Ein in die Jahre gekommener Autorenfilmer bekommt keine neuen Aufträge mehr. Seine Frau indes ist vielleicht sogar erfolgreicher denn je. Mit ihr lebt er in einem kleinen Dorf. Lebenskrise, Seitensprung, Wahlkampf gegen einen Rechtspopulisten und nebenbei überraschende Erkenntnisse über die eigene Herkunft: „Überleben in Brandenburg“ startet am 12. April in den Kinos.
László Kovács (Zoltan Paul) ist unzufrieden. Mit sich und der Welt. Die Finanzierung für sein Filmprojekt wurde abgesagt, vielleicht spielten – wie er vermutet – bei den Entscheidungen tatsächlich sein Alter und auch seine gesundheitlichen Probleme hinein. Seine Frau (Adele Neuhauser) hingegen ist eine gefragte Schauspielerin, soll bald für Dreharbeiten nach Kanada fliegen. Beide leben in einem kleinen Dorf in Brandenburg an einem See, wo der ungarisch stämmige Österreicher gerne mit dem Boot unterwegs ist. Bei einer seiner Ruderpartien lernt er in der Unternehmerin Lisa Mühlberg (Sabine Waibel) eine Frau aus dem Nachbardorf kennen, der er zugleich mit Haut und Haar verfällt. Eine Affäre mit ihr scheint jedenfalls eine gute Ablenkung für seine Lebenskrise. Dazu kommt, dass ihn seine Bekannten im Dorf anstacheln, gegen einen AFDler (Joachim Paul Assböck) als Bürgermeister zu kandidieren. Als ob seine Sorgen und Probleme nicht groß genug wären, offenbart ihm seine Mutter in dieser irgendwie aber auch wieder spannenden Lebensphase auch noch ein altes Familiengeheimnis.
„Überleben in Brandenburg“ ist eine Komödie von Zoltan Paul (1953-2022) und Ben von Grafenstein (u.a „Blindflug“, „Kasimir und Karoline“, „Die Ungewollten – Die Irrfahrt der St. Louis“) über Altersdiskriminierung und das Themenfeld Post-Midlife-Crisis. Paul stand nicht nur vor der Kamera, er schrieb auch das Drehbuch zum Film. Um so unfassbarer der Schock der Kollegen und Mitwirkenden, dass er unerwartet, noch vor Fertigstellung verstarb. Zunächst Schauspieler, später Theaterregisseur, begann er seine Karriere in der Filmbranche als Drehbuchschreiber und realisierte auch eigene Projekte wie „Gone – Eine tödliche Leidenschaft“ (2004) oder „Unter Strom“ (2008). „Amok – Hansi geht’s gut“ (2014) wurde zuletzt bereits per Crowdfunding finanziert. Laut Ben von Grafenstein verarbeitete Zoltan Paul in „Überleben in Brandenburg“ viele persönliche Erlebnisse und Geschichten als Indie-Regisseur auf dem Brandenburger Land, samt realer Sinnkrise. In der neuen Komödie geht er jedenfalls für jeden Zuschauer unverkennbar mit viel Selbstironie und Situationskomik mit seinem alten Ego László Kovács um.
Sei es als abgeschriebener Regisseur, Mann einer erfolgreichen Frau, schlechter “Babysitter” eines trockenen Alkoholikers oder Frischling im Wahlkampf: Die Seitenhiebe, die in „Überleben in Brandenburg“ verteilet werden, sind letztlich jedoch wenig tiefgehend und vor allem von Storytelling ist viel zu vieles zu vorhersehbar und überdies so oder so ähnlich schon zigfach gezeigt. Selbst der rechtspopulistische politische Gegner – beide Männer kennen sich, die Geschichte spielt ja auf dem Land, schon seit Jahren – hat mehr Mitleid mit dem sich in Sachen Liebesleben in etwas verrennenden László, warnt ihn nachdrücklich und gut gemeint sich noch tiefer auf den Seitensprung der offenbar auch ihm selbst als Femme-fatale bekannten Lisa einzulassen. Alles in allem ist’s zwar keine bissige Milieustudie aber irgendwie wenigstens ein kleiner hübscher Film (an dem neben der rundum als gehörnte Gattin überzeugenden Adele Neuhauser auch die bekannten Mimen Ralph Herforth und Gisa Flake mitwirken) geworden, der besser im Fernsehen als im Kino aufgehoben wäre.
