Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Kurzkritik: HYSTERIA von Mehmet Akif Büyükatalay

Eine Film-im-Film Geschichte die sich primär um einen Konflikt zu einem nur scheinbar besonders ambitionierten Kreativkopf und einer weitgehend aus Laien bestehenden Darstellerriege dreht: “Hysteria” will ein Spagat zwischen Drama über Rassismus in Deutschland, Thriller und Mediensatire sein.

Der Film der hier und heute gedreht werden soll handelt von einem realen rechtsextremistischen Anschlag in Solingen 1993. Fünf, wie man oft so halbgar anmerkt, “türkischstämmige Frauen und Mädchen” wurden damals bei einem Brandanschlag brutal ermordet. Auf der Leinwand brennt es auch in den Anfangssequenzen. Nach einem Schnitt merkt der reale Zuschauer, dass es die Aufnahmen zu einem halbdokumentarischen Werk sind, also kein (weiteres) Menschenleben in Gefahr war: Der Regisseur vom Film-im-Film namens Yiğit (Serkan Kaya) und seine zweite Regieassistentin Elif (Devrim Lingnau), die im Folgenden wie eine ganz besonders derbe ausgebeutete Praktikantin erscheinen wird, beobachteten die Szene über einen Monitor…

Der eigentliche Regisseur von “Hysteria”, in dem neben dem vorgenannten Duo insbesondere auch Nicolette Krebitz und eine Koran-Verbrennung eine Haupt- und Handyvideos sowie heimliche Sprachaufnahmen eine Nebenrolle spielen, heißt Mehmet Akif Büyükatalay. Und der ist, obwohl sein “Oray” vor sechs Jahren bei der Berlinale als bester Erstlingsfilm ausgezeichnet wurde, noch weitgehend unbekannt.

In seinem aktuellen Langfilm geht es vor allem zäh zu, was das Erzähltempo angeht. Und letztlich auch zu vorhersehbar: Der Film-im-Film Regisseur Yiğit wählte nicht nur für seine Assistenz sondern eigentlich für fast alle Darsteller besonders billige und vermeintlich willige Arbeitskräfte. Konkret Migranten aus dem nahe gelegenen Asylbewerberheim. Einige von diesen waren in ihrer Heimat professioneller in Sachen Kino unterwegs als es Yiğit wahrscheinlich je sein wird. Einige der Darsteller gehen zudem sehr kritisch mit dessen Regieeinfällen ins Gericht. Irgendwann sind die Rohmaterial Filmrollen verschwunden. Ob das etwas damit zu tun hat, dass sich einige der Refugees an der Verbrennung des Koran zur Dramatisierung störten, bleibt zunächst im Dunkeln. Phasenweise wird der Film-im-Film zu einer One-Woman-Show, indem die Zuschauer bei kleineren Pannen und größeren Liebeleien Elif über die Schulter schauen dürfen.

Aber über dem hinaus gibt es durchaus einige gesellschaftskritische Ansätze die gut ausgearbeitet wurden. Etwa die Ängste der Bewohner als für sie unvermittelt die Polizei in der Asylunterkunft auftaucht. Auch mit dem Sujet Film, speziell dem Genre Geschichten über Migranten wird sich relativ intelligent und kritisch beschäftigt. Hier gibt es dann sogar einige Szenen wo man ahnt welchen Kollegen die Macher von “Hysteria” mehr oder eben weniger dezent einen einschenken möchten: Stichwort: assimilierte Deutschtürken. Allgemeiner gesprochen behandelt der Streifen auch einige blinde Flecke zum Machtgefälle zwischen Komparsen und denen die den Hut haben bei einer Filmproduktion. Von einer Mediensatire indes leider keine ernsthafte Spur. Und so versinkt alles in Beliebigkeit.



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