Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Dem Raclette-Essen ‘ne Krone aufsetzen

Nicht nur für Silvester eine immer wieder gern genommene Alternative am Essenstisch – erst recht, wenn Gäste kommen: Raclette. Vielfältig bestückbar für nahezu jeden Geschmack, gesellig und trotzdem gemütlich und für die Einladenden mit vergleichsweise wenig Aufwand bei der Vorbereitung. Während viele Mitbewerber entsprechende Geräte mit Naturstein- und oder klassischer Grillplatte kombinieren (damit nebenher auch gut Fleichstücke für den Pfännchenspaß vorbereitet werden können), hat die Firma Klarstein neuerdings ein originär anmutendes Modell im Angebot, das mit einem antihaftbeschichteten Tartarenhut zum fröhlichen Brutzeln einladen will.

Ein Hingucker ist der “Taste Volcano Tartarengrill” allemal.  Klarstein, das innerhalb seiner schon länger vielfältigen Raclette-Sparte natürlich ebenfalls Kombigeräte wie ein Chateaubriand-Modell oder eines, das den Käsespaß aus den Pfännchen mit einem beheizbaren Fondue-Topf paart, bietet, nennt den Neuzugang auch “Der Moderne”. Und verspricht dabei konkret folgendes: “Am glühenden Grillkegel des Tartarengrills wird mit sechs Pfännchen die Lust auf Fleisch, Käse und Gemüse gestillt. (…) Während in der Hutkrempe verschiedenste Leckerbissen im eigenen Saft schmoren, kann die Hutspitze nach Belieben dekoriert werden. Der Phantasie sind mit diesem 2-in-1 Tischgrill keine Grenzen gesetzt.”

Doch das vermeintliche Technik-Schmankerl hat leider mehr als eine Schwäche in der “B-Note”. Das beginnt mit dem sehr geringen Spielraum für die ohnedies leider nicht rechteckigen Raclette-Pfännchen an sich: Menschen, die sich diese gern etwas voller packen – etwa ehe die Käsescheibe on top kommt zu einem Stück vorgebratene Schweinelende gerne ein paar Paprikaschnipsel, Pilze und vielleicht auch etwas Barbecue-Soße zum Überbacken aufhäufen, laufen – anders als bei zahlreichen Geräten von Mitbewerbern – bei dem jüngsten Klarstein-Spross in diesem Marktsegment Gefahr, dass der Käse beim Schmelzvorgang letztlich an die Heizstäbe gelangt. Also einiges festpickt und gar unangenehme Gerüche verbreitet.

Richtig schade ist auch, dass das Tischgerät keinen “Parkhafen” besitzt, und das gesamte Set ohne Raclette-Spachtel ausgeliefert wird: inkludiert sind an Zubehör lediglich die Pfännchen selbst.

Daher gleich zur Beurteilung des Tartarengrills. Anders als die Grillfunktion der Raclette-Ebene, die es mit vergleichsweise bescheidenen 1500 Watt absolut tadellos, also etwa ohne jedwede störende Begleitgeräusche  schafft,  Käse “zur lecker-cremigen Spezialität mit goldener Kruste” (also wie in der Werbung versprochen!) zu verwandeln, gibt es leider auch hier Einiges zu mäkeln. Immerhin nicht an der “der breiten Hutkrempe”, in der “weitere Leckerbissen im eigenen Saft” schmoren können. Das klappt wunderbar – und zumindest für vier Esser am Tisch ist in ihr auch ausreichend Platz, wenn bei allen Raclette-Teilnehmern kein Fast-Food-Gedanke mitschwingt.

Die Schwachstelle ist leider der Hut selbst: der Teil des Volcano Tischgrills mit den Widerhaken. Große Stücke Fleisch kann man daran relativ leicht “arretieren”. Aber kleinere Genmüsestücke – erst recht wenn man diese wenden will – sind hingegen schon etwas umständlich vom Handling her. Aber allerspätestens beim Reinigen des Kopfteils werden sich dann die Geister scheiden, ob das “moderne” Raclette-Gerät zu viele Schwachpunkte aufweist. Denn selbst bei großer Sorgfalt am Spülbecken kann man sich leicht ein paar unfreiwillige Kratzer abholen.

Fazit: für rund 75 € Verkaufspreis ist der Tartarengrill sicherlich eine originäre Abwechslung auf dem Esszimmertisch, aber beileibe kein rundum tadelloses Schnäppchen. Bei diesem Einkauf sollte man genaustens seine eigenen Bedürfnisse vorab abwägen.



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