Im Prolog von “Holy Meat” geht es um die Theateraufführung des letzten Abendmahls in einem kirchlichen Veranstaltungs-Saal. Nach wenigen Sequenzen weiß der Kinozuschauer, wenn er es nicht aus Ankündigungen schon vorher wusste, dass er es hier mit recht unkonventionellen Einfällen zu tun bekommen wird. Nicht nur bei dem inszenierten Kulturprojekt im Film sondern auch beim Drumherum selbst. Dieses begann damit, dass ein resignierter Pater unbedingt aus Dänemark weg wollte und nun hier in der schwäbischen Provinz eine kleine Gemeinde, die unter zahllosen Kirchenaustritten zu leiden hatte, am Leben halten möchte.
Im Theaterstück sind die Darsteller unvermittelt ihrer normalen Kleider entledigt und nunmehr zumeist nur noch in Lack und Leder oder im String zu sehen. Ein echtes Schweinchen sitzt in einem “UFO” und fordert eine Jungfrau als Opfer oder wenigstens das Abbrennen eines Weizenfeldes. Und auch eine junge Frau mit realem Down-Syndrom wird Teil der sehr freien Interpretation des biblischen Stoffes. Und das obwohl oder gerade weil der Erzbischof zugegen ist, der über eine etwaige Eingemeindung des Kirchensprengels von Winteringen in die nächst größere Stadt zu entscheiden hat, worauf Pater Oskar Iversen (Jens Albinus) seine ganzen Hoffnungen setzt und im Vorfeld extra eine Palliativstation besuchte, um einige im Sterben liegende und vermeintlich vereinsamte Menschen dazu zu bringen, ihr Testament zugunsten des zu bewahrenden Gotteshauses zu formulieren.
Oskar selbst hat denn auch das mit der Theateraufführung angestoßen; nach vielen Körben regional ansässiger Regisseure schließlich Roberto (Pit Bukowski) , einen Mann aus Berlin geholt, der dort wegen unterstelltem Ableismus zum Bauernopfer einer wohl eher kleinen Bühne wurde. Was dann aber in Winteringen auf den Brettern inszeniert wurde, hat er letztlich gar nicht mitbekommen. Da lief vieles hinter seinem Rücken. Was insbesondere darauf zurückzuführen ist, dass eine nach dem Tod der Mutter zurückgekehrte Mediendesignerin (Homa Faghiri) sich um das auch zur Pflege der behinderten Schwester Merle (Amelie Gerdes) benötigte Erbe betrogen fühlt. Denn das hat ja der Pater höchst selbst “umgeleitet”…
Vieles was folgt und auch wie es letztlich enden wird, ist relativ schnell, wenn auch nur in groben Zügen vorhersehbar. Das ist aber kein allzu großes Problem. Denn der Regisseurin von “Holy Meat” geht es augenscheinlich mehr um den Subtext. Und der dreht sich unter anderem um Heilsversprechen, Machtmissbrauch und auch ein gerüttelt Maß um Kritik am Kulturbetrieb an und für sich. Der Film ist also nicht nur eine teils recht bissige Abhandlung bzw. Abrechnung mit der Institution Kirche.
Leider ist das Ganze extrem zäh geraten. Manches wird doppelt und dreifach beleuchtet. Vor allem: selbst für eine Farce gibt es zu viele logische Brüche. Und dann wirkt manches was wohl als anarchischer Einfall gemeint war nur mehr aufgesetzt und wäre wohl nur in einem wirklichen Bauerntheater als Provokation zu deuten. Dass es in all dem “Gewurstel” auch irgendwie um die Vereinsamung von Menschen geht, ist ein nettes Nebenthema.
