Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Kurzkritik zu “Girls & Gods”

Ein über 50-jähriger Exil-Iraner und eine bisher primär im Werbefilm-Bereich tätige Wienerin folgen einer prominenten Aktivistin der ukrainischen “Femen”-Gruppe, die vor über zehn Jahren in Frankreich politisches Asyl erhielt, bei einer kleinen Weltreise und damit verbundenen Gesprächen über tatsächliche und auch mögliche Einschränkungen für Frauen in den drei großen Weltreligionen. Es geht in “Girls & Gods” aber nicht nur streng feministisch zur Sache. 

Die Filmemacher Verena Soltiz und Arash T. Riahi verzichten in ihrem Werk auf sämtliche Off-Kommentare, lassen dafür aber ausgiebig zahlreiche Gesprächspartner von und auch Femen-Aktivistin Inna Schewtschenko selbst zu Wort kommen. Wir begegnen in der letztgenannten Ukrainerin Einer Frau mit ziemlich klaren Ansichten, mit ziemlich unverrückbaren Ansichten, die aber trotzdem versucht eine breitere Vielfalt von Sichtweisen abzubilden, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und dabei grundsätzlich immer nötigen Respekt zollt. Dadurch werden Gespräche mit Frauen die erst in der “Mitte ihres Lebens” zum Islam konvertierten und aus eigener Überzeugung ein Kopftuch tragen und das in keinster Weise als Unterdrückung ansehen zu wohltuenden Intermezzi in einer von der Botschaft her ansonsten sehr unzweideutigen Doku: Männer bestimmen sowohl im Islam, im Christen- als auch im Judentum zu oft und teils extrem drastisch über Frauen, schränken diese auf vielfältige Weise ein. Sei es beim Thema Recht auf Abtreibung auch in den Staaten von Amerika bis hin zu “Tanzverboten” und einschlägigen Kleidungsvorschriften im Iran. 

Neben Frauen, die ihre Glaubensgemeinschaften von innen heraus reformieren wollen, gibt es auch diverse Zeitzeuginnen, die “ausgestiegen” sind oder ausgestiegen wurden – Frauen, die sich vom Christentum, dem Judentum und auch von aber ohnedies nicht immer im Koran begründeten Vorschriften in islamisch geprägten Staaten losgesagt haben. Oder wie Verfasserinnen einer “Frauenbibel” weitab vom aktuellen Mainstream der drei monotheistischen Weltreligionen operieren. Auch das Themenfeld LGTBQ+ spielt in dem relativ kurzweilig komponierten Film eine nicht unbeachtliche Rolle. Nicht nur als die Ukrainerin auf eine Rabbinerin trifft, die sich als Trans-Frau geoutet hat. Über 30 Protagonistinnen unterschiedlichster religiöser Couleur kommen letztlich zu Wort. Aber nicht einmal die Hälfte hat auch nur ansatzweise Tiefgründigeres mitzuteilen. Tiefgründig bzw. für viele Nicht-Juden sicher mit am Überraschendsten erscheinen somit letztlich Einblicke in einen Perückenladen in New York, wo Schewtschenko mit der Inhaberin Rifka Simon vor einer großen Wand mit Echthaar-Perücken in allen möglichen Farbtönen plauscht und erfährt, dass fromme orthodoxe Frauen, die ihre naturwüchsigen Haare (die streng genommen nur ihr Ehemann sehen darf) verbergen wollen, letztlich zu einer künstlichen Haartracht greifen, die ihrer natürlichen Frisur -Farbe am meisten ähneln würde.

Wer als Zuschauer Schewtschenko (die hier auch einen gehörigen Anteil am Drehbuch hatte) nicht (er)kennt wird in “Girls & Gods” leider etwas im Unklaren gelassen über ihre Biographie – wenngleich eine Aktion in einem der ansonsten dezent platzierten Doku-Schnipsel vorkommt: im August 2012 fällte die Aktivistin nur mit Hotpants bekleidet, aus Solidarität mit der russischen Band Pussy Riot mit einer Motorsäge ein großes Holzkreuz im Zentrum von Kiew. Nominell als Protest gegen die russisch-orthodoxe Kirche,. Wobei letztlich ein Kreuz von der griechisch-katholischen Kirche “zum Gedenken an die Opfer der Stalinschen Repressionen” daran glauben musste…

Eine kleine Hauptrolle neben Schewtschenko  spielt in der leider oft recht oberflächlich bleibenden Kinoproduktion auch die in Paris ansässige Karikaturistin „Coco“: der Zuschauer ist Zeuge wie ihr zu diversen Heiligen-Figuren sexuell konnotierte Zeichnungen rasch von der Hand gehen: „Es lebe die Blasphemie“ ruft sie passenderweise als ein weiteres Werk fertig ist – und lacht.

Unterm Strich ist “Girls & Gods” trotz vieler einzelner für sich durchaus interessanter Schnipsel erstaunlicherweise eine Collage die wenig Neues zu berichten weiß, ja tatsächlich sich in einem oft doch aufgesetzt wirkenden Empowerment als einen Ticken zu selbstverliebt geriert.



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