Eine seit zwei Tagen tote Mutter, eine doppelt gesicherte Moorleiche – später auch noch das mutmaßlich dazugehörige Kind, ebenfalls gut konserviert -, eine mehr als seltsame Assistentin, die wie aus dem Nichts auftaucht und vermeintlich die Gedanken der Protagonistin lesen kann: Corinna Harfouch verkörpert “Im Spiegel meiner Mutter” als Ursula eine Professorin, die mitten in einer laufenden Baustelle lehrt und forscht und offensichtlich schon Jahrzehnte ein betont schwieriges Verhältnis zur gerade Verstorbenen pflegte.
Musikalisch dominiert Jutta Brückners („Hungerjahre“, „Hitlerkantate“) neuesten Streifen das “La Paloma” Motiv. Mitunter ziemlich disharmonisch. Maciej Sledziecki sei Dank. Vor der Kamera stehen größtenteils Frauen im Mittelpunkt. Männer kommen zwar immer wieder in die Szenerien – aber außer Ursulas Vater haben sie im Grunde keine Bedeutung. Oder sie wirken wie einer der Studenten der Archäologin eher irgendwie peinlich – unter anderem weil nicht jeder der jungen Menschen, die Ursula unter ihren Fittichen hat, unbeschwert bleibt, wenn sie über Gustave Courbets “Der Ursprung der Welt” sprechen möchte und dafür eben die weibliche Vulva zumindest anhand von Kunstwerken präsentiert. Im Grunde dreht sich im Kopf in der von Corinna Harfouch insgesamt sehr eintönig präsentierten Professorin aktuell aber eigentlich ohnedies alles um die anstehende Obduktion ihrer Mutter (Hildegard Schmahl), die die letzte Zeit – vermeintlich auf eigenem Wunsch – in einem Altenheim gelebt hat. Und um die Freilegung einer Moorleiche, deren Kopf getrennt vom Rumpf war, die sie bereits wie auch immer in ihr Institut gebracht hat und hinter zwei eher an die Ausstattung von Gefängnisräumen erinnernden Türen versteckt hält.
