Spielfilme, die sich von wahren Begebenheiten inspiriert geben, gibt es heutzutage häufig. “Tod meiner Jugend” präsentiert im Abspann kurz ein Frontalfoto zu dem Mann, dessen Leidensgeschichte hier nachempfunden werden soll: “Kai Peter” hat im realen Leben wohl spätestens im Alter von 8 Jahren den ersten sexuellen Missbrauch erlebt. Seine leibliche Mutter hat ihn vermeintlich als Sexspielzeug für äußerst perfide Kerle “vermietet”. Auch im Kinderheim gingen die Qualen offenbar weiter. Ebenso am ersten Arbeitsplatz. Ob es eine gute Idee ist, dass Regisseur Timo Jacobs auch die Rolle des erwachsenen Kai spielt? Insgesamt fungieren hier drei Darsteller, einer für den ganz jungen Blondschopf, einer für die Zeit in der er seine erste Freundin hat und eine Ausbildung beginnt sowie eben einer für die “Gegenwart”: Kai hat in diesem Erzählstrang einen fast erwachsenen Sohn und eine Frau, die versucht seine Reise in die eigene Vergangenheit aufzufangen.
Um es vorweg zu nehmen: der jugendliche Kai und die Gegenwarts-Ehefrau und sogar das Gegenwarts-Kind (Nadeshda Brennicke und Silas Peter – Letzterer ist tatsächlich der reale Sohn des realen Kai) überzeugen in der Darstellung ein ganzes Stück mehr als der Filmemacher selbst. Der Gegenwarts-Kai beschließt – neben seiner natürlich im Mittelpunkt der Erzählung stehenden Spurensuche nach Tätern aus seiner Kindheit und Jugend – aufgrund einer eher lapidaren Bemerkung seiner Partnerin, sein Glück als Stand-Up-Comedian zu probieren. Eigentlich ist Kai Hausmeister. Und nun soll ihm eine Art Coach für angehende Bühnenkarrieren helfen, den richtigen Dreh, über das Kalauern hinaus, zu finden.
Das Beste was man über “Tod meiner Jugend”, in dem unter anderem der reale Stand-Up-Comedian Daniel Luis sowie die bekannteren Darsteller Dieter Landuris und Detlev Buck kleine Rollen begleiten, sagen kann: der Film ist sehr gut gemeint und nicht ganz schlecht gemacht. Aber es gibt nur äußerst wenige Sequenzen die nachdrücklich berühren, oder gar vermögen ein beängstigendes Kopfkino (natürlich nicht über das Geschehen bei einem Missbrauch, aber von den in den “Kais” arbeitenden Traumata im Ansatz zu begreifen wäre wünschenswert) in Gang zu setzen. Vor allem der erwachsene Kerl wirkt schlichtweg lieblos inszeniert. Vieles was diese Figur auf der Leinwand äußert wie schlecht auswendig gelernt und am Reißbrett entworfen. Dazu kommt das die gesamte Spieldauer dominierende Problem, dass in puncto Dramaturgie extrem vieles im Argen ist. Die beiden jüngeren Darsteller des Protagonisten berühren immerhin mehr. Beim ganz jungen Kai (Milo Eisenblätter) vor allem jene Szenen, in denen dieser neben der sexualisierten Gewalt durch die “Hausgäste” der Mutter auch rein physische Drangsalierungen durch Mitschüler erfährt, die ihn obendrein noch gnadenlos verspotten und permanent hänseln. Und beim circa 16-jährigen Charakter (Oliver Szerkus) zuvörderst dessen erste intime Begegnungen mit dem andern Geschlecht, weil die junge Frau die ihm ehrlich und unvoreingenommen begegnet, wie eine Seelenverwandte erscheint…
