Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Kurzkritik zu “Hollywoodgate – Ein Jahr unter den Taliban”

Nach dem “Abzug” der Amerikaner aus Afghanistan 2021 übernahmen die Taliban dort auch eine von den USA zurückgelassene Militärbasis mit Namen “Hollywoodgate”. Gefüllt mit einem Teil Schätzungen zufolge rund sieben Milliarden Dollar schweren Waffenbestände, womit auch stark reparaturbedürftige Kampfjets und anderes Fluggerät gemeint sind. Ein Berliner Filmemacher mit ägyptischen Roots hat die neuen Machthaber, besser gesagt den Alltag des frisch ernannten Luftwaffenkommandanten Mawlawi Mansour ein Jahr begleitet. 

Erfreulich unverhohlen erklärt der 35-jährige Ibrahim Nash’at, der Macher des Streifens, der im Untertitel “Ein Jahr unter den Taliban” getauft wurde (Kinostart: 14. August) bereits in den ersten Minuten aus dem Off warum wann und vor allem unter welchen Bedingungen er seine Recherche und Dreharbeiten in Afghanistan starten konnte. Die Sekunden davor hat der Zuschauer unter anderem die Zerstörung von Filmrollen oder Peitschenhiebe gegen völlig verhüllte Frauen und gar den Ansatz einer mutmaßlichen Erschießung einer Frau in Burka gesehen. Außerdem eine Texttafel lesen dürfen, die ziemlich oberflächlich darstellt, dass die USA nach “9/11” in Afghanistan einmarschiert wären, weil die Taliban Al Quaida Schutz gewährt hätten. Eine ziemlich – um es höflich zu sagen – verkürzte Darstellung von Ereignissen, die dem Landstrich noch mehr Leid bringen sollte, als in all den Jahren vor 2001.

10 Minuten später, nachdem Nash’at mit einigen Taliban ein ehemaliges Bürogebäude der CIA inspizieren dürfte – Jägermeister im Kühlschrank wurde dort ebenso hinterlassen wie ein weitgehend funktionales Fitness-Studio, Computer hingegen nur solche, die keine Festplatten mehr inne haben – spricht einer der Afghanen die dem kleinen Filmteam (was nur aus dem Regisseur  selbst und einem Übersetzer bestand) gewahr werden, zu einem von dessen Aufpassern recht gelassen aus, was zwei von drei Menschen vor Ort bei den Begegnungen mit dem Macher von “Hollywoodgate” augenscheinlich denken: wenn der Berliner keine guten Absichten erkennen lässt, wird dies zu einem One-way-Trip für ihn. Wirkliche Lebensgefahr für den Kreativen ist indes in keiner einzigen Sekunde des Streifens zu erahnen. Ausweislich des für die Kinofassung verwendeten Filmmaterials wird er lediglich in 2-3 Situationen relativ harsch aufgefordert, dieses oder jenes nicht weiter aufzunehmen. Was er denn auch – teils ein bisschen zeitverzögert – auch tat. Bilder von Militär-Appellen, die dann in Ansprachen a la “Seid bereit euren Feinden Schrecken einzubläuen auf dass sie nie wieder zurück kehren” gipfeln, scheinen nicht nur kein Problem gewesen zu sein, sondern sogar eher erwünscht. Ebenso Aufnahmen einer großen Parade zu der unter anderem Staatsgäste aus dem Iran und Russland und nicht genannter Herkunft aus Asien eingeladen waren.

Im Prinzip ist nach dem oben genannten Intro in dem unsägliche Gewalt und Repression gegen Frauen angedeutet wird alles Weitere, was dieser Film zeigt, ziemlich banal. Dass man es hier mit so genannten Gotteskriegern zu tun hat, ergibt sich im Grunde bestenfalls, dass der Schöpfer eben insbesondere bei den Szenen mit Militär “als groß” gepriesen wird. Am besorgniserregendsten bleiben dann wahrscheinlich auch bei der Masse der Zuschauer jene Sequenzen in Erinnerung, in denen der im Mittelpunkt der Doku stehende, offenbar frisch ernannte Luftwaffenkommandant Mawlawi Mansour mit anderen Hinterhalte gegen Aufständische bespricht. Was des Weiteren auffällt: wenn keine uniformierten Soldaten ins Bild gerückt werden herrscht gemeinhin formal (sic!) gar eine stets sachlich entspannt wirkende Atmosphäre. Die Dramatisierung kommt auf der Leinwand fast ausschließlich durch die in der Postproduktion beigemischte Musik.

Erwartbar: Frauen spielen quasi keine Rolle in “Hollywoodgate” – zu Wort kommen lassen durfte der Filmemacher sie sicherlich nicht. Über die Anfangssequenz hinaus sieht man sie gemeinhin als Bettlerinnen im Straßenverkehr oder vor einer Moschee. “Natürlich” stets in Burka. Einzig eine TV-Moderatorin die noch mit völlig freier Augenpartie arbeiten darf, bildet hier eine Ausnahme. Die Männer um Luftwaffenkommandant Mansour sprechen wenig überraschend abfällig über diesen “Missstand”. Aber nicht halb so nachdrücklich wie etwa in Situationen in denen es um die Rekrutierung neuer Piloten, inklusive kurzem Loyalitäts-Gespräch geht.

Taliban Gesetze zum Leidwesen von Frauen werden im Film ansonsten nicht Mal am Rande thematisiert. Aber durch eine insgesamt ordentliche Montage der Langzeit-Doku die aber eher so wirkt, als sei der Filmemacher maximal 4 Wochen vor Ort gewesen ergibt sich durch besagte Bettlerinnen in Burka ein auffälliger Kontrast zu von Ibrahim Nash’at ebenfalls eingefangenen, spielenden Mädchen die offenkundig unter 10 Jahren, teils noch nicht Mal im typischen Alter für Schulreife sind, weil sie gänzlich unverhüllt agieren dürfen ohne dass sich jemand daran stören würde und “wenigstens” einen Hijab fordern würde.

Und so müssen runtergebetet wirkende “Weisheiten” dem Zuschauer das Gefühl vermitteln helfen, dass es ausnahmslos “radikale Islamisten” sind, die in Afghanistan nun am Ruder sind. ‘Eine unverhüllte Frau ist wie eine unverpackte Schokolade. Wer würde Letztere noch essen wollen, wenn sie auf den Boden fällt…’ Und ein anderer Mann erzählt, wahrscheinlich nicht zum ersten Mal in seinem Leben, davon, eine Ärztin zur Frau genommen zu haben. Wobei er eine Bedingung gestellt hätte: sie dürfte dann natürlich nicht mehr arbeiten.



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