Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Kurzkritik zu “Mit Hasan in Gaza”

Für “Mit Hasan in Gaza” hat ein palästinensischer, in Berlin lebender Regisseur Videosequenzen aus dem Alltag im titelgebenden größten Freiluftgefängnis der Welt von vor 25 Jahren zusammengestellt. Impressionen und kurze Interviews, die er dereinst auf der Suche nach einem Mann, mit dem er mal in israelischer Gefangenschaft war, mit Digitalkamera gedreht hatte. Kamal Aljafari liefert eher beiläufig wirkende Momentaufnahmen über einen Ort, den es nicht mehr gibt. Und schon damals herrschte die Willkür und Zerstörungswut des Land und Menschenleben raubenden Nachbarn.

Allenthalben Checkpoints, Mauern, Siedlungen und Häuserruinen. Sie bilden sozusagen den roten Faden von “Mit Hasan in Gaza”. Doch Aljafaris Dokumentarfilm ist eher eine sehr leise Anklage. Was es mit ihm und seinem Freund auf sich hatte, erfährt der Zuschauer nicht in den Bewegtbildern, die weitgehend auf Off-Kommentare und einordnende Texttafeln während der über 100 Minuten Laufzeit verzichten, sondern tatsächlich erst im Abspann: Jugendarrest zu Zeiten der ersten Intifada.

Das Material seines über Wehmut und Verlust erzählenden Streifens entstand während der Zweiten Intifada – ist also rund ein Vierteljahrhundert alt. Aljafari fuhr 2001 mit dem Taxifahrer Hasan Elboubou durch den abgeriegelten Gazastreifen. Dabei trifft er immer wieder auf recht unbeschwert wirkende Kinder, die am Strand spielen, kleine Geschäfte mit Fischen oder Vögeln betreiben möchten und den Regisseur häufig bitten sie zu “fotografieren”. Erwachsene Palästinenser sind erkennbar gezeichneter vom Alltag in dem fast täglich Schüsse und Raketen fallen.

“Mit Hasan in Gaza” wird chronologisch erzählt. Das heißt mit voranschreitender Reisedauer und Stationen in unter anderem Beit Hanoun und Rafah wird die elementare Bedrohung der Menschen dieser kleinen Region für den Zuschauer greifbarer. Geborstene Fenster und Häuser in denen Geschosssplitter über den Boden verteilt liegen sind ebenso wie Panzer an Grenzzäunen und kurze Hinweise wer die letzte Nacht nicht überlebt hat omnipräsent. Auch wiederkehrend: Einschüchterungen durch israelische Soldaten, die oft in offensichtliche Willkür umschlägt. Regisseur Aljafari und sein vom Fahrer zum Guide und Türöffner für den lange von seiner palästinensischen Heimat Abwesenden “aufgestiegene” Begleiter lassen das Meiste was sie sehen, absolut unkommentiert.

So unspektakulär der Film zumindest in seiner ersten dreiviertel Stunde erscheinen mag: er zeigt zwischen den Zeilen mehr als deutlich, dass es eine große Kontinuität an zionistischen verbrechen gegen Land und Leute gibt, und “Israel” keineswegs erst nach Oktober 2023 gnadenlose Härte, genauer gesagt Menschenverachtung, walten ließ.



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