Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Neu im Kino: Kaiserschmarrn – Regie: Daniel Krauss

kaiserschmarrnAus Österreich kommt die formal zunächst dem Genre Verwechslungskomödie zuzuordnende Produktion “Kaiserschmarrn”, in der ein erfolgloser Sexdarsteller namens Alex Gaul (Antoine Monot Jr., bekannt u.a. aus Absolute Giganten) den Traum seiner todkranken Oma (Grit Boettcher) zu erfüllen versucht. Sie möchte ihn endlich eine Hauptrolle im Fernsehen spielen sehen – vorzugsweise in einem der von ihr heißgeliebten zuckersüßen Heimatfilme. Über den Pornofilmproduzenten (Franz Meiller), bei dem Gaul bisher sein Geld verdient, hofft der Enkel so denn an die richtigen Kontakte zu kommen. Als er erkennt, dass ihn das genausowenig weiterbringt wie der Besuch seiner Schauspielkurse bei einem zu trinkfreudigen Lehrer (verkörpert von Hannes Jaenicke – als weitere Gaststars wirken Ottfried Fischer, Collien Ulmen-Fernandes und Ilja Richter), und vor allem weil er Zacharias Zucker – einer der beliebtesten Heimatfilmnasen überhaupt – ziemlich ähnlich sieht, fasst er einen folgenschweren Entschluss.


Und auch wenn es somit nun natürlich immer wieder um die klassischen Verwechslungen geht, die schon vor Jahrzehnten in diversen Produktionen, bei denen auffallend oft Schlagerstars agierten, und die ebenso auffallend oft wie Kaiserschmarrn selbst am Wörthersee spielten – das Werk der Münchner Produktionsfirma Zuckerfilm ist weit mehr. Alles was bei einem Film irgendwie eine Rolle spielt, wird durch den Kakao gezogen: Filmsets; überforderte Regisseure (den vom Film im Film verkörpert Heinrich Schafmeister); hochnäsige Stars; die Ausnutzung von Komparsen; abstruse Sendervorgaben; Redakteure, die mit dem Sendergeld in der Tasche Narrenfreiheit zu haben glauben; Produzenten, die nur Feiern im Kopf haben; oder der Drehbuchautor, dessen Arbeit immer wieder mit Füssen getreten wird; und andere Aberwitzig-, Merkwürdig- oder Eitelkeiten mehr.



Hauptdarsteller Antoine Monot Jr., der sowohl den sanftmütigen und ehrlichen Gaul als auch den selbstverliebten und arroganten Zucker spielt, hat “Kaiserschmarrn” zusammen mit Regisseur Daniel Krauss produziert. Im realen Leben wird ihm nachgesagt sowohl US-Schauspieler Zach Galifianakis (Hangover) als auch dem vor Jahren als dickstes Drittel in der SAT1-Sketchreihe “Die dreisten Drei” aufgetauchten Werbeonkel Markus Majowski zum Verwechseln ähnlich zu sehen. Sei’s drum, wenn durch solche Geschichten eine so beschwingte Spielerei herauskommt. Schon einer der ersten Sätze von Zucker in einem Moment wo er weder Fans noch Medien als Zeugen fürchten muss, reicht aus um ihn zu charakterisieren. Er tätigt es in Angedenk der jüngsten Begegnung mit älteren Groupies gegenüber seinem “Diener”: “Halt mir in Zukunft die halbtoten Hirnschachteln vom Hals. Ich bin seit zwei Stunden ausgenüchtert, mein Kokain ist alle und langsam bekomme ich richtig schlechte Laune”, und das noch im Schweizer Dialekt.



Das Pornofilmset hingegen scheint wie ein Paradies: die Darsteller respektieren sich gegenseitig; die Männer massieren etwa die von zu vielen Blowjobs verspannten Nacken der Frauen oder organisieren gesundes Essen. Eines haben beide Filme gemeinsam: den “Charme” der 70er Jahre, wenngleich der Hardcore-Regisseur seinen neuen Film in 3D drehen will. Der ganze “Kaiserschmarrn” ist zudem immer wieder mit Musicaleinlagen garniert, die teils auf engstem Raum vorgetragen, dem Film teils eine weiter Komik verleihen. Anders als in den auf die Schippe genommenen Genrefilmen ist diese hier aber nicht unfreiwillig.



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