Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Kurzkritik zu “Salz und Wasser”

Der Dokumentarfilm “Salz und Wasser” begleitet eine Forschungsexpedition in die Ostantarktis, wo Wissenschaftler Veränderungen im Eis untersuchen wollen. Im Mittelpunkt steht teilweise weniger die sagenumwobene Landschaft sondern das 1982 vom Stapel gelaufene Schiff “Polarstern”, welches somit nahezu 45 Lebensjahre auf dem Buckel hat, sowie dessen Besatzung.

Inklusive Vorspann sind noch keine fünf Minuten vergangen, seit sich für den Zuschauer der Vorhang gehoben hat, als einen die weibliche Offstimme  bereits das erste Mal schon recht ermüdend zuquatscht. Vor tief dunkelblauem “Hintergrund” wird derweil eine Skizze mit hellblau gefärbter Westantarktis und deutlich größerer, strahlend weiß gefüllter Fläche umrisshaft die Ost Antarktis eingeblendet. Natürlich ist dieses erste Still kein Selbstzweck.

In einer wohltuend simpel gehaltenen Animation rücken zur geographischen Einordnung die jeweiligen Zipfel bzw. Spitzen von Südamerika, Afrika und Australien ins Blickfeld. Sodann wird der antarktische Zirkumpolarstrom (ACC) in seiner gängigen wissenschaftlichen Lesart erläutert; gefolgt von einem Schwenk auf einem Teil der malochenden Bootscrew – mittels Winden- und Kransystemen gilt es Messsonden auszubringen, um Sedimentproben zu nehmen. Schließlich geht es bei der Expedition, um die sich diese kaugummiartig präsentierte Doku dreht, primär um die Frage der  Folgen und des Ist-Standes von Eis- und Polarschmelzen. Bei von Filmemacherin Ines Reinisch schmerzfrei gestelzt ins Off geblubberten Sätzen a la “es fasziniert mich wie Ede mit diesen kleinen Bewegungen diese riesigen Geräte lenkt” über einen Bootsmann, der zuvor bei der Bundeswehr auf Schiffen wirkte, oder Möchtegern-Philosphie wie “Wir Menschen sind zu weit weg, zu weit weg von allem” weiß man oftmals tatsächlich nicht, ob hier jemand im Grunde lieber sich selbst als eine wissenschaftliche Arbeit auf die Leinwand bringen wollte.

Die Sprecherin übernimmt im Folgenden leider auch die Rolle der Interviewerin. Und spätestens nach ihrem zweiten Kurzgespräch mit Crew-Mitgliedern ist klar, dass jeder 3-minütige Erklär-Film bei der “Sendung mit der Maus” eloquenter gestaltet daherkommt. In Minute 22 erzählt dann Reinisch’ erste weibliche Gesprächspartnerin wieso das Rahmenthema überhaupt so bedeutsam ist: es geht um das globale Klima, das Ökosystem als Ganzes. Im nächsten Schnitt darf der Zuschauer imposante Bilder von durch Winde aufgepeitschtes Wasser betrachten – doch leider nicht ohne aus dem Off weiteres Geblubber der Regisseurin vorgesetzt zu bekommen: “Der erste richtige Sturm. Ich mag die Wellen”… Und wer als Kinobesucher denkt, dass einem  in dieser Produktion wenigstens der sprichwörtliche Holzhammer erspart bleiben würde: der hat die Rechnung ohne den Score gemacht – besonders möchtegerndramatisch drängt die Musik in den Vordergrund als ein Teil der Schiffsbesatzung mittels Helikopter zum geheimnis-umworbenen Kontinent aufbricht. Und als ob all das nicht schon ermüdend genug wäre muss eine persische Forschende auch noch über die natürlich tatsächlich bedauerliche Rolle der Frau im Iran der Gegenwart predigen.

Selbstverständlich kann jeder Dokumentarfilm mal hier und da einen kleinen Schwenk weg vom Kernthema wagen – hier wäre es sogar interessant gewesen mehr Einblicke über das soziale Gefüge und vor allem die Freizeit der Schiffsbesatzung zu erhalten. Zwei solche Sequenzen gibt es, ansonsten ist es eher ein Abfragen von Lobhudeleien. Was dem Zuschauer hier über 110 Minuten geboten wird, wäre bestenfalls verknappt auf 20 Minuten für einen kleinen TV-Beitrag lohnend. Aber selbst das nur, wenn die “Erzählerin” maximal 500Worte präsentieren darf und das “Soundtrack”-Konzept grundlegend überarbeitet wird! Die insgesamt erstaunlich wenigen nachdrücklich beeindruckenden Landschaftsaufnahmen könnten dann den Großteil der Bilder einnehmen . In der vorgelegten Form jedoch hat “Salz und Wasser” mit einer sehenswerten Natur-Doku leider fast gar nichts gemein. Größtenteils redundante Interviewsequenzen, bedeutungsschwanger vorgetragene Wikipedia-Textchen, “garniert” mit eigenen Anmerkungen a la “Während ich das filme, will ich eigentlich nur noch heulen. Nichts konnte mich darauf vorbereiten einen sterbenden Gletscher zu sehen” ziehen sich tatsächlich durch die gesamte Produktion.

Der Gipfel aber ist die kompromisslos schwülstige, selbst beweihräuchernde Schlussrede. Die Schlichtheit des Films ist mit punktuell tragikomisch noch wohlwollend umschrieben.



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