Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Kurzkritik: Zweigstelle

Luise Kinseher, Maximilian Schafroth, Rick Kavanian, Florian Brückner, Roy Bianco (als er selbst), Simon Pearce und die Namen vieler weiterer Gaststars oder gar Hauptrollen (neben den Vieren, die vermeintlich frisch verstorbene jugendliche Freunde darstellen) in “Zweigstelle” werden insbesondere in Bayern aufhorchen lassen: sie alle sind mit mehr als einem Augenzwinkern und mitunter einer Portion Selbstironie recht kurzweilig unterwegs, wenn es darum geht zu versinnbildlichen, dass “der Himmel” (der im Übrigen allen Konfessionen offen steht) eine ganz gemeine durchschnittliche deutsche Behörde sein könnte. Nummern ziehen und sprichwörtlich von Pontius zu Pilatus laufen lassen inklusive. 

In den ersten Filmminuten wollte sich Resi (gespielt von Sarah Mahita) von ihrem Partner trennen. Sie hatte es gerade noch mit ihrer Freundin durchgespielt. Er hatte sich nichts Böses zu Schulden kommen lassen, und eigentlich liebt sie Michi noch. Aber irgendwie will sie auch noch irgendetwas anderes erleben gerade. Es muss keine Trennung auf Dauer sein. Vielleicht will sie ihn gar in zwei, drei Jahren unbedingt wieder zurück. Gerade als sie zu ihrer traurigen Mitteilung diesmal mit der richtigen Zielperson vis-a-vis ansetzt, unterbricht er und eröffnet Resi, dass er wohl unheilbar an Krebs erkrankt sei. Es bleiben mutmaßlich nur noch ein paar Wochen. Sie macht einen Rückzieher. Schnitt.

Michi hatte denn dann doch noch satte drei Jahre. Drei Jahre in denen Resi offenbar arg zurückgesteckt und kräftig am Hof mitgeholfen hat. Sie bereut es immerhin nicht völlig. Doch jetzt ist ein richtiger Aufbruch angesagt. Eine Aufgabe steht aber noch an: die Protagonistin klaut kurz vor der Beisetzung der Urne einen Teil der Asche ihres verstorbenen Freundes, um dessen letzten Wunsch zu erfüllen. Sie soll seine Rückstände auf einem Berg verstreuen. Zusammen mit ihren Freunden Fipsi, Mel und Sophie (Hong Nhung) macht sich Resi per Auto auf den Weg. Der nächste große Cut der Geschichte ist diesmal ein Autounfall. Und da es das Leitthema des Films ist, spoilern wir natürlich nicht, wenn wir verkünden. Das Quartett steht unvermittelt in Feinripp im Jenseits der Bürokratie. Hier also darf ihre finale (?) Sinnsuche starten. Oder auch nicht. Zumindest nicht für alle sofort. Eine der Frauen wird anscheinend auf der Erde noch reanimiert und verschwindet so dann erst einmal wieder aus den Fängen der oft Stereo redenden Beamtinnen der “Zweigstelle Süddeutschland III/2” (Luise Kinseher und Johanna Bittenbinder) die letztlich darüber befinden müssen, ob und was die Neuankömmlinge zu Erdzeiten glaubten, und ob sie letztlich Elysium, Fegefeuer oder Wiedergeburt erwartet. Nur für die die zeitlebens einfach wirklich gar NICHTS glaubten, und nicht einmal spirituell beseelt waren, wartet Selbiges “konsequenterweise” auch nach den letzten Unterschriften und Stempeln unwiderrufbar. Wenn nicht gerade ein technischer Defekt in der Zweigstelle vorliegt…

In dieser bayerischen Heimatkomödie wird dem Zuschauer selten langweilig. Und dabei geht es keineswegs immer nur schwarzhumorig oder gar schrill zur Sache. Eine Satire darf man keinesfalls erhoffen. Optisch erinnert so manches tatsächlich an Filme von Wes Anderson. Für deutsche Verhältnisse ist “Zweigstelle” in jedem Fall eher überdurchschnittlich. Und vor allem in jeder seiner Fasern irgendwie stimmig.  Was beachtenswert ist, denn für Regisseur Julius Grimm ist es sein Debüt. Aber und das ist wirklich das große aber: letztlich ist nicht nur vieles viel zu vorhersehbar, sondern irgendwie inhaltlich auch wenig originell. Oft sogar einen Zacken zu betulich. Schauspielerisch und inszenatorisch gibt es gleichwohl wenig zu bemängeln. Eine Bindung zu den vier von elementaren Zukunftsfragen geplagten Freunden entsteht kaum. Am Unnötigsten erscheint uns in dem gesamten Werk, dass “Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys” nicht nur als Hintergrundmusik sondern auch an sogar sehr vielen Stellen Präsenz zeigen. Was als Running Gag gedacht sein dürfte ermüdet mit am Meisten.



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