Neu in Bamberg: Cocoon Restaurant & Bar

Zum Jahresausklang 2016 eröffnete nahe des Bamberger Bahnhofs, konkret an der Stelle wo zuletzt unter dem Namen Pekahuna nicht einmal ein Jahr lang Burger und weiteres Fleischlastiges auf der Karte standen, ein bereits auf den ersten Blick edler aufgemachtes, erfreulicherweise überhaupt nicht marktschreierisch daherkommendes Restaurant mit nunmehr panasiatischer Küche. Um einen Punkt vorwegzunehmen: Anders als bei insbesondere vielen Buffetangeboten in Stadt und Landkreis findet im “Cocoon” glücklicherweise kein Glutamat-Mißbrauch statt – vielmehr zeichnet sich das neue Angebot, das unter anderem zahllose Sushis, Currys, Ramen und Grillplatten umfasst, durch Frische und ansprechende Präsentation aus.

Auch für viele Franken, die mitunter gerne zum “Chinesen” gehen (und darunter bezeichnenderweise explizit z.B. als “Thai” oder “Japaner” operierende Läden subsumieren), stellt “Ente süß-sauer” offenbar ein “Muß” dar, obgleich dies auch bei guten China-Restaurants meist eher das langweiligste auf der Karte ist. Diese Klientel, und vor allem jene Kundschaft, die “AYCE”-Angebote auch dann regelmäßig nutzt, wenn sie (wie leider gemeinhin üblich) ohne originären Geschmack und erst recht ohne Frische daherkommen (weil’s ja gleichwohl “günstig” sei…), ist im “Cocoon” eher verkehrt. Vegetarier einerseits und Liebhaber von qualitativ überdurchschnittlichen Fleisch-, Geflügel- und oder Fischgerichten andererseits hingegen keineswegs. Die Ramen-Gerichte (japanische Eiernudelsuppe) beginnen preislich in der Tofu-Variante bei 8,90 €, mit Huhn wird’s einen Euro teurer, Rinderfilet (!) und Ente werden hier jeweils mit 11,90 berechnet. Die Currys sind naturgemäß preislich höher veranschlagt, sie gibt es in dem neuen Lokal außer in den vier vorgenannten Varianten auch mit Meeresfrüchten für 16,90 (mit Tofu starten die Delight-Gerichte bei 9,90). Wir haben bei unseren beiden Testbesuchen im Januar 2017 indes gänzlich andere Speisen auf dem Plan gehabt: beim ersten Mal wollten wir die nominell sehr vielfältigen Sushi-Angebote und die diversen Nachspeisen unter die Lupe nehmen, beim zweiten Mal dann die diversen Grillgerichte und auch ein wenig die Cocktailkarte ausprobieren.

Sushi-Variationen aus der kleinen Showküche

Zunächst aber ein paar Worte zum Ambiente: das Lokal wirkt in seiner Gesamtheit sehr modern, aber keineswegs übertrieben stylisch. Es gibt vier verschieden ausgestattete Bereiche, einen mit Hochsitzqualitäten (linker Hand wenn man das Cocoon betritt); im rechten vorderen Komplex sind “normale” Tische mit recht bequemen Stühlen ausgestattet; dann gibt es noch zwei hintereinander liegende “Nebenräume” mit teils mehr Reiz als vorne: Denn vor allem die “Tische für 2” vorne rechts sind in Anbetracht dessen, was je nach Gusto teilweise auf großen, schönen Platten betont stilvoll serviert wird, doch schlicht etwas eng – auch teilweise was den Freiraum zu den Nebentischen anbelangt. Je nachdem wo man im Lokal Platz genommen hat, ist es dann auch nicht immer ganz leicht – aufgrund der eher schummrigen Lichteverhältnisse – die Speise- bzw. Getränkekarte zu lesen. Überhaupt nichts auszusetzen gibt es hingegen beim Personal. Dies ist durch die Bank freundlich, aufmerksam, aber gleichzeitig unaufdringlich. Statt herumzueiern, wenn eine (Aushilfs-)kellnerin mal eine spezifische Frage des Gasts nicht aus dem Stehgreif beantworten kann, sind die Mitarbeiter offenbar gehalten, eine Minute um Geduld zu bitten, und – trara – schon kommt bei Bedarf ein freundlicher Mensch aus der Küche, der alles wunderbar unaufgeregt erläutert. Apropos Küche – womit sich der Kreis zum ersten Testlauf mit den Sushi-Angeboten schließt: die Arbeit der Köche mit den Speisen ist für den Gast teilweise live erlebbar. Wer einen Blick auf frischen Fisch möchte oder beim Handwerk des Sushi-Rollens zusehen möchte, wird der kleine Showküchenbereich neben der großen, einladenden Bar sehr freuen.

Die Sushikarte ist nicht nur in der Theorie ein Hochgenuss. Unser Testerteam hat die vergangenen Jahre insbesondere in Berlin und München zahlreiche mittel- bis höherpreisige Angebote kennenlernen können; und wir wissen natürlich auch, was es aktuell andernorts in Bamberg in diesem Bereich zu entdecken gibt. Unser Urteil für das Cocoon ist dahingehend eindeutig: absolut überdurchschnittlich! In unserem Landstrich ist durch diese Neueröffnung fraglos ein neuer Maßstab gesetzt, und eben auch den Vergleich mit beliebten Großstadtangeboten brauchen die Betreiber in der Luitpoldstraße nicht zu scheuen: Nigiri, von denen aktuell 17 verschiedene, darunter vier vegetarische feilgeboten werden, beginnen mit einem Stückpreis von zwei Euro; acht Makis (in der Kategorie gibt es auch drei zu Recht als scharf ausgewiesene Angebote) schlagen, wenn einem der Sinn nicht nach vegetarische steht, mit 3€ bzw. 3,50 zu Buche. Auch wenn die Preise für die anderen Rollen-Arten (Inside Out; Extrem oder Crunchy) vom ersten Eindruck her, eher mehr als Standart sind: der Gedanke, dass es im Cocoon zu teuer zugeht, vergeht bereits, wenn man die Größe der Rollen und vor allem den jeweiligen Füll-Umfang vor Augen bekommt und allerspätestens beim ersten Bissen! Für Menschen die sich bei der üppigen Auswahl nicht entscheiden können, gibt es diverse Menüangebote – welche Sushi dann jeweils auf der Platte landen entscheidet die Küche. Wir haben uns indes lieber gezielt quer durch die Einzelangebote probiert. Und waren tatsächlich bei allen neun probierten Rollen hin und weg. Wenn wir für “Einsteiger” einen ersten Probiertipp geben sollten, wäre es wohl die Cocoon Spezial aus der Crunchysparte: paniert, mit Garnelen, Lachs, Masago, Avocado, Gurken und Cream Cheese. Dass bei manchen Kreationen Surimi als Ingredienzie auftaucht, finden wir im übrigen keineswegs schlimm: denn der “Krebsfleischersatz” ist offensiv als solcher benannt – das Lokal arbeitet nicht mit irgendwelchen Bauernfängerbildchen, die irgendetwas verschleiern würden…

Obwohl man von Sushi allein durchaus satt werden kann, galt es beim ersten Testbesuch zumindest noch die Nachspeisen zu verkosten: vier verschiedene stehen zur Auswahl – würde man sie alle einzeln bestellen, kämen insgesamt weitere 25€ auf den Deckel (es wird hier natürlich nicht wirklich auf Bierfilz die Übersicht gewahrt); für knapp 17 Euro steht aber auch eine mit “Ein Mix aus verschiedenen Dessertspezialitäten” umschriebene Cocoon-Platte in der Speisekarte. Wir fragten kurz nach, und es wurde versichert: *alle* vier Nachspeisen sind hierfür vorgesehen – in durchaus Originalgröße. Und so war es denn auch! Die Platte selbst war sogar noch mit einer Menge frischem Obst angereichert, was neben den eigentlichen Elementen Kokos-Zitronengras-Panna-Cotta, Grüntee-Eis, Mochi (japanische Reiskuchen mit Eis gefüllt) und pochierten Birnen in Honig-Zimt-Sake-Sauce zu gefallen wusste. Wer Mochi noch nicht kennt, sollte es unbedingt probieren; die Birnen zergingen bei unserem Besuch fast auf der Zunge; die Panna-Cotta erwies sich als grundsolide abgestimmt; und das kühle Grüntee-Element weiß auch in der kalten Jahreszeit zu gefallen.

Leider gibt es hinsichtlich der Dessertangebote ein kleines “aber” – einfach aus der Erinnerung des ersten Hochgenusses heraus, orderten wir die Mixplatte auch bei unserem zweiten Besuch einige Wochen später. Das Lokal war dabei einmal mehr (unter der Woche was die beiden vorderen Raumteile angeht:) sehr gut besucht; der Service an sich genauso aufmerksam, freundlich, aber weiterhin erfreulich unaufdringlich wie bei der Premiere. Zur Hauptspeise, auf die wir im nächsten Absatz noch ausführlich eingehen werden, gab es auch keinen Grund zur Klage. Aber als der süße Gang anrollte, fehlte die pochierte Frucht in Honig-Zimt-Sake-Sauce ersatzlos. Nun waren wir irritiert – wir hatten ja auch den erheblichen Preisunterschied Platte versus vier Einzelbestellungen im Hinterkopf und könnten verstehen, wenn man nicht alle Desserts zum Sonderpreis abgeben würde. Eine dezente Nachfrage offenbarte aber explizit, dass es sich offenbar um einen bedauerlichen Fehler der neuen Aushilfskraft in der Küche gehandelt habe: alle vier Desserts seien (weiterhin) Bestandteil der Sparplatte. Und so solle es auch bleiben. Es wurde, ohne dass man dies als Gast extra anfordern musste, wenige Minuten später auf einem separaten Tellerchen mit einer nochmaligen Entschuldigung eine ordentliche Portion Birnen nachgereicht. Leider waren jene Früchte an jenem Testtag nicht halb so zart ausgegeben, wie bei unserem ersten Besuch. Wie auch die sonstige Obstdeko auf der Hauptplatte diesmal nicht halb so herausragend war, wie beim vorangegangenen Test. Wobei man eben gerade vor diesem Hintergrund unterstreichen muss, dass es in den Wintermonaten eben beispielsweise keineswegs so leicht ist, hierzulande zuverlässig topausgereifte Beeren zu erhalten, die bei beiden Besuchen ein Teil der Obstbeigaben waren…

Fleisch- und Cocktailangebote

Wie angedeutet: neben den Sushi-Angeboten haben wir insbesondere auch die Fleischgerichte ausgiebig probiert. Für knapp 20€ pro Person gibt es in dieser Sparte eine üppige Grillplatte, bei der zwei die gerne teilen, gleich nachvollziehen können, dass das Cocoon sowohl Lammcarree, Rind, Ente als auch Saisongemüse ebenfalls in überdurchschnittlicher Qualität einkauft und vor allem auch mit all diesen Speisen perfekt umzugehen vermag. Gereicht wird zu jener Plattenkombination übrigens auch die Spezial-Sauce des Hauses, die durchaus angenehm würzig, aber für sich allein auch keine Entdeckung ist. Als Überraschungsdreingabe erwartet die Besteller des “Spezial”-Steak-Angebots aber eine Teigtasche, die neben manchem, was man aus Frühlingsrollen kennt, auch mit Süßkartoffelstückelchen angereichert ist und für sich bereits eine schlicht tolle Kombi darstellt.

Abschließend noch ein paar Worte zur Cocktailkarte: zwölf mehr oder minder aus sattsam bekannten “Klassikern” (Mai Tai, Swinningpool, Zombie…aber auch u.a. Blue Night und Challenger… beim “Cosmopotian” gilt es beim nächsten Kartendruck vielleicht nochmal nachzubessern) zusammengesetzte mit Alkohol (Einheitspreis je 7€), dazu ein paar Caipi/Mojito-Angebote sowie Sours stehen nominell sechs alkoholfreien “Cocktails” gegenüber. Wobei wir “Mango Lassy” in jener Listung eher nicht gesucht hätten. Die beiden Cocktails “mit Umdrehung”, die wir testeten, verdienen einmal mehr das Wort tadellos. In dem Bereich wird das Cocoon zwar einer großstädtischen Cocktailbar, die ihrerseits im Idealfall herausragend arbeitet, nicht den Rang ablaufen. Aber für Bamberger Verhältnisse ist das Angebot auch im Getränkesektor (über den Bierlieferanten Tucher kann man indes durchaus gespaltener Meinung sein) mehr als solide umgesetzt.

Das Fazit der Kulturküche-Tester in Punktentacho-14
Geschmack/Originalität/Qualität 5/5
Service/Ambiente/Außendarstellung 4/5
Preis/Leistung 5/5
macht in Summe 14 von 15 möglichen Sternen.


Übrigens: Das Lokal in der Luitpoldstraße 55 verfügt aktuell noch über keine Internetseite, hat indes eine kleine Facebookpräsenz ; bietet einige kostenfreie Kundenparkplätze (Zufahrt von der Ludwigstraße aus Richtung Memmelsdorfer, kurz nach der großen Bushaltestelle) und hat an allen sieben Tagen die Woche sowohl mittags (von 11.30-14.30) und abends ab 17.30 geöffnet. In den wärmeren Monaten wird es einen großen Außenbereich geben; die Speisen insb. im Sushi-Bereich werden natürlich auch zum Mitnehmen angeboten.

Fotocredit oben (das Sushibild): Screenshot von besagter Facebookseite des Lokals, der die reale Dareichungsform absolut authentisch, also keineswegs künstlich geschönt wiederspiegelt

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