Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Veganuary und Biofach werfen ihre Schatten voraus

Mit dem Jahreswechsel startet offiziell der Veganuary 2024 – und damit der vermeintlich auch bei immer mehr Menschen in Deutschland beliebte Neujahrsvorsatz, eine vegane Ernährung zumindest mal auszuprobieren. Auch zahlreiche Unternehmen (u. a. Dr. Oetker, Frosta, Iglo, Ritter Sport, Rügenwalder Mühle)  und Handelsketten beteiligen sich am rein pflanzlichen Aktionsmonat wieder mit auffällig beworbenen Angeboten, Produktneuheiten und Aktionen rund um die vegane Ernährung und Lebensweise; so manche Uni des Landes verbannt tierische Produkte für ein paar Wochen gar gleich ganz vom Speiseplan. kulturkueche.de hingegen interessiert sich hingegen wie vegan Essen auf Probe überhaupt ohne Holzhammermethode zu einem interessanten Erlebnis werden kann und – auch in Anbetracht, dass in wenigen Wochen in unserer fränkischen Metropole die Weltleitmesse für organic food über die Bühne geht (vom 13. – 16. Februar 2024 trifft sich die Community wieder in Nürnberg) wie „biologisch“ und „tierfrei“ immer öfter Hand in Hand gehen.

(ore) Vegetarisch oder vegan essen liegt augenscheinlich im Trend: Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2023 verzichten mittlerweile etwa zwölf Prozent der Menschen in Deutschland auf den Konsum von Fleisch, rund drei Prozent leben sogar konsequent vegan. Bei einer Bevölkerungszahl von 83,9 Millionen sind das etwa zehn Millionen vegetarisch und 2,5 Millionen vegan lebende Personen. Doch auch wenn es von vielen Medienkollegen geflissentlich übersehen bzw. zumindest überhaupt nicht thematisiert wird: wenn es um “Plant-Based-Food” geht, muss man sich das nicht nur leisten wollen sondern auch leisten können! Denn noch immer sind pflanzliche Alternativen hierzulande wesentlich teurer als die vergleichbaren tierischen Lebensmittel, 2022 teils über 50 Prozent, aber auch im ablaufenden Kalenderjahr waren zum Beispiel Hack-, Aufschnitt-, Käse- oder Milch-“Ersatz”-Lebensmittel meist noch über ein Viertel teurer als “Konventionelles”. Einzig pflanzliche Fischstäbchen waren – das hat die “ProVeg-Preisstudie” herausgefunden – 2023 in manchen Geschäften sogar günstiger als die aus echtem Fisch. Gleichwohl: Auch große Restaurantketten, darunter Domino’s Pizza Deutschland („Vegan Chicken Döner Pizza“), Pizza Hut Deutschland (u. a. „Vegan Thu’n’a Pizza“) und Burger King (veganer „Veggie King Deluxe“) erweitern in diesen tagen ihr pflanzliches Portfolio.

So gelingt der Einstieg

Das “Bundeszentrum für Ernährung” (BZfE), welches sich selbst als “das Kompetenz- und Kommunikationszentrum für Ernährungsfragen in Deutschland” betrachtet, nutzt den Aktionsmonat derweil um unter anderem in einem Beitrag “Vegan essen auf Probe – So gelingt der Einstieg” aufzuzeigen, was nötig ist, damit Verbraucher vielleicht sogar langfristig Geschmack an fleisch- und tierproduktfreier Ernährung zu finden. Wobei es ja nicht immer nur um den Speiseplan geht: Vegan sein bezieht sich zwar in erster Linie auf die Ernährung, wobei Veganer und Veganerinnen auch in anderen Bereichen des Lebens versuchen tierische Produkte zu umgehen. Hier stehen meist ethische Gründe im Vordergrund, sowie der Umweltschutz oder die Gesundheit.  

Für die Ernährung aber klappt der Einstieg in den Veganuary, so Dr. Birgit Jähnig, wenn zunächst bei den Lieblingsgerichten tierische Zutaten durch pflanzliche ersetzt werden. Die Klassiker sind zum Beispiel eine Linsen-Bolognese oder ein pflanzliches Patty auf dem Burger. Am besten im Vorfeld vegane Rezepte mit passenden Zutaten heraussuchen – das Internet bietet eine große Auswahl. Viele Lebensmittel sind ja sowieso schon vegan: Dazu zählen natürlich Gemüse und Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen, Reis und Kartoffeln, aber auch die meisten Brot- und Nudelsorten, Erdnussbutter, Kokosmilch, Currypasten, Tomatenmark, Kräuter, Gewürze, Tee, Kaffee, Kakao und vieles mehr.

Die Vorab-Planung der veganen Mahlzeiten – wie bei nicht-veganen auch – sei wichtig, um nicht plötzlich in Stresssituationen oder bei großem Hunger vor dem Kühlschrank zu stehen und in alte Gewohnheiten zu verfallen. Außerdem empfiehlt es sich, vegane Snacks für den kleinen Hunger zwischendurch da zu haben: Nüsse, Trockenfrüchte, geschnittene Paprika oder einen Apfel zum Beispiel. Und schon beim Einkauf das Zutatenverzeichnis von Fertigprodukten wie Pizza auf tierische Zutaten durchsehen – für den Fall, dass es mal schnell gehen soll. Die Ernährungsumstellung fällt leichter und macht auch mehr Spaß, wenn man sich dazu mit Gleichgesinnten zusammenschließt. Und zuletzt: Wenn sich doch einmal ein tierisches Produkt einschleichen sollte, mit sich selbst nachsichtig sein und einfach weiter machen im Plan.

Allerdings gibt es ein paar Nährstoffe, die sich mit rein pflanzlichen Lebensmitteln nicht so leicht oder gar nicht aufnehmen lassen. Dazu gehören Vitamin B12, Jod, Kalzium, Eisen, Zink, Selen, bestimmte Aminosäuren und Omega-3-Fettsäuren. Wenn jemand zum ersten Mal am „Veganuary“ teilnehmen möchte, muss er oder sie sich aber keine Sorgen wegen eines Nährstoffmangels machen. Bei langfristiger veganer Ernährung sei es jedoch wichtig, sich ärztlich beraten zu lassen. Schwangeren und stillenden Frauen sowie Kindern und Jugendlichen im Wachstum raten das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) im Übrigen weiterhin explizit von einer veganen Ernährungsweise ab.

“Bio goes vegan – und umgekehrt”

Viele Anhänger biodynamischer Landwirtschaft, Menschen die die integrierte Bewirtschaftung von Höfen seit Jahren wieder vorantreiben, lehnen Fleischkonsum oder zumindest die Aufnahme tierischer Produkte wie insbesondere Milch, Eier und Käse nicht per se ab. Aber auch in der Bio-Branche tut sich seit vielen Jahren – die Weltleitmesse für organic food legt dafür regelmäßig auch außerhalb ihrer obligaten Vegan-Ecke Zeugnis ab –  eine Menge wenn es um die Vereinbarkeit von nicht nur „biologisch“, sondern auch „tierfrei“ geht.

Branchenexpertin Hanni Rützler durfte auf der Webseite der Nürnberger Biofach vor einigen Wochen Gedanken über die Herausforderungen der Hersteller veganer Lebensmittel und insbesondere der Bio-veganen Bewegung beschreiben und erinnerte in ihrer Kolumne zu Recht daran, dass Teile der Bio-Branche immer noch Vorbehalte gegenüber Plant-Based-Food, gegen vegane Ersatzprodukte, weil bei denen – um die fleischähnliche Textur mit saftigem Mundgefühl zu erzielen – noch zu oft Zusatzstoffe zum Einsatz kommen.

Entsprechend finde es die österreichische Ernährungswissenschaftlerin und Foodtrendforscherin wenig überraschend, “dass nur die wenigsten der jährlich von Peta mit dem „Vegan Food Award“ ausgezeichneten Produkte auch Bio-Standards entsprechen. Dennoch hat die bio-vegane Bewegung in den letzten Jahren an Fahrt gewonnen. Die Herausforderung liegt darin, bei nötigen Zusatzstoffen auch bio-taugliche Alternativen zu bieten und dabei Rezepturen frei von künstlichen Stabilisatoren anzuwenden.

BIOFACH beweist seit Jahren: Bewegung kommt auch in den Markt für Milch- und Käseersatz

Aber diese Herausforderung würden immer mehr Hersteller erfolgreich annehmen. Rützler verweist hier etwa auf den dänischen Koch Frank Lantz, der mit seiner veganen Marke „Uhhmami“ biologische, pflanzliche Aromen und Bouillons vertreibt, mit deren Hilfe sich traditionelle Gerichte in köstliche pflanzliche Alternativen verwandeln ließen.

Rützler berichtet auch, dass ein Ernährungssektor, der lange Zeit von konventionellen Produkten dominiert wurde, im Umbruch ist: “Etwa in Form der biologischen Rahm- und Grillkäse-Alternative von Soyana aus der Schweiz, die zu 71% aus fermentiertem Cashewnuss-Drink besteht, oder der Parmesan-Alternative auf Mandelbasis Mandorino aus Italien. Dazu zählen auch der Haferdrink von Gut.Bio oder der Mandeldrink von Alnatura, um nur einige Beispiele zu nennen.”

 

 

 

 

 



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