Regisseur Pawlo Ostrikow liefert mit “U Are the Universe” einen im positivsten Wortsinne minimalistischen Science-Fiction-Film, in dem neben einem Atommüll-von-der-Erde-Wegbringer namens Andriy (Wolodymyr Krawtschuk) im Grunde nur ein vornehmlich auf Witzeleien programmierter Bordcomputer “Maxim” sowie eine französische Frauenstimme eine Rolle spielen. Was kein Wunder ist: nach wenigen Filmminuten steht fest, dass sich die Menschheit auf Andriys Heimatplaneten final in die Luft gejagt hat.
Diese traurige Mitteilung darf Maxim Andriy übermitteln, der noch tags zuvor auf einer seiner langen Reisen in den Orbit (“Schmutzige Arbeit für einen sauberen Planeten!“) mit einem seiner Vorgesetzten auf der Erde einen Disput über seine vermeintlich mitunter schlampige Arbeitsweise hatte. Seinen Frust hat er danach an seiner Videoübertragungsarbeit ausgelassen, so dass er nunmehr nur noch mittels einer Art Walkie-Talkie erreichbar ist.
Auch wenn der von Anbeginn an misanthropisch wirkende Andriy dank der großen Erdbrocken die ihm schon bald auf dem Weg Richtung Jupitermond Kallisto fast um die Ohren fliegen und eine ernste Gefahr für seinen Weltall-Transporter darstellen sicher sein kann, tatsächlich der letzte lebende Mensch zu sein, nutzt er nach den ersten längeren Schock-Momenten eben dieses Gerät um einige trotzige Interviews mit sich selbst in die endlosen Weiten des Sternenmeeres zu senden. Ohne erkennbare Erwartungshaltung. Eher so als Ablenkung.
Doch nach einiger Zeit kommt eine Message zurück. Von einer am Saturn, also sich in weiter Entfernung, forschenden Frau, die zielgerichteter Kontakt sucht als es Andriy anfangs lieb ist. Doch nur einige kurze Sprachchats später erkennt auch der Protagonist, dass der Mensch letztlich ohne die Erde auskommen könnte, aber wohl kaum ohne andere Mitmenschen.
Was “U Are the Universe” in rund 100 Minuten bietet ist an Leichtigkeit und Heiterkeit bei einem eigentlich sprichwörtlich todtraurigen Grundthema eine kleine Meisterleistung. Man ahnt auch rasch, dass man es hier mit einer vergleichsweise kostengünstigen Produktion zu tun hat, was dem Sehgenuss keinerlei Abbruch tut. Einen überdurchschnittlich talentierten Hauptdarsteller, der sich zwischenzeitlich etwas den Bart trimmt und einen kurzen Ausflug vor die Tür seines Raumgefährts unternimmt, um seinen KI-Freund zu überzeugen, dass es nach einigen stärkeren Erschütterungen ein überschaubares Risiko ist, zu der Besitzerin der Frauenstimme aufzubrechen, ein liebevoll arrangiertes Spiel mit großen und kleinen Emotionen sowie ein paar originären Wendungen in der langsamen aber keineswegs langatmigen Erzählung genügen letztlich vollends. Große Spezialeffekte wären bei diesem ukrainischen Film gar ein störendes Element. Ohne diese ist viel schöner mit den beiden Astronauten einen Mix aus innerer Zerrissenheit, teils schon romantischer Flirterei und harten Zurückweisungen sowie den sehr gut durchdachten Einsatz des 80er-Hits “Voyage, Voyage” in gleich mehreren Sequenzen zu erleben. Dass nicht nur Maxim sehr altbacken designt ist sondern auch die Bedienelemente von Andriys Arbeitsgerät statt Touchscreen viele Drehknöpfe und Kippschalter bereithalten, passt zum zeitlosen Setting. Altbacken ist an dem Film trotzdem keine einzige Sekunde.
