Das Spiel mit der Idee eines Films im Film haben schon viele vor ihr gewagt: Regisseurin Alice Gruia (bekannt für ihre Serie “Lu von Loser”) packt in ihrem Langfilmdebut “Seid einfach wie ihr seid” ihre junge Hauptdarstellerin Lou Strenger als “Willie” konsequenterweise gleich in die Rolle einer Filmstudentin die für ihre Abschlussarbeit die eigenen Eltern vor die Kamera zerrt. Die haben sich laut dem dem Ganzen zugrunde liegenden Drehbuch seit 25 Jahren nicht mehr gesehen: ihre Tochter wuchs beim Vater auf, während sich die Mutter, die dem Vernehmen nach seinerzeit (noch) kein Kind wollte, selbst verwirklichte. Für den Film im Film gibt es, wie der Titel anklingen lässt, indes kein Drehbuch.
Denn: Willie will spontane Interaktionen einfangen. Männi (Jean Paul Baeck), ihr Freund, der für den Zuschauer seltener zu sehen ist, als ihre Stiefmutter, darf die Kamera führen, sorgt aber auch für eine durchgehende Audioüberwachung wenn sich die Protagonisten unbeobachtet fühlen. Spätestens dann verhandeln die ehemaligen Partner Jürgen (Markus John) und Gloria (Catrin Striebeck) die ganze Klaviatur von Fragen über Schuld, Ehrlichkeit und Verantwortung. Dass dabei alte Wunden aufbrechen ist erwartbar. Dass es auch ein gewisses Knistern zwischen ihm und Gloria gibt, obgleich Jürgens langjährige Partnerin Uta (Johanna Gastdorf), die Willie mit aufzog und dabei eigentlich auf ein weiteres, eigenes Kind gehofft hatte, teils daneben steht, ist der einzige “Spoiler” den wir uns trauen hier anzureißen.
“Seid einfach wie ihr seid” hat keine nennenswerten Längen, ist im Grunde also eher ein kurzweiliges Kammerspiel. Auch machen alle Darsteller außer der Figur von Willies Adoptiv-Bruder André (Florian Geißelmann) ihre Arbeit mehr als solide. Trotzdem dauert es fast die halbe Spieldauer bis der Streifen richtig hineinzieht. Zu vieles wirkt einfach wie aufgesagt, ohne wirklichen Esprit am Reißbrett entworfen. Nett sind allerdings Momente in denen über das Filmsujet an sich gewitzelt wird (Uta fragt beispielsweise einmal, wer sich das fertige Werk einmal anschauen soll. „Das wird ein Film für Festivals“ informiert Willie – und erntet von Uta ein „Also für niemand.“ inklusive Side-Eye-Blick in die Kamera), unterschwellig auch persifliert wird, dass nicht jedem der für Kinoproduktionen verantwortlich zeichnet, ein Verständnis von Authentizität und Kunst gegeben ist.
Doch wie angedeutet, wird auch die damit kokettierende Produktion selbst mit der voranschreitenden Spielzeit stringenter: Die leibliche Mutter und die Hauptfigur kommen sich vielleicht das erste Mal im Leben näher. Was auch mit der Eingangssequenz zu tun hat, als Männi und Willie noch vor dem mittleren Sturm halbwegs ihre Ruhe in einer recht ungewöhnlichen Umgebung, die aber ihr aktuelles Zuhause ist, genießen. Die Beiden wohnen nämlich im Häuschen seiner Oma und daher wirkt von den Badkacheln bis zur schweren Schrankwand alles ziemlich rustikal.
