Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Rühren im Genpool mit “Monsieur Claude”

Die erste Sippe die in der Komödie „Oh la la – Wer ahnt denn sowas?“ im Mittelpunkt steht, ist versnobt bis in die Zehenspitzen, betont ihre jahrhundertelange aristokratische Abstammung bei jeder passenden und auch unpassenden Gelegenheit bis zum Erbrechen. Die andere Familie verdient ihr Geld mittels Autoverkauf – aber nur Peugeot darf es sein. Keinesfalls ein Mercedes oder etwas Anderes von den eigentlich latent verhassten Nachbarn. Aber auch, dass der Nachwuchs der einen, den Spross der anderen heiraten möchte, passt allen vier Elternteilen nicht so recht in den Kram, obgleich formal ja wenigstens alles französisch bliebe. Und dann liegen da auch plötzlich DNA-Tests als Geschenk auf dem Tisch.

Alice Bouvier-Sauvage (Chloé Coulloud) ist das einzige Kind einer reichen Adelsfamilie. François Martin (Julien Pestel) ist der Sohn eines Peugeot-Händlers. Die Beiden sind offenbar seit Längerem verliebt und nun wollen sie bald heiraten. Diese Neuigkeit wollen sie ihren Eltern bei einem gemeinsamen Treffen mitteilen, die sich gegenseitig noch nicht kennengelernt haben. Die Zusammenkunft ist in Alices Elternhaus anberaumt. Auf der Fahrt dorthin sind seine Eltern – Nicole und Gérard Martin (Sylvie Testud und Didier Bourdon) – als sie das erste große Geländetor passieren von den weitläufigen Weinbergen zunächst noch aufrichtig beeindruckt. Doch als sie den gesamten Reichtum der “Gegenschwieger” so langsam umreißen, sich dem Riesenschloss durch das umfangreiche, parkähnliche Anwesen nach einigen Autominuten endlich erreichen, zu tiefst eingeschüchtert. Seinen Peugeot darf Gérard Martin zwischen dicken Mercedes-Limousinen abstellen. Zugleich verwechselt er die portugiesische Haushälterin mit der “Dame des Hauses”, und als der pfauenartige  Hausherr Frédéric Bouvier-Sauvage (Christian Clavier) arrogant seine jahrhundertlange Ahnenlinie herunterbetet, ist auch dem optimistischsten Zuschauer  klar, dass das Aufeinandertreffen zweier Gesellschaftsstände alles andere als Friede, Freude, Eierkuchen ergeben wird. Zumal auch die Gastgeberin Catherine (Marianne Denicourt) – wie ihr Mann – wenig begeistert von den Heiratsplänen ihrer Tochter ist. Und als ob unter diesen Vorzeichen nicht genug Konfliktpotential vorhanden wäre, macht das junge Paar allen Elternteilen ein Überraschungsgeschenk: hinter ihren Rücken haben sie für alle DNA-Tests anfertigen lassen, eher eine spielerische Idee aufzuzeigen, wie es um den jeweiligen Gen-Pool, zur Herkunft tatsächlich bestellt  ist…

Es gibt kaum ein Stereotyp, ein Vorurteil oder Klischees über versnobte Aristokraten, Spießbürger und die französische Weltsicht auf andere Nationalitäten das in der Komödie „Oh la la – Wer ahnt denn sowas?“ (Originaltitel „Cocorico“ – Kikeriki) des Regisseurs Julien Hervé nicht auftauchen würde. zum Glück gibt es aber eben – ausgleichende Gerechtigkeit – auch viel Selbstironie über die so genannte “Le savoir-vivre” zu hören und zu sehen. Insbesondere Christian („Monsieur Claude“) Claviers’ Figur legt sich mächtig ins Zeug, dicht gefolgt vom Vater seines Schwiegersohnes in spe, der seinen oft extrem peinlich wirkenden Patriotismus mit seinem Faible für französische Automarken auslebt. Fast der ganze Film wird durch das Gezanke der Beiden getragen. Kaum zu glauben in Anbetracht ihres jeweiligen Oeuvre: Die beiden männlichen Stars des französischen Kinos sind zum ersten Mal gemeinsam auf der großen Leinwand zu sehen!

Sehr vieles vom Inhalt ist vorhersehbar und nicht wirklich überraschend. Doch: Wie viele Komödien aus dem Nachbarland schafft es auch dieser Streifen in Summe erfreulich unbeschwert und wenig platt daherzukommen und seine Zuschauer gut zu amüsieren. Kein Werk, woran man sich lange erinnern wird, aber eins, was eine nette Ablenkung vom Alltag verspricht und dies für anderthalb Stunden voll und ganz einhält.



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