Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Kurzkritik zu “A Missing Part”

Japan ist für “westliche” Filmproduktionen immer mal wieder Handlungsort, oft aber nur Kulisse. In “A Missing Part” spielen zwar (temporär) Zugezogene die Hauptrolle, der Streifen nimmt zu seinem zentralen Thema, was man lapidar mit Sorgerechtsstreitigkeiten umreißen könnte (was der sensibel und mitunter auch bewusst tragikomisch daherkommenden Regiearbeit von Guillaume Senez mit Romain Duris in der Hauptrolle aber nicht ansatzweise gerecht würde) beide Seiten ernst. 

“Ein französischer Taxifahrer in Tokio, gefangen zwischen zwei Welten und getrennt von seiner Tochter” ist wahrscheinlich die treffendste Storyline um dieses Drama einzukreisen. Romain Duris mimt die Hauptfigur durchweg mit Bravour. Auch seine Filmtochter Lily (Mei Cirne-Masuki) überzeugt voll und ganz. Die Beiden begegnen sich nach vielen Jahren ziemlich zufällig. Eigentlich ist es gar nicht die Tour von Jay, und eigentlich ist Lily nicht mit dem Taxi zur Schule und oder zum Schwimmunterricht unterwegs. Doch ein Kollege des Taxlers “feiert” krank und seine recht introvertiert wirkende Tochter hat eine schwere Beinverletzung. Der Vater erkennt die Tochter auch nicht sofort, bei Lily fällt der Groschen anscheinend gar nicht. Sie war wohl drei als sie ihren Erzeuger zum letzten Mal sah. Irgendwann erfährt der Zuschauer, dass beide Eltern gegen Ende ihrer Beziehung wohl ziemlich viel und mitunter ziemlich laut gestritten haben.

“A Missing Part” schafft es über die gesamte Spieldauer solide am Kitsch vorbei zu schrammen. Man erlebt wie Jay vor dem schicksalhaften Wiedersehen in einer Selbsthilfegruppe für von ihren leiblichen Kindern getrennt lebende Frauen und Männern agiert. Auch mancher Japaner ist betroffen. Irgendwann lernt man die Oma von Lily kennen – sie ist dem Taxifahrer der eigentlich ein veritabler Koch sein könnte offenbar nicht wohl gesonnen. Über neun Jahre hat Jay engagiert nach seiner Tochter gesucht. Sein eigener Vater hatte in der Zeit immer wieder gehofft, dass er endlich wieder nach Frankreich zurückkehrt. Ihm aber gleichwohl Glück gewünscht, – dem japanischem Gesetz, wonach nach einer Scheidung nur ein Elternteil das Sorgerecht erhält, während der andere Elternteil das Kind nicht einmal besuchen darf, zum Trotz.

Als „Gaijin“ – ein japanischer Begriff für „Ausländer“ oder „Außenseiter“, wörtlich „Außen-Mensch“ – hat es Jay nicht nur in Sachen Bindung zur Tochter schwer in seiner Wahlheimat. Auch in puncto Aufenthalts- und Arbeitsrecht ist das “Land der aufgehenden Sonne” offenbar sehr rigide. Guillaume Senez’ Film übt daran deutliche aber leise Kritik. Keine kulturelle Überheblichkeiten. Keine schwarz-weiß-Darstellungen. Nicht einmal was die unfreundlich erscheinende Schwiegermutter betrifft. Unser Prädikat für “A Missing Part”: unbedingt sehenswert. Nach Möglichkeit wirklich auf der großen Leinwand und nicht erst im Heimkino!



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