handverlesene Kulturtipps September/Oktober 2014
25. und 26.09. FIL im Vereinsheim: Kennen Sie den Mann hier links im Bild? Vor Jahren trat der selbsternannte Botschafter des Märkischen Viertels zu Berlin nebst der Haifisch-Handpuppe “Sharkey”, seinem grauem und sehr mitteilungsfreudigem Ego auf – irgendwann war der Hai dann tot, und zu anderen Zeiten sprach er aus dem Jenseits. Wie auch immer. Der Künstler selbst nennt sich jedenfalls Fil und wie bei fast all seinen Programmen, weiß man auch bei “Im Rausch der Heiterkeit” nicht so recht, was einen erwartet. Zumal er die Improvisation liebt. So gehen wir einfach davon aus, dass es bei der vermeintlichen Solo-Show ist wie erfreulicherweise eigentlich immer bei Fil – Zartbesaitete sollten zuhause bleiben, alle anderen werden garantiert ihren Spaß haben, wenn er “keinen einzigen Witz über Burnout und Bianca macht, Smartphones und Facebook links liegen lässt, auf irgendwelche eingebildeten Unterschiede zwischen Männern und Frauen pfeift, nicht in Mundarten spricht, nicht vor’m Auftritt duscht, aber weiß, dass die Show trotzdem total lustig werden wird. War bisher doch auch immer so.” So das aktuelle Versprechen aus der Programmankündigung. Was wir, weil wir eben frühere Auftritte genießen durften, gerne glauben.
28. und 29.09. GEORG SCHRAMM in der Lach- und Schießgesellschaft liest aus **Portnoys Beschwerden** von Philip Roth – beide Abende sind offenkundig inzwischen ausverkauft. Damit Ihnen das nicht bald wieder passiert, immer auch unsere Terminvorschauen im rechten Seitenbereich beachten 😉
02., 03. und 04.10. PIPPO POLLINA im Lustspielhaus Er gilt als einer der besten Songpoeten Italiens. Vom deftigen Rock bis zum zarten Liebeslied, vom poetischen Protestlied bis zum fetzigen Ohrwurm bietet sein aktuelles Programm die volle Bandbreite eines faszinierenden Musikers, der seit mehr als 25 Jahren auf deutschen Bühnenunterwegs ist. Bei seiner L’appartenenza“-Europatpurnee wird Pippo Pollina (Gesang, Piano, Gitarren, Tambourin) von Roberto Petroli (Klarinette/Saxophone, Ewi) und Max Kämmerling (Gitarren) unterstützt.
08. und 09.10. CLAUS VON WAGNER im Lustspielhaus – Zusammen mit Max Uthoff (auf den wir gleich noch zurückkommen werden) ist er seit einigen Monaten das neue Gesicht der ZDF-Satireshow “Die Anstalt”, die dank dieser beiden Herren endlich wieder dahin geht wo’s wehtut. Sehr zum Leidwesen der Kriegstreiber in den deutschen Gazetten- wie wir mit unserem gesellschaftlich-sozialen Medien-Projekt “das ZOB” vor Wochen als erste in Deutschland aufgedeckt haben, hat das ZDF auf das unseres Erachtens schlichtweg perverse Drängen der Wochenzeitung “Die Zeit” heimlich, still und leise alle Spuren eines immens wichtigen Beitrags zum Thema Lobbyismus im deutschen Journalismus aus der eigenen Mediathek verbannt.
Doch bei von Wagners Auftritt – er kommt im übrigen im Dezember nochmals ins Lustspielhaus – dreht sich diesmal alles um die “Theorie der feinen Menschen” – “eine Erzählung aus dem tiefen Inneren unserer feinen Gesellschaft. Sie handelt vom Kampf ums Prestige, Wirtschaftsverbrechen und Business Punks.” Klingt spannend, zumal wenn ein vergleich im Raum steht, dass das Ganze so sei, “als hätte Shakespeare ein Praktikum bei der Deutschen Bank absolviert und aus Verzweiflung darüber eine Komödie geschrieben.”
08.10. KURT KRÖMER im Circus Krone – „Wenn es am Schönsten ist, dann soll man gehen – auch wenn es noch nie schön war!“ Nach 20 Jahren Bühne hat Kurt Krömer erst mal genug. Und so begibt sich der Komiker, den wir hier natürlich niemandem mehr wortreich vorstellen müssen, aktuell auf „Abschiedstournee“.
09. – 30.10. PALÄSTINA TAGE 2014 – verschiedene Orte: Man darf gespannt sein, ob die Deutsch-Israelische Gesellschaft sich wie 2013 entblödet Protestaktionen gegen diese extrem vielversprechende Veranstaltungsreihe anzukurbeln. Vor einem Jahr gab es Sätze a la “In Israel gäbe es (schließlich) kein einziges Gesetz, das Staatsangehörige ihrer Hautfarbe nach unterscheide” nur weil es ein Film wagte, bereits im Titel „Roadmap to Apartheid“ Menschenrechtsverletzungen und Kriegshandlungen des Staates Israel anzuprangern, die ja leider auch im Juli und August 2014 allein hunderten palästinensishen Kindern das Leben kosteten und auch ansonsten extremstes Leid im Gaza-Streifen produzierten. Dieses Jahr gibt es bei den Palästinatagen in München jedenfalls u.a. den ersten Teil der Filmtrilogie “Route 181 – Fragmente einer Reise in Palästina/Israel“ im Gasteig, Vortragssaal der Bibliothek am 11.10. zu sehen, eine israelisch-palästinensische Gemeinschaftsproduktion, Regie: Eyal Sivan und Michel Khleifi, die offiziell mit den Worten “Auf ihrer Reise vom Süden des Landes in den Norden begegnen sie Menschen, die seit Jahrzehnten mit diesem Konflikt leben und die sich zynisch, humorvoll oder gewaltsam gegen die jeweiligen Nachbarn abgrenzen” angekündigt wird.
Neben weiteren Filmvorführungen sowie Konzerten, Lesungen und Diskussionsabenden – das vollständige Programm finden Sie hier – dürfte das Gastspiel des Ashtar Theatre aus Ramallah am So 12.10.2014 – 15 h in der Pasinger Fabrik ein besonderes Highlight sein: Mit Schauspiel-Schulungen und Interaktionstheater versucht die Gruppe, auf kreative Weise gesellschaftliche Veränderungen herbeizuführen. 6 Schauspieler zwischen 17 und 20 Jahren sind auf Einladung der Kinderkulturkarawane in Deutschland unterwegs. Aufgeführt werden u.a. die “Gaza-Monologe”, mit denen die Gruppe bekannt geworden ist.
09.-12.10. SASCHA GRAMMEL im Circus Krone: Selbstverständlich sind neben dem Zweibeiner links im Bild, den man sich laut Pressetext vor’s geistige Auge führt, indem man “sich einfach einen leicht gebrauchten hellen Wischmopp mit schwarzem Jackett, Motto-T-Shirt und ’nem netten Lächeln vor. Dazu Turnschuhe und ein paar freundliche Handpuppen” vorstellt, auch die „Big Three“ wieder mit von der Partie: “Die herzallerliebst-niedliche Schildkrötendame Josie, der schnoddrige Frederic Freiherr von Furchensumpf und der immer verwirrter werdende Hamburger Professor Doktor Peter Hacke haben in völlig neuen Rollen wieder ihre großartigen Auftritte”. Das neue Programm heißt übrigens “Keine Ahnung”.
9.10. Christoph & Lollo im Vereinsheim – Eines ihrer vorherigen Programme hieß “Hitler, Huhn und Hölle!” Wenn das österreichische Liedermacher-Duo kabarettistisch angehauchte Lieder über Markenwahn, Ausverkauf der Popkultur und Polizistenmentalität, über die eigene Kleingeistigkeit, zu viel Schulmedizin im Kreißsaal oder die Sexualisierung präsentiert, kriegen generell nämlich auch Ewiggestrige ihr Fett ab. Die neue Show heißt “Das ist Rock´n´Roll“ und verspricht u.a. Geschichten von “der Hölle Thermenhotel bis zur Kunstscheiße, vom Partyleben bis zum Rock ’n’ Roll-Business, von der Gleichberechtigung im Haushalt bis zu den Niederungen österreichischer Innenpolitik”.
11.10. Monsanto-Marsch – Infos folgen.
13.10. Das Menschenrecht auf Nahrung – Tagung Eine-Welthaus – Infos folgen.
13. und 14.10 MAX UTHOFF mit brandneuem Programm im Lustspielhaus – Vor fünf, sechs Jahren noch schien es so, dass außer Hagen Rether und Georg Schramm im deutschen Kulturbetrieb kaum mehr einer wirklich den Mund aufmacht. Doch die, die dahingehen, wo es wehtut, sind anscheinend doch noch nicht ausgestorben! Politisch anspruchsvolles Kabarett – auch im Zweiten Deutschen Fernsehen – hat nicht zuletzt dank diesem Herren hier endlich wieder etwas zu bieten! Wir haben ja schon bei unserem Tipp zu Claus von Wagner auf die perversen Zensurbemühungen der Wochenpostille “Die Zeit” hingewiesen und da das was Uthoff jetzt unter dem Titel “Gegendarstellung” präsentieren wird noch strengstens geheim ist, können wir uns nur vorfreuen auf das was da u.a. versprochen wird: der “Träger des Breiten Kreuzes und des Ordens pour la verité, kommt zu Ihnen und erzählt seine Sicht der Dinge: Von der Wucht der Behauptung, mörderischen Geschäften, gesellschaftlichem Inzest, Drehzahlmessern, teuflischen Kreisläufen und davon, dass Menschen, die in Schubladen denken, sich schon mal halb aufgeräumt fühlen. Nicht ganz unwahrscheinlich, dass an diesem Abend Teilnehmer der deutschen Politik Erwähnung finden. Wie immer gilt dabei: die Sprache ist die Waffe des Pazifisten.”
16.10. DIE STERNE im Strom – Erinnern Sie sich noch an Songs wie “Universal Tellerwäscher” oder – Stichwort Kaktusgarten – “Was hat dich bloß so ruiniert”? Da die Jungs um Frank Spilker vom Mainstream die letzten Jahre leider kaum mehr beachtet werden ist es scheinbar ruhig um diese vor allem live entdeckenswerte Combo geworden. Dabei haben Sie erst vor wenigen Wochen ein neues Album aufgelegt: “Flucht in die Flucht” das zehnte Studioalbum enthält dabei so wundervolle Titel wie “Innenstadt Illusionen”, “Miese Kleine Winterstadt” und “Mein Sonnenschirm Umspannt Die Welt”.
24.10.2014 VOLKER PISPERS – im Circus Krone – muss man hierzu mehr sagen außer: sputen Sie sich um eines der Rest-Tickets die es hier und da noch geben soll zu erhaschen, nachdem die beiden Auftritte im Lustspielhaus an den Vortagen wie nicht anders zu erwarten war längst ausverkauft sind? Eben! Also, b/pis neulich!
31.10. EAT&STYLE – Messe – Auf dem Foodfestival im Zenith in München wird geschlemmt, mitgekocht und nachgemacht verspricht der Veranstalter:
“Rund zehn der angesagtesten Restaurants präsentieren 2014 ihre beliebtesten Gerichte während der Eat & Style . Wer sich selbst an der Zubereitung raffinierter Speisen versuchen möchte, hat dazu in den Kochkursen der Eat & Style Kochschule die Chance. Das Spektrum der Rezepte geht von der vegetarischen Küche bis hin zum Rinderfilet mit Rotwein-Schalotten-Sauce.”
31.10. MARK FOGGO im Backstage – Statt irgendwelche Masken aufzuziehen und an Haustüren mit dem Spruch “Süßes oder Saures” auf milde Gaben zu hoffen, sollten Sie heute in einer der besten Konzertlocations der Stadt vorbeischauen. Denn bei einem der spiel-, sing- und tanzwütigsten Ska-Musiker ever geht sicher reichlicher die Post ab! Die Kollegen von laut.de haben es schon vor rund 10 Jahren mal gut auf den Punkt gebracht: “gehört fraglos zu den schillerndsten Institutionen der europäischen Ska-Szene. Wer den schmächtigen Mann auf der Straße trifft, vermag sich kaum vorzustellen, dass Foggo im Rampenlicht zu einer Entertainer-Furie ersten Ranges mutiert.” Und es stimmt ebenfalls, dass dieser Extremtänzer und Wahl-Holländer in nunmehr über dreißig Jahren Showgeschäft mehrere Ska-Revivals kommen und gehen sah, ohne sich davon großartig beeindrucken zu lassen.
