Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Neu im Kino: Wann wird es endlich wieder Sommer?

Kurzkritik: Da die Doku von Barbara Lubich und Michael Sommermeyer einerseits wirbt “Musik kennt kein Ausland – und diese Musiker rocken Demonstrationen, Festivals und Asylunterkünfte gleichermaßen” und andererseits versprach, auch etwas zu dem unsäglichen Rattenfängerkonstrukt, dass sich PEGIDA schimpft, zu erzählen, gar vollmundig behauptet “Zeitdokument, Porträt einer Stadt und eines Landes, Drama, Komödie und mitreißender Musikfilm in einem” zu sein, waren wir neugierig. Und wir waren optimistisch, dass “Wann wird es endlich wieder Sommer?” rund um eine “kleine Dresdner Demokapelle” namens “Banda Comunale” alles andere als eine tröge Nabelschau von Antifas, die – wie das ultrarechte Pack – allzu oft leider nur über Refugees reden, statt sich wirklich mit jenen in Deutschland von Staat, Medien und Nachbarn oft gegängelten Menschen zu beschäftigen, sein könnte.

Doch leider ist das Filmchen nicht nur extrem langatmig, bis auf vielleicht zehn Minuten – wenn man die entsprechenden Stellen, die hier und da aufblitzen, aneinander reihen würde – und last but not least eben völlig an den Fragen der Zeit vorbei. Man sieht zwar wie sich Menschen aus “aller Herren Länder”, die teils auch bereits vor ihrer Flucht nach Deutschland absolut professionell Musik betrieben, in ein durchaus interessantes und vielfältiges Projekt einbringen, gemeinsam mit – teils allerdings ziemlich selbstverliebt und oberflächlich erscheinenden – “Banda Comunale”-Protagonisten proben, Stücke entwickeln und schließlich nicht nur in Dresden, sondern auch auf dem Heimatsound-Festival oder einem Kulturevent in Polen auftreten. Aber man erfährt bis auf ein paar unter anderem während Busfahrten stattfindenden Gesprächen über die Situation in Syrien, Asylverfahrensfragen wenigs bis gar nichts nachhallendes. Auch die Auseinandersetzung mit braunem Mob findet nicht statt. Erst recht nicht mit den weitaus leichter abbaubaren Vorbehalten von “Otto Durchschnittsbürger”. Einzig der Opener der Doku ist richtig gut: irgendeine “Ich hab ja nix gegen Ausländer-aber”-Fresse philosophiert völlig schmerzfrei darüber, dass eine Frau, die einerseits Kopftuch trägt, aber auch lackierte Fingernägel habe, wohl kaum einen wirklichen Fluchtgrund besitzen könne.

Insgesamt ist “Wann wird es endlich wieder Sommer?” – der Filmtitel erinnert nicht zufällig an einen Gassenhauer von Rudi Carell, im Verlauf der trögen Erzählweise wird irgendwann ein Afrikaner dessen Liedchen interpretieren – alles andere als leinwandtauglich. Und selbst als TV-Produktion es nicht wert, mehr als 1 1/2 Stunden zu investieren. Live ist die im Zentrum stehende Kapelle, die sich irgendwann folgerichtig in “Banda Internationale” umbenannte und arabische Liebeslieder genauso glaubhaft begleitet wie klezmerähnliche Stücke, bestimmt sehr unterhaltsam. Eine Doku über sie hätte auch interesant werden können. Die von Lubich und Sommermeyer ist es leider überhaupt nicht.



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