Mit dem Start des so genannten 49-Euro-Tickets wird es für kulturbegeisterte Franken noch leichter die Event-Perlen – wie unsere regelmäßig upgedatete Langzeitvorschau ja immer zeigt gibt es davon zahllose – relativ günstig mitzunehmen. Die folgenden, handverlesen fünf Termine sind dabei in den kommenden Tagen besonders viel versprechend.
Wetten? Vier St. Petersburger Mädels, ein Schlagzeug, ein Akkordeon, diverse handliche Percussion-Instrumente, ein Keyboard und ein Bass – mehr braucht es nicht, um gleich am ersten “Musik-Mittwoch” des Monats, also am Abend des 03. Mai den MUZ-Club (Einlass ist um 20 Uhr) zum Beben zu bringen: Slawische Seele trifft hier auf futuristischen Avantgarde-Punk! Und allein wenn die Frau, die bei IVA NOVA seit 2002 das Akkordeon bedient, durch die Corona-Regeln bedingten Auftrittspausen nicht vollkommen altersmüde geworden ist, wird es kein Zuschauer schaffen, länger als eine Minute die Füße still zu halten!
Denn die extravagante Musik der Band hat einen absolut eigenen wie auch wilden Touch. Ihr musikalischer Ausdruck ist mächtig energiegeladen und temperamentvoll, bis hin zu verspielt und humorvoll, weiblich und stolz. Wenn die Akkordeonspielerin ihr Instrument anstimmt, träumen wir sofort von den russischen Weiten. Und wenn nach acht Takten dazu der Synthie anhebt, fühlt man sich fast zwangsläufig in das subversive Lebensgefühl der Großstadt versetzt. Die Band Iva Nova wurde 2002 in Sankt Petersburg gegründet, brachte 2004 ihr erstes Album heraus und startete damit sofort eine beispielhafte Livekarriere im In- und Ausland. Seit dem touren die vier sympathischen Musikerinnen jedes Jahr durch etliche Clubs und Festivals in der ganzen Welt mit ihrer unverwechselbaren und packenden Manier. Sie bedienen sich bei den musikalischen Traditionen ihrer Heimat, aber bewegen sich zugleich kreativ in alle erdenklichen Stilrichtungen, sodass auf ihren Liveshows zwischen gefühlvollen Songs und kraftvollem Punkrock alles möglich ist – das ist pure musikalische Anarchie!
Gleich an fünf Abenden, namentlich täglich vom 03.05. – 07.05.2023 steht im Fürther Stadttheater jeweils um 19.30 Uhr mit der “Compagnie Hervé Koubi” eine fulminante Mischung Symbiose aus Tanz und Akrobatik auf der Bühne: Fünf Jahre Leben zwischen Frankreich und Algerien hätten den Kopf der Combo mit seinen Tänzern in „Les Nuits Barbares“ – bei Youtube gibt es zum Vorfreuen imposante Videoclips mit Ausschnitten – zu einer Zeitreise in die vergangenen Kulturen der sogenannten barbarischen Völker rund um das Mittelmeer inspiriert. Im Lichte der gemeinsamen Geschichte strecke er die Hand nach den gar nicht so fremden Nachbarn aus und glaube an eine universale Kultur und eine gemeinsame Zukunft.
Hipphopper aus Algerien, Streetdancer aus Marokko, Artisten aus Burkina Faso, Modern Dance-Künstler aus Frankreich und Israel – sie alle tanzen in der Kompanie von Hervé Koubi. Die Washington Post kommentierte die neueste Produktion der Gruppe, in der die Besucher in musikalischer Hinsicht im übrigen Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Gabriel Fauré, Richard Wagner und Algerische Volksmusik erwarten, wie folgt: „Atemberaubende Fusion aus Akrobatik, B–Boying (eine Form des Breakdance, also einer ursprünglichen auf der Straße getanzten Kunstform), Modern Dance und Ballett.“ Und die New York Times schwärmte: „Es war eine faszinierend flüssige Kraft in ihren tiefen Flügen und ihrem langsamen Taumeln.“
Am 04.05.2023 um 20 Uhr ist im Fürther Kulturforum das Kolektif Istanbul zu Gast, auf dem Programm steht “Progressive Wedding Music”: Zwei Begriffe, die normalerweise nicht nebeneinander stehen. Auf das Kolektif Istanbul treffen aber beide zu: Progressiv, weil die Stilgrenzen diffus sind und auch Jazz-, und Funkelemente einen Platz zwischen den anatolischen Melodien und balkanischen Rhythmen finden. Der Sound des französisch-türkisch-bulgarische Ensembles wird so zu einem Schmelztiegel für verschiedene Genres, inspiriert von ihrer Heimatstadt Istanbul, wo sich ebenfalls die verschiedensten Kulturen ineinanderfügen.
Die Künstler selbst beschreiben ihre Musik so: Progressive Hochzeitsmusik, Balkan, Türkisch, Jazz, Funk – aufbauend auf traditioneller anatolischer und thrakischer Musik. KISMET ist das 5. Album der Band. Begonnen hat alles mit Richard Laniepce und seiner Reise in die Türkei 2005. Geplant hatte er, der Virtuose an Holzblasinstrumenten, einen 3monatigen Aufenthalt, geblieben ist er bis heute, gründete Kolektif Istanbul und bereits 2006 erschien das Debutalbum „Balkanatolia“. Damals bestand die Band aus 20 Hochzeitsmusikern und Impro-Künstlern, heute sind es in der Regel 6 Musiker, die Stammbesetzung der Band – Gäste sind trotzdem immer und jederzeit willkommen..
“Post-Punk meets Krautrock, lässig aus der Hüfte mit einem guten Schuss türkischem Folk vermixt!” – so in etwa lässt sich das beschreiben, was die Besucher am 05.05.2023 in der Nürnberger Kantine erwartet, wenn das Berliner Trio Kara Delik seine Aufwartung macht: “visions” lobte vor geraumer Zeit wie folgt: “Die Basslines sind groovy, die Rhythmen stoisch bis komplex, die Gitarren atmosphärisch, verhallt, orientalisch und der Gesang launisch-grummelnd.”
Wir empfehlen derweil zur Einstimmung einen Blick in das Video von “Phew” –
Auch wenn die Combo in der Form wie sie nun unterwegs ist, für viele als unbeschriebenes Blatt gelten mag – die Bandmitglieder selbst sind alles andere als Nobodys! Schlagzeugerin Eilis Frawley könnte mancher womöglich schon vom Projekt “Anika” oder Party Fears, während Leadsänger Bariş Öner beim Istanbul Ghetto Club agierte und Andi Sommer in Punk-Projekten wie Henry Fonda, Afterlife Kids und Yacht Communism Bass, Synth und Vocals beisteuerte. Und alle drei zusammen stehen nun eben für frischen Sound aus Berlin, manchmal experimentell und post-punkig – Gutes kommt eben dabei heraus, wenn man sich zugleich von anatolischer Rockmusik der 70er Jahre und andererseits deutschem Krautrock und Punk der 80er Jahre inspirieren lässt.
Die Türen der Kantine öffnen an jenem Abend übrigens um 20.30 Uhr – Vorneweg gibt’s Zweilaster mit “Avant-Schrammelpunk”, irgendwo zwischen DIY-NDW-Punk und Antifolk…
Beim Konzert von Alexandra Stréliski im Neuen Museum zu Nürnberg am 09.05.2023 schlussendlich geht es um “Néo-Romance”: Als Pionierin der modernen Klassik hat Stréliski mit ihrer minimalistischen, emotionalen Musik bereits Zuhörer auf der ganzen Welt in ihren Bann gezogen und damit über 300 Millionen Streams erzielt. Ihr Debütalbum Pianoscope (2010) veröffentlichte die in Montreal geborene Pianistin und Komponistin polnisch-jüdischer Abstammung in Eigenregie mit ihrer Mutter. Vom Keller ihres Familienhauses aus verschickte sie ihr Album per Post und baute sich so eine treue Fangemeinde auf.
Ihre Stücke erlangten als Geheimtipp immer größere Popularität und waren u.a. in „Dallas Buyers Club“ (2013), „Demolition“ (2016) und bei der Oscar-Verleihung (2014) zu hören.
Ihr zweites Album Inscape (2018) veröffentlichte Alexandra Stréliski bei dem in Montreal ansässigen Label Secret City. Das Album, das von ihrem Burn-Out handelte, wurde ein überwältigender Erfolg und erreichte Platinstatus in Kanada für über 140.000 verkaufte Einheiten. Inscape wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem als Instrumentalalbum des Jahres bei den JUNO Awards 2020.
Mit Néo-Romance beginnt die Zusammenarbeit von Alexandra Stréliski mit XXIM Records / Sony Music.
