In wenigen Wochen ist schon wieder Halloween: Von daher ist die Jahreszeit in der der doch relativ offensiv mit Leichenteilen und Blut aufwartende Film “Cannibal Mukbang” (FSK 18) in Deutschland im Kino startet, nicht die Unpassendste. Monster und Geister im eigentlichen Sinn spielen hier zwar streng genommen gar keine Rolle. Aber böse Menschen und eine Frau die deren Opfer rächt und die Überreste der Täter filetiert und verspeist.
Mukbang (oder auch Mok-Bang) ist ein Internet-Trend aus Südkorea, bei dem eine Person tendenziell größere Mengen an Essen verzehrt und sich dabei filmt oder live streamt. Der Begriff setzt sich aus den koreanischen Wörtern “mokda” (essen) und “bangsong” (senden) zusammen. Mukbangs gelten als bei der “jüngeren Generation” beliebt, weil sie Einsamkeit bekämpfen, das soziale Erlebnis des Essens nachahmen, die Zuschauer neugierig auf ungewöhnliche Speisen machen oder ASMR-Empfindungen (ASMR steht für Autonomous Sensory Meridian Response, was wiederum ein kribbelnden Gefühls auf der Haut meint, das durch bestimmte Geräusche oder Bilder ausgelöst werde) hervorrufen können. Nach wenigen Filmminuten erzählt die weibliche Hauptfigur dem männlichen Protagonisten, dass sie mit Mukbang Geld verdient. Der schüchterne Mark (Nate Wise) hat die extrovertierte Youtube-Performerin Ash (April Consalo) gerade erst kennengelernt. Man hatte sich beim nächtlichen Einkaufen kurz unterhalten, danach hat sie ihn vermeintlich versehentlich angefahren. Eine kleine Metallplatte im Kopf hat Mark aber schon seit sehr vielen Jahren – als Folge eines Autounfalls seiner Eltern.
Es ist nicht schlimm, dass es ziemlich vorhersehbar ist, dass die Beiden in einer Beziehung enden. Wenngleich einer sehr schrägen. Denn Ash verspeist vorzugsweise Menschenfleisch. Das ahnen die Zuschauer ihrer Mukbang-Streams nicht. Und auch Mark erfährt es erst bei einem Date, wo sie ihn unvermittelt nach Hause schickt, was er aber nicht befolgt und so kurze Zeit später Zeuge einer ihrer Bluttaten wird.
In Aimee Kuges Regiedebüt geht die stets irgendwie kokett wirkende Mörderin aber nicht etwa wie ein gewöhnlicher Zombie oder gar Triebtäter auf Menschenjagd. Im Gegenteil: Letztgenannte zu beseitigen ist der eigentliche Antrieb. Das Verspeisen danach eher ein positiver Nebeneffekt. Ihre “Opfer” vergewaltigten Frauen, vergingen sich an kleinen Mädchen. Ash hat das zuverlässig recherchiert ehe sie zuschlägt. Und die jeweiligen männlichen Verbrecher und Perverslinge als Racheengel mit ihrer eigenen Attraktivität und auch teils jugendlichem Gebaren gezielt in eine Falle gelockt.
Gerade was das Zerteilen der Leichen, das Auftischen der Filets und anderer Stücke und schlussendlich das Verspeisen – was Mark auch irgendwann genießen wird – anbelangt wartet “Cannibal Mukbang” mit einer gemeinen Ästhetik auf. Insgesamt wirkt der Streifen aber vom Setting, von der Bildsprache sowie vom Sound her als ob es ein weiterer Teil des Double Features Grindhouse (Planet Terror, von Robert Rodriguez, und Quentin Tarantinos Death Proof) hätte sein wollen. Im positiven Sinne aus der Zeit gefallen. Allerdings ist der über 100 Minuten lange Film insgesamt auch irgendwie zu langatmig geraten.
