Ein Suizidaler und ein Blinder helfen einer Todgeweihten, ihren letzten Wunsch zu erfüllen – und werden dabei von der Polizei gejagt. Die Komödie von Albert Dupontel „Was dein Herz dir sagt – Adieu ihr Idioten!“ heimste in seiner französischen Heimat gleich sieben Césars ein.
Suze Trappet (Virginie Efira) ist erst 43 Jahre alt, als ihr der Arzt ohne drumherum Rederei das Todesurteil verkündet: Sie ist unheilbar krank und wird sehr bald sterben. Nun möchte Suze vor dem Lebensende ihren Sohn wieder finden, den sie als Minderjährige geboren und auf Druck ihrer Eltern für die Adoption freigegeben hat. “Wegen Datenschutz” kommt sie aber zunächst nicht weiter. Fast zur gleichen Zeit beschließt der etwa 50-jährige Sicherheitsexperte JB (Albert Dupontel) als Kurzschlussreaktion sich das Leben zu nehmen. Sein Vorgesetzter hatte ihm mitgeteilt, dass die Chefetage ihn für zu alt für diesen Job hält und mit einem viel jüngeren Mitarbeiter ersetzten will. In seinem Büro filmt der Computernerd seine letzten Minuten, legt die Gründe für Selbstmord dar und drückt den Abzug.
Doch die Kugel verfehlt ihn, durchbohrt vielmehr eine Bürowand und trifft einen Kollegen, der gerade Suze bei ihrer Bitte ihren Sohn aufzuspüren eine Abfuhr erteilte. In dem Durcheinander entdeckt sie den bewusstlosen JB und seinen Laptop, schnappt sich Beide und stellt den fortan als durchgeknallt von der Polizei gesuchten Mann vor die Wahl: er hilft ihr bei ihrer Suche und sie übergibt im Gegenzug das Entlastungsvideo den Behörden. Wenn nicht, dann bleibt auch der Laptop verschwunden…
Es ist kein Spoiler, wenn wir erwähnen, dass die Beiden alsbald im städtischen Archiv auf den blinden Archivar Monsieur Blin (Nicolas Marié) treffen – denn erst jetzt ist das Zufalls-Trio perfekt: Vor Jahren durch einen Polizeieinsatz nachdrücklich gesundheitlich geschädigt, hegt Blin Hass auf die ja auch im realen Leben, auch in Deutschland – und offenbar eben auch in Frankreich – oftmals nurmehr wahnwitzig operierende Staatsmacht. Ohnedies ist Blin seiner verordneten De-Facto-Untätigkeit überdrüssig und so stürzt er sich auf die spannende Herausforderung.
„Was dein Herz dir sagt – Adieu ihr Idioten!“ wurde zwischen 2021 und 2022 für über ein Dutzend Auszeichnungen nominiert und gewann neben anderen Anerkennungen den französischen Filmpreis César in gleich sieben Kategorien, darunter als Bester Film, Beste Kamera, Beste Regie und Bestes Drehbuch. Für die letzten beiden genannten Disziplinen, wie auch für eine der Hauptrollen, zeichnet Albert Dupontel verantwortlich, der mit seiner schwarzen Komödie bereits in der Premierenwoche, kurz vor dem zweiten Lockdown im Oktober 2020, in Frankreich knapp eine dreiviertel Millionen Zuschauer ins Kino lockte. Inzwischen haben „Adieu ihr Idioten!“ dort mehr als zwei Millionen Menschen gesehen. Der Streifen sei dem im Jahr 2020 verstorbenen Monty-Python-Komiker Terry Jones gewidmet, welcher mit einem Cameo-Auftritt als „Gott“ in Dupontels „Le créateur“ (1999) zu sehen ist.
In seinem achten Spielfilm als Regisseur spielt Dupontel mit verschiedenen Genres: Es ist nicht nur die merkwürdige Figur des Blin, die der Komödie einen surrealen Anstrich gibt. Aber allein schon wie die Stadt, durch die Suze zusammen mit ihm fährt, sich nach seinen Erinnerungen auch für das Auge des Kinobesuchers verändert ist großartig inszeniert. Verschiedene Beleuchtungsarten versetzten mal in die Welt der Fantasie, mal in die Realität. Die kurzweilig dargebrachte Geschichte verteilt reichlich Seitenhiebe, vor allem an die Polizei. Der Film über zwei Menschen, von denen die eine gerne leben würde und nicht kann, und der andere zwar kann, aber nicht möchte, packt bis zum Schluss und bleibt sehr emotional: mal brüllend komisch, mal Tränen rührend. Im laufenden Kinojahr bisher fraglos einer der drei besten Spielfilme im Arthouse-Sektor. Eine Produktion die man, so möglich, unbedingt auf der großen Leinwand genießen sollte.
