Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Freizeittipps November 2014

eat_style31.10. – 02.11. EAT&STYLE – Messe – Auf dem Foodfestival im Zenith in München wird geschlemmt, mitgekocht und nachgemacht verspricht der Veranstalter:
“Rund zehn der angesagtesten Restaurants präsentieren 2014 ihre beliebtesten Gerichte während der Eat & Style . Wer sich selbst an der Zubereitung raffinierter Speisen versuchen möchte, hat dazu in den Kochkursen der Eat & Style Kochschule die Chance. Das Spektrum der Rezepte geht von der vegetarischen Küche bis hin zum Rinderfilet mit Rotwein-Schalotten-Sauce.”

foggo31.10. MARK FOGGO ab 22 Uhr im Backstage – Statt irgendwelche Masken aufzuziehen und an Haustüren mit dem Spruch “Süßes oder Saures” auf milde Gaben zu hoffen, sollten Sie heute in einer der besten Konzertlocations der Stadt vorbeischauen. Denn bei einem der spiel-, sing- und tanzwütigsten Ska-Musiker ever geht sicher reichlicher die Post ab! Die Kollegen von laut.de haben es schon vor rund 10 Jahren mal gut auf den Punkt gebracht: “gehört fraglos zu den schillerndsten Institutionen der europäischen Ska-Szene. Wer den schmächtigen Mann auf der Straße trifft, vermag sich kaum vorzustellen, dass Foggo im Rampenlicht zu einer Entertainer-Furie ersten Ranges mutiert.” Und es stimmt ebenfalls, dass dieser Extremtänzer und Wahl-Holländer in nunmehr über dreißig Jahren Showgeschäft mehrere Ska-Revivals kommen und gehen sah, ohne sich davon großartig beeindrucken zu lassen.

egers_puntigam_g04.11. – Matthias Egersdörfer & Martin Puntigam – Lach- und Schießgesellschaft: Mittlerweile ist die Fangemeinde des gelernten Medienberaters, der unüberhörbar aus dem Nürnberger Land stammt, bundesweit ins Unermessliche gestiegen. Der 1969 geborene studierte Germanist, Philosoph und Künstler – hier unten im Bild – ist dabei vor allem dank seiner vielen Wutausbrüche in nur wenigen Jahren auch bei den rar gesäten anspruchsvollen TV-Unterhaltungsformaten ein gern gesehener Gast. Es ist ja auch nahezu unmöglich, ihn nicht ins Herz zu schließen, diesen korpulenten Mann mit dem schütteren Haar und dem grimmigen Gesichtsausdruck, wenn er von ganz gewöhnlichen Alltagssituationen erzählt, die im Verlauf des Abends immer abstruser werden. Oder wenn sich Egersdörfer in Rage redet, das Publikum anbrüllt. Man könnte glauben, der Mann explodiere gerade. Ob als kleiner Bub mit der Mutter an der Wursttheke, im Kampf gegen Kundenkartenwahnsinn im Supermarkt, beim Rätseln über die Art der Gegenstände die sie auf deutschen Autobahnen umherfliegen oder bei seinen angsteinflößenden Erinnerungen an die Schulzeit – Papierschiffebasteln inklusive. Seine Geschichten sind stets brüllend – oder zumindest tragikomisch. Und daher gehen wir davon aus, dass auch sein neues Programm “Erlösung” sehenswert wird, zumal Egersdörfer diesmal eben auch noch gemeinsam mit Martin Puntigam auf der Bühne steht und die Beiden das Ganze “als Wiedergutmachung für alle  Kränkungen der Vergangenheit, als Geschenk ans gesamte Universum, vor  allem an die Frauen” verstanden wissen möchten: “Cuteness overload alert! Mit Pause.”

konstantin_wecker05.11. Konstantin Wecker – Circus Krone – Und er “redet immer noch dagegen, wird nicht müde, sich zu empören und hat den Glauben nicht verloren, dass sich etwas verändern kann. Hoch politisch und tief romantisch, knallhart und lyrisch verspielt, zeigt Konstantin Wecker viele Gesichter. Ein bissiger Kritiker, Kabarettist, der dank der Liebe zum Leben und den Menschen nicht zum Zyniker geworden ist. Mit über 60 Jahren immer noch ein Revolutionär der Hoffnung in sich trägt und in die Schublade – kritischer Liedermacher – in fortgeschrittenem Alter nicht mehr passt. Nein, der gereifte Konstantin Wecker will jetzt das pure Leben, unausweichlich mit der nötigen Selbstironie.” Denn er bereue keine einzige Minute seiner jahrzehntelangen Bühnentätigkeit: „40 Jahre auf der Bühne zu stehen ist Wahnsinn. Und zwar der schönste Wahnsinn, den man  sich vorstellen kann.“  Aus diesem Grund hat der deutsche Liedermacher seine Herbsttour 2014 auch schlicht  „40 Jahre Wahnsinn“ getauft.

tams07. November Competition, Competition! – TamS Theater (Haimhauser Str. 13a) – Eine vielversprechende Uraufführung steht hier ins Haus: Wettbewerb bestimmt unser Leben. Aber um was bewerben wir uns eigentlich ununterbrochen? Um Einkommen, Kleinwagen, perfekte Partner oder die optimale Eigenheimfinanzierung?

Die Betreiber eines kleinen Museums, das sich in seiner aktuellen Ausstellung mit ausrangierten Glücksvorstellungen gesellschaftlicher Art beschäftigt, suchen für eine 24-Stunden Performance geeignete Darsteller. Gern dürfen die ums Engagement konkurrierenden Schauspieler beim öffentlichen Auswahlverfahren ihre eigenen Gedanken zum Thema Wettbewerb einbringen. Honoriert wird, ganz wie im wirklichen Leben, nicht nur die darstellerische, sondern auch die kreative persönliche Leistung. Anlässlich des öffentlichen Castings treffen vier Schauspieler aufeinander, die ihre Glückshoffnungen, Zweifel, Verzweiflungen und Sehnsüchte auf die Bühne tragen. Sie versuchen herauszubekommen, wie es entsteht, das Glück, sie experimentieren mit Haltungen und Meinungen, sie verstricken sich in Diskussionen und treffen sich an der Hormonrezeption, sie rütteln am System und sind doch Teil davon. Und sie messen sich immer wieder aneinander. Diskurs ist dabei eine Option. Eine andere ist Sackhüpfen.

Claudia Lohmann hat mit „Competition, Competition! Oder: Zum Thema Utopie kommen wir vielleicht später noch.“ ein Stück über unsere Zeit geschrieben und über eine Generation, die für die Schlachten die sie schlagen soll, nicht gewappnet ist. Und sie entwirft in der Rückschau vorsichtig eine Utopie, wie wir vielleicht endlich ein bisschen glücklicher werden können.

ferri10.11. Sarah Ferri – Kulturzentrum Einstein – Man könnte sagen diese Dame aus Belgien mit italienischem Blut bietet melancholischen Songwriter-Pop. Auch eine Umschreibung mit einer Mischung aus Swing, Soul-Jazz, Piano-Pop und Bossa Nova trifft es wohl recht gut. Oder man formuliert es wie ihre Konzertagentur: “steht mit ihrer charakteristischen Musik in der Tradition des Gypsy Jazz der Fünfziger Jahre, den großen Jazz Diven der Sechziger Jahre und dem vielschichtigen Folk der Siebziger Jahre. Dabei gelingt es ihr mit unbändigem Verve, ihren eigenen Stil zu definieren und die Gegenwartskultur nachhaltig zu prägen.” In jedem Fall sind die Youtubeclips der Frau aus Flandern ziemlich viel versprechend.

hippies20.11. 17 Hippies – Freiheizhalle – Waren es anfangs fast ausschließlich instrumentale Stücke, die die Berliner, deren Bandnamen man nicht allzu wörtlich nehmen sollte – weder handelt es sich hier um richtige Hippies, noch sind es selten genau 17- zum Besten gaben, beweisen sie seit Jahren , dass sie überdies wunderbar singen können. Und das sogar dreisprachig: auf deutsch, französisch und englisch. Ihre Lieder sind gemeinhin eine ausgewogene Mischung aus verträumten, spitzbübischen, temperamentvollen aber auch dunklen, melancholischen Stücken. Oft mit einem kräftigen Hauch Klezmer ummantelt, immer irgendwie vertraut, meist zum Tanzen, wenigstens zum Mitwippen prädestiniert. Live  wechseln einzelne Bandmitglieder immer wieder ihre Instrumente. Eben noch am Akkordeon und nun schon die Flöte im Anschlag. Umringt von Geigen, Zugposaunen oder einem Kontrabass. Erstaunlich, wie intensiv diese Vielfalt auch auf CDs zum Tragen kommt: Stimmen und Stimmungen wie bei – im besten Sinne des Wortes – ausgelassenen Dorffesten oder osteuropäischen Hochzeiten. Eigentlich für alle Gemütslagen gut, aber – bei allem Anspruch und Tiefgang – besonders jetzt bei grauem Wetter der ideale Spender von neuer Lebensfreude. Anstecken lassen, solange es noch Karten gibt – im Gepäck haben die zwölf Musiker, die weit über 1600 Konzerte in zwanzig Ländern zwischen Japan und Deutschland, den USA und Südamerika gespielt haben, übrigens ihr neues Album „Biester“.

kammer22.11. Die KAMMER – Strom (Lindwurmstraße 88) – Manchmal reicht ein einziges Lied um uns hier in der Redaktion anzufixen – in dem Fall war es dieser Clip hier zu “Sinister Sister”.

Die Ende 2011 durch Sänger Marcus Testory und Gitarrist Matthias Ambré ins Leben gerufene Combo versteht sich selbst als „Alternative-Orchester“. Ihre Songs sind handgemacht, in bewährter Singer-Songwriter-Tradition. Von melancholischen und morbiden Balladen bis zu kraftvollen, mitreißenden und lauten Gassenhauern, irgendwo zwischen Folk, Indie und Rock, zwischen Wienerlied, Grunge und Hochklassik hat sich die KAMMER mit  Cello, Viola, Violine, Tuba und Drums ihr kleines neues Zuhause erbaut.

odeon_sophia23.11. ODEON-Jugendsinfonieorchester München – Aula der LMU – In wöchentlichen Proben erarbeitet etwa 70 Musikerinnen und Musikern im Alter von 15 bis 25 Jahren mit ihrem künstlerischen Leiter Julio Doggenweiler Fernández jährlich vier Programme mit einem sehr breitgefächerten Repertoire, das von Georg Friedrich Händel bis hin zu zeitgenössischen Komponisten wie zuletzt Jörg Widmann reicht. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Werken der Romantik und der klassischen Moderne, deren Förderung und Verbreitung erklärtes Ziel des ODEON-Jugendsinfonieorchesters ist.   Diesmal auf dem Programmplan: Carl Maria von Weber – Ouvertüre zu Oberon Frederic Chopin – Klavierkonzert Nr. 1 e-Moll, op. 11 Felix Mendelssohn Bartholdy – Sinfonie Nr. 5 D-Dur/d-Moll op. 107 “Reformationssinfonie”.

OrangeRVV28.11. Orange – Feierwerk – Jeder Stammleser hier kennt “Rainer von Vielen”, deren Musik sich durch Energie und Glaubwürdigkeit auszeichnet. Die vier Musiker aus Kempten, die 2005 den österreichischen Protestsongcontest gewannen sind etwa auch bei G8-Protesten oder auf Attac-CD-Samplern vertreten. Gleichwohl sieht Rainer Hartmann seine Combo nicht als Protest- oder politische Band. „Von Attack kenne ich ‚Global denken, lokal handeln’. Wir als Band können Menschen zusammenbringen, die Gleiches empfinden, und unsere Meinung mit ihnen teilen“, sagt der Mann, der eigentlich Drehbuch studiert hat. Und über den Begriff „Heimat“: „Das ist der Platz, wo die Leute sind, die wir gern haben. Heimat hat sehr viel mit Liebe zu tun, aber wir verstehen uns schon sehr als Weltbürger und nicht als Patrioten.“ Entsprechend beziehe sich Heimat beim Musikprojekt Rainer von Vielen sehr stark auf die Musik, auf die Instrumentalisierung: „Das sind die Klänge, die man aus unserer Gegend kennt: Akkordeon, was ich als Kind gelernt habe, Hackbretter, Bläser, Maultrommel …“ Rainers wirklich ganz eigener, von elektronischen Beats und Melodien dominierter Stil, ergänzt mit fulminantem Oberton-Gesang, ist mit das Originärste, was die letzten Jahre an deutschsprachigen Produktionen das Licht der Tonträgerwelt erblickte.

Kennen Sie aber eigentlich auch “Orange”? Denn heute ist nicht die “Bastard-Pop”-Combo am Start – sondern Rainers akrobatische Stimmgewandtheit paart sich einmal mehr mit besagtem Musikprojekt, welches ein Soundgeflecht aus massiven, energischen Trommeln & Percussions, Didgeridooflächen und verspielter Elektronik verspricht! Wenn Sie davon noch nie etwas gehört haben wird es höchste Zeit! Zur Einstimmung hier ein paar Clips.



Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *