Die Claßen Wurstwarenmanufaktur verspricht unter dem Label Goosies “Delikatessen” mit Bratwursterzeugnissen aus Geflügelfleisch speziell ohne Zusatzstoffe, Emulgatoren, künstliche Aromen, Farbstoffe oder sonstige Geschmacksverstärker. Klingt lecker, ist es das aber auch?
Neben der Gänsbratwurst in Schafssaitling – eine Packung beinhaltet vier Würste, insgesamt 225 g für 4,99 Euro – haben wir namentlich auch die Hähnchenbratwurst mit Tomate-Mozzarella (ebenfalls im Schafssaitling – gleiche Stückzahl, gleiches Gewicht für 4,49 Euro – unter die “Lupe” nehmen können. Die – Eigenwerbung-O-Ton – “Aromatische, leichte Gänsebratwurst ‘natur’ mit eigens entwickelter Gewürzmischung – ideal für die Pfanne oder den Grill” besteht laut Herstellerangaben aus 70% Gänsefleisch, dazu kämen Gänsefett und -haut, sowie Trinkwasser, Dextrose und Gewürze. In den Zubereitungshinweisen steht, dass man diese Wurst speziell bei leichter Hitze zubereiten sollte, bis das Ergebnis “nur leicht bräunlich” ist. Die Webseite der Wurstmanufaktur verrät mehr über das warum: da Gänsefett sehr schnell flüssig werde, würde bei längerem Braten Fett austreten und die Wurst trocken. Nun, es passiert nicht alle Tage, dass man Internetauftritte der Hersteller durchforstet, wenn man eigentlich nur eine Kleinigkeit grillen möchte. Aber trotz dieses bei uns ohnedies vorhandenen “Wissens” und auch der Möglichkeit des indirekten Grillens waren wir mit dem Resultat in beiden Variationen äußerst unzufrieden. Die Würste wirkten stets zu trocken.
In unserem Geschmacksteserteam haben wir – generell und auch rund um die Claßen-Produkte – Leute verschiedensten Alters, mit im Detail sehr unterschiedlich tickenden Geschmacksnerven, die sich hier bei ihrer Arbeit für die Kulturküche aber stets bemühen, eigene Vorlieben hintanzustellen und vielmehr grundsätzliche Aussagen über Qualität und Stimmigkeit eines Gesamtkonzepts zu treffen. Konkret kennen sich die Tester auch namentlich sehr gut mit allerlei landauf landab dargebotenen Wurstspezialitäten in allen erdenklichen Formen und Geschmacksrichtungen aus – von klassisch Schweinisches aus Franken und Thüringen über vegan/vegetarisch und Rindswürsten bis hin zu extrascharfes und oder auch massenhaft Abgepacktes. Dazu sind einige von uns in der kalten Jahreszeit auch mit Gänsebraten sozialisiert, 3/4 der Testesser wissen auch sonstiges Geflügel in zahllosen Varianten gemeinhin vor fast allen erdenklichen Fleischspeisen zu schätzen, mancheiner liebt beispielsweise dänische Geflügelfrikadellen in Bioqualität, ein anderer durfte schon bei rund zwanzig, auch mit den bekannten Auszeichnungen überhäuften Gourmetköchen probieren… Dass alle vier Tester, essenstechnisch eben recht unterschiedlich veranlagte Personen, den Geschmack der Goosies Gänsbratwurst übereinstimmend unbefriedigend bis gar unangenehm beurteilen, hätten wir im Vorfeld niemals befürchtet. Vielmehr waren wir allesamt positiv neugierig gestimmt auf die Erzeugnisse aus Bakum. Immerhin: an Haptik, Optik und Geruch können wir nichts kritisieren. Etwas weniger trocken, dafür geschmacklich ebenfalls bestenfalls als “lasch” von unserem Kulturküche-Team tituliert, wurde – wiederum überraschend einheitlich – die Hähnchen-Variante Tomate-Mozzarella. Aber zu den Hähnchenbratwurst-Produkten an sich, die eben auch in anderen Geschmacksformen angeboten wird, besteht also zumindest theoretisch Hoffnung, dass es ein halbwegs stimmiges Produkt sein könnte.
Ergänzend (trotzdem) noch ein Wort zum Warenbezug an und für sich: unter anderem einige Edeka-Märkte oder Kaufhof-Filialen haben Claßen-Waren im Sortiment. Da aber eine flächendeckende Verbreitung im stationären Handel quer durch die Republik noch nicht gegeben ist, empfiehlt die Manufaktur aus Niedersachsen generell auch einen Bezug via “gourmondo.de” – für uns als berichterstattende Journalisten hat das seit über 25 Jahren auf bratfertige Gänse spezialisierte Familienunternehmen (man habe den gesamten Produktionsablauf von der Bruteierzeugung über Aufzucht, Haltung, Schlachtung und Vermarktung der Gänse in der eigenen Hand, arbeite gezielt nach ethisch anspruchsvollen Richtlinien, artgerecht und vom Schlüpfen bis zum Schlachten werde den Tieren “ein respektvolles Leben gegönnt”) auch die Testwarenzusendung an unser Büro beauftragt. Zunächst kam es zwei Mal zu einer Verschiebung des anvisierten Ausliefertermins – als dann endlich Waren zugestellt wurden, fehlte die ebenfalls zugesagte Teststellung “Gänsebratwurst mit Trockenobst” ohne jedweden Hinweis im Paket selbst. Es bleibt die Hoffnung, dass “gourmondo.de” mit Direktbestellern zuverlässiger agiert, wobei das am Geschmack und dem extremen Trockenfeeling der “Gänsebratwurst natur” freilich nichts ändern dürfte, denn: die Kühlkette war trotz der Lieferverzögerung augenscheinlich nicht unterbrochen gewesen und das Mindesthaltbarkeitsdatum bei unseren beiden Testrunden (einmal Pfanne, einmal Grill) noch nicht erreicht. Das Ergebnis, was wir mit “viel Lärm um Nichts” zusammenfassen würden, lag also offenbar leider an den Würsten selbst.
