet.
Irritierend auf dem ersten Blick: Die Rezepte sind hier gemeinhin auf zehn Personen gerechnet. Weil es ja früher größere Familien bzw. mehrere Generationen unter einem Dach gab – man muss also die Zutaten/Mengenangaben ggf. entsprechend runter rechnen. Ansonsten ist positiv festzuhalten: Für die Rezepte werden fast ausschließlich regionale und vor allem saisonale Produkte verwendet. Neben Hausmannskost gibt es auch verführerische Kochideen für Festtage. Und damit auch Nichtösterreicher alles verstehen, bietet das Buch ein ausführliches Österreichisch-Deutsches Glossar rund um Begriffe zum Thema Küche und Essen. Auch die Mengenangaben werden gleich zu Beginn des Buches erklärt, denn statt wie für “uns” Piefkes^^ gewohnt Gramm oder Kilo werden die Zutaten in dag (Dekagramm, 1 dag = 10 g) gemessen – etwas gewöhnungsbedürftig. “Das Kochbuch der Bäuerin” lässt am Ende sogar sechs Seiten frei, damit man eigene Rezepte hineinschreiben kann.
Wie bereits erwähnt, kommt das bis auf den Einband schwarz-weiß gehaltene Buch komplett ohne Hochglanzfotos aus. Das hat den positiven Effekt, dass man sich nicht so unter Druck gesetzt fühlt, seine eigene Kreation mit einem Kunstfoto zu vergleichen und im schlimmsten Fall entmutigt zu werden. Die Rezepte sich einfach, ohne Schnörkel, ohne Zutaten, die erst aufwändig besorgt werden müssen. Einzig: Bei einigen Kochideen könnte man sich als kompletter Neuling im Tortenbacken genauere Angaben zu Backzeit beziehungsweise Backdauer wünschen, als nur die Beschreibungen “heißes Rohr” oder “mäßig warm” zum Backofen. Ansonsten hat man hier ein Buch zur Hand, das für jede Gelegenheit etwas bietet, als würde man ein schier nie enden wollendes Rezeptheft der Großmutter durchblättern.
