Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Öko-Schwindeleien entlarven

Unaufgeregt und faktenreich den Konzernen für ihre grünen Lügen die rote Karte zeigen: Werner Boote, der die letzten Jahre schon viele wichtige und vor allem rundum gelungene Dokus ins Kino brachte (und damit immer wieder auch viele treue Fans der Kulturküche zu Topwerten bei Voting-Aktionen hinreißt), räumt mit seiner neuesten Produktion unter anderem mit der Idee auf, dass Ökosiegel der Weisheit letzter Schluss sind, um der Unsitte des greenwashing nicht auf den Leim zu gehen.

“Nachhaltig”, “fair”, “natürlich” oder “umweltschonend” – diese und weitere Begriffe prangen seit einigen Jahren immer öfter und immer aufdringlicher auf Produkten, bei denen dies mitunter schon rein theoretisch keinen Sinn machen kann. Für ein paar Cent mehr, so wird Verbrauchern mittels mieser Psycho- respektive Taschenspielertricks diverser PR-Strategen suggeriert, könne jeder “Normalbürger” einen mehr oder minder gewichtigen Schritt zur “Weltrettung” beitragen. Und wer heutzutage noch an die “Ehrbarkeit” von namhaften Organisationen wie dem WWF glaubt, kommt erst recht ins Schleudern. Denn auch solche “Institutionen” tragen ihren Teil zum unverdienten “Greenwashing” diverser Großkonzerne bei.

Boote (“Population Boom“) begab sich daher für seine neueste Doku – “Die grüne Lüge” redet schon beim Filmtitel nicht lang um den heißen Brei herum – unter anderem auf die sprichwörtlichen Minenfelder Öl-Industrie und Palmöl-Nutznießer. Umweltlügen weltweit (folgerichtig zu letztgenanntem Themenfeld auch inmitten des zerstörten Regenwalds), und vor allem die Systematik sattsam bekannter Unternehmensgeflechte, dieses und jenes zu vertuschen bzw. am Ende des Tages es so darzustellen, als ob stets nur kleine Subunternehmer für große Schweinereien verantwortlich wären, reißen der österreichische Regisseur und Autorin Kathrin Hartmann (“Ende der Märchenstunde – Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt”) in einem kurzweiligen, überhaupt nicht bedeutungsschwanger oder auch nur kompliziert erscheinenden Streifen an und lassen sowohl Einblicke in die Köpfe von Umweltverbrechern zu, als auch ihre Opfer und diverse Aktivisten zu Wort kommen. Erfreulicherweise wird dabei auch immer wieder die Verantwortung der Politik angemahnt.

Denn die Maxime, dass das mit dem Weltretten Aufgabe des Kunden sei, dieser  es richten soll und somit letztlich Schuld hat, falls es – wie kaum anders zu erwarten mit ein bisschen Bio hier, ein bisschen (behauptetem) Fair-Trade da, nicht klappt, teilen die Beiden nicht. Vielmehr zeigen Hartmann und Boote gänzlich unaufgeregt wieso leere Versprechungen und Beschönigungen bis dato zumeist erfolgreich wirken. Und wieso Menschenrechtsverletzungen, Vertreibungen, Umweltzerstörung und Armut von der schweigenden Masse indirekt gefördert wird, auch wenn sie auf den Siegelwahn hereinfallen. Schon in unserem ersten Printmagazin 2010 zitierten wir andere kluge Köpfe, die nüchtern feststellten: “Mit dem Kauf einer Tafel FairtradeSchokolade stärkt der Verbraucher generell mehr die Organisations- und Verwaltungsstrukturen eines deutschen Fairhandelshauses, seiner Partnerfirmen und der Siegelorganisation, als dass er einem Bauern in Mittelamerika zu mehr Einkommen verhilft.”

Und daran hat sich rund acht Jahre später nicht das Geringste geändert. Umso wichtiger ist es, dass mit Bootes Film über die grünen Lügen u.a. auch eine Technikverheißung wie das E-Auto fundiert hinterfragt und vor allem jeden Zuschauer – gezielt ein wenig hinterfotzig, fast im Sendung-mit-der-Maus-Style – in kleinen Dosen eingetrichtert wird, dass der Konsumwahn, die Wegwerfmentalität, das ständige höher-schneller-weiter-bunter-alle-paar-Monate-wieder-neu das zentralste Problem überhaupt ist.



Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *