Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Von schwierigen Definitionen und eigenem Charakter

braufactumDer Begriff “Craft Beer” macht seit einigen Jahren auch hierzulande immer mehr die Runde. Nach der Definition der US-Amerikanischen Brauervereinigung sind das Biere „von einem Brauer, der in kleinen Mengen und unabhängig von Konzernen auf traditionelle Weise braut“. Wie alles im Leben ist auch das leider äußerst relativ: “In kleinen Mengen” bedeutet dabei nämlich 6 Millionen Barrel, was 954 Millionen Litern Bier entspricht. Und die Unabhängigkeit sei auch noch gegeben, wenn Großkonzerne bis zu 25 Prozent der Anteile halten. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass – zumindest wenn man nur auf die produzierten Mengen schielt – nahe alle deutschen Brauereien, Craft Beer brauen. Und aufgrund der Reinheitsgebot-Reglungen ist traditionell hierzulande erst recht all überall sichergestellt. Bliebe also jeweils die Frage wie sich die Eigentümerverhältnisse an einer Fließbandbrauerei darstellen. Daher sollte sich für die “neuen” Bierideen alsbald ein anderer Maßstab finden, soll das Sujet Craft nicht ganz bald wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Was schade wäre, denn aufgrund engagierter, tatsächlich kleinerer Brauer, die beispielsweise mit den Eigenschaften eines IPA (India Pale Ale) experimentieren, also auf stark hopfenbetonte und oftmals fruchtige Bierstile setzen, könnte der Biermarkt hierzulande tatsächlich richtig vielfältig werden. Ob auch drei verschiedene “Craft Beere”, die wir im Shop von BraufactuM ausprobiert haben, eine Entdeckung wert sind?

Dort werden vollmundig “besonders hochwertige Bierkreationen, die ihren Charakter aus der Verbindung von Handwerkstraditionen und Innovationsgeist schöpfen” und auf “neuartige und ungewöhnliche Braumethoden – wie z.B. der Reifung in edlen Holzfässern, die Flaschengärung oder auch die Kalthopfung” – zurückgreifen würden, versprochen. Zudem präsentiert BraufactuM Biere im Internet, wie man das sonst nur vom Wein kennt: mit Essensempfehlungen, Temperaturangaben, wann diese Getränke am besten konsumierbar sind, oder Verkostungsnotizen zu Geschmack, Duft oder Abgang… Alles wirkt irgendwie einen Tick zu sehr auf hip getrimmt, wobei uns immerhin das stilvoll mit besonderen Gläsern zelebrieren anspricht. Aber da wir ohnedies wenig bis nichts auf Werbung und reine Äußerlichkeiten geben, standen beim Verkostungstest, bei dem sich zwei Redaktionsmitglieder, die Gerstensaft in Maßen (also im Sinne von ab und an, nicht zu verwechseln mit Maßkrügen oder massenhaft) trinken, die sich in Berlin oftmals von unsäglichen Kreationen gequält sahen und sich in Franken, speziell im Bamberger Raum, an vielfältigen Angeboten eher kleinerer regionaler Brauereien zu erfreuen wissen, je eine 0,33 Liter große Flasche teilten, weder die Aufmachung der Etiketten, noch die tendenziell besonderen Flaschenformen im Vordergrund. Nein, es sollte einzig um das Geschmackserlebnis gehen.

Bei beiden Testern auf Rang drei landete: “Green Gold” (3,99 Euro), aus der dänischen Brauerei Mikkeller – ein India Pale Ale mit 7% Alkoholgehalt. Für Kenner: Mikkeller verwendet für dieses Getränk die amerikanischen Hopfensorten Simcoe und Cascade. Das leicht karamellige Aroma oder der Duft unter anderem von Zitrusfrüchten ist zwar spürbar, die Schaumbildung auch wirklich angenehm – aber alles in allem kein großer Wurf.

Die gleiche Brauerei stellt auch “Peter, Pale and Mary” (3,49 Euro) – American (Folk) Pale Ale – her. Es ist weniger bitter, als “Green Gold” und hat nur 4,6 % vol. Verbraut werden eine ganze Menge Hopfarten: Centennial, Amarillo, Simcoe und Citra. Es ist unseres Erachtens ein trockenes angenehmes Bier, das nach exotischen Früchten, wie Mango oder Papaja, sowie nach Zitrusfrüchten duftet. Bei der weiblichen Testperson best of three.

Den männlichen Tester überzeugte bei den drei Bieren indes das “Soleya. Saison” (2,49 Euro) mit Wurzeln in der französischsprachigen Region im südlichen Belgien, der Wallonie, noch etwas stärker. Es hat 6,5 % Alkoholgehalt, ist hell und leicht bitter. Es duftet unter anderem leicht nach Bananen. Angenehm zu trinken, trocken und leicht fruchtig.



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