Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

In Berliner Hinterzimmern rollen Kugeln

In seinem Drama „Night To Be Gone“ erzählt der US-amerikanische Regisseur Loren David Marsh im Film-Noir-Stil über ein Gauner-Pärchen, das aus recht unterschiedlichen Gründen auf viel Geld aus ist. Anfänglich scheint es ein einfaches Spiel für die Beiden dieses Ziel mittels ein paar Billardpartien zu erreichen.

Ihr erstes Opfer lauert in einer Berliner Eckkneipe. Der Afrikaner Omer (Alpha Omer Cissé) und die Französin Carine (Sylvaine Faligant) sind offenbar gerade erst in die Stadt gekommen. Ihr Plan ist simpel: Während Omer auf die Toilette geht, verwickelt Celine den einzigen allein herumsitzenden Gast Dieter (Torsten Merten) in ein flirty Gespräch. Als Omer zurückkommt, spielt er den Eifersüchtigen, fordert Dieter auf ein Billardspiel heraus, natürlich um Geld. Celine soll ihrem vermeintlichen Freund der nicht gerade wie ein Profi erscheint den Wetteinsatz spendieren, was sie, um das Ganze authentisch erscheinen zu lassen, betont widerwillig tut. Wenig später sitzen die beiden Ausländer im Auto – sichtlich zufrieden mit dem Gewinn. Das Paar, das nur wegen dieser Art Geschäfte zusammen ist – wie sie in unterschiedlichen Situationen immer wieder betonen, obwohl Celine sich augenscheinlich doch ein wenig mehr an Zuneigung erhofft – arbeitet nach der typischen Gaunermasche: Omer verliert zunächst ein paar Mal und dann räumt er am Tisch mit den rollenden Kugeln so richtig auf. Celine verwaltet die Geldtasche. Sobald 10.000 Euro zusammen gekommen sind, sollte es eigentlich aufhören. Während die Französin davon träumt, zurück in ihre Heimat zu gehen und dort ein Strandcafé zu übernehmen und idealerweise mit Omer eine Zukunft aufzubauen, hat er andere Pläne. Die Summe braucht er als Einsatz für eine Billardpartie gegen den berüchtigten „Sultan“ (Yotam Ishay), bei dem der aus Mali stammende Mann den Coup seines Lebens wittert. Doch es kommt anders, als geplant…

„Night To Be Gone“, ganz in schwarz-weiß gehalten, was allein schon ob der ja oft im Mittelpunkt stehenden, eigentlich bunten Billardkugeln einen interessanten Kontrast und überdies durchgehend eine spannungsgeladene Atmosphäre verbreitet, ist das Erstlingswerk des US-Amerikaners Loren David Marsh, der neben der Regie auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet. Das Budget scheint nicht wirklich groß gewesen zu sein. Die Produktion kommt wie ein Beitrag für ein Studentenfilmfestival daher. Aber wie ein überdurchschnittlich guter Beitrag. Noch dazu lässt Marsh Berlin in einem sprichwörtlich ungewohnten Licht erscheinen: die nächtlichen Bilder sind betont weich gezeichnet, viele Außenszenen mit nahezu menschenleeren Straßen, dazu die verrauchten Kneipen und Hinterzimmer, wo teils zwielichtige Figuren Billard an der Grenze der Illegalität spielen. Wären da nicht moderne Autos, könnte der Indie-Film seine Zuschauer mühelos in die 1960er Jahre wenn nicht gar noch weiter zurück versetzen. Obwohl die Handlung insgesamt ziemlich vorhersehbar ist und die Leistung der Schauspieler nicht immer hundertprozentig überzeugt, ist die klassische Sportwetten-Hustle-Geschichte, bei der auch Drogen eine gewichtige Rolle spielen, unter’m Strich aufgrund seiner stimmungsvollen Erzählweise gerade für die große Leinwand ein zumindest ordentliches Sehvergnügen.



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