Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Geti Wilba hat Menschen mit “abhnehmender Kochkompetenz” im Blick

hirschbraten_geti-wilba“Unsere Kompetenzen sind veredelte Fleischprodukte, insbesondere aus Wild und Geflügel, sowie Tiefkühlfertiggerichte. GETI WILBA ist Deutschlands Nr. 1 für Huhnfleisch, Hühnerfrikassee und Wild-Convenience-Produkte.” So eine Eigenwerbung, erst recht in Verbindung mit der Behauptung, eine ausgezeichnete (mit dem Titel “Kulinarischer Botschafter Niedersachsen”) “Gourmetfleisch-Innovation” anzubieten, lässt einen doch schon mal aufhorchen. Auch uns. Wenngleich für eine Packung “Hirschbraten an Preiselbeer-Cranberry-Sauce”, auf der ziemlich groß etwas von 450 Gramm steht und die dann trotzdem deutlich unter 5 Euro kostet, schon bei uns erste Skepsis aufkam. Aber dann – genauer hingeschaut: die Fleischeinwage beträgt doch nur gut 250 Gramm – der Kilopreis bei einschlägigen Supermarktketten steht nämlich selbst in Angebotswochen bei knapp 20 Euro.

Die Gewichtsdiskrepanz – immerhin enthält das Angebot “saftig-zarter Hirschbraten aus der Keule” keinerlei Beilagen, etwa Nudeln über die “Preiselbeer-Cranberry-Sauce” – außen vor: wir wollten wissen, was hier so außergewöhnliches in der Schale serviert wird. Die Zubereitung ist wirklich denkbar einfach: Selbst ohne eine Folie abzuziehen (aus der Packpackung nehmen muss man hingegen noch ;-)) wird die Schale für ca. eine Stunde in den vorgeheizten Backofen gestellt. Damit das Fleich “auf den Punkt” genau nur noch ein paar Minuten im dann ausgeschalteten Ofen ruht, steckt Geti-Wilba in sein Keulenstück einen so genannten Pop-Up-Timer: Ein plastenes Einweg-Thermometer, dessen grüner Knopf nach Erreichen der Garzeit aus dem Fleischstück quasi herausspringt. Zum Gericht bietet der Hersteller auf seiner Verpackung auch Beilagentipps wie z.B. “mit gerösteten Mandelblättchen bestreutes Kartoffelpürree” an. Was dann aber die ausgeschriebene Zielgruppe wohl eher überfordern dürfte. Wir haben uns im Übrigen für Bandnudeln entschieden, die wir separat erwarben und separat zubereiteten.

Als das Ergebnis des Wildgerichts allerdings auf dem Teller lag, und erst recht nach den ersten Bissen waren wir extrem ernüchtert: das Fleisch war unangenehm fasrig, von “saftig-zart” keine Spur. Einzig die Sauce sah zumindest tatsächlich lecker aus – doch geschmacklich auch deutlich *unter* Durchschnitt einzuordnen. Eben vor allem das Fleisch hatte nicht ansatzweise etwas von lecker. Klar – man schmeckt schon etwas typisch “wildes”, aber gleich drei Kostprobennehmer kamen in unterschiedlichen Worten zum gleichen Urteil: ein Gericht, wo man selbst in jeder Uni-Mensa oder Schnellabfertigungskantine in einem Großbetrieb nicht nur die Stirn runzeln würde.

Bei näherer Betrachtung wundert es uns denn auch weniger, wie die eingangs zitierte Auszeichnung zu Stande kommt, mit der Geti-Wilba sehr offensiv wirbt. Den vermeintlich bedeutenden Botschafter-Titel gab es in dem Bundesland Niedersachsen allein im laufenden Jahr gleich über 40 Mal! Und in der 4-köpfigen Jury saßen u.a. zwei Vertreter von Unternehmungen, die nach eigenen Angaben auf ihren jeweiligen Webseiten entweder “Unternehmen jeder Größenordnung bei der Planung und Durchführung von Innovationsvorhaben und der Akquisition entsprechender Fördermittel auf nationaler und europäischer Ebene” unterstützen oder unter anderem “Unternehmensspezifische PR- Maßnahmen für Presse und Internet” ausdenken.

Zurück zu unserer eigenen Urteilskraft: Wir haben auch noch ein Hirschgeschnetzeltes “in erlesener Maronensauce” von Geti-Wilba sowie das “Hühnerfrikassee in cremiger Sauce mit Gemüse” zubereitet und verkostet. Beide weitere Testprodukte stammten aus der neuen Linie mit dem stolzen Namen “Carne diem” – abgeleitet von dem Spruch “Carpe diem (Genieße den Tag) – und bieten laut Eigenwerbung “traditionelle Kochkunst, besondere Fleischqualitäten und einfache Zubereitungen für einen kulinarischen Genuss wie im Restaurant”.

Das Hühnerfrikassee steckt wieder in einer Packung mit – hier allerdings deutlich dezenter – “450 g”-Angabe [die offizielle Zutatenliste: “Hühnerfond (Wasser, Hühnerfleisch), Hühnerfleisch gegart (30%), Gemüse (10%) (Karotten, Erbsen, Spargel), Champignons (4%), Hühnerfett, Sahne, Stärke, Weizenmehl, Weißwein, Speisesalz, Zucker, Gewürze.”] – darin: ein tiefgefrorener Kochbeutel (!), der in einen Topf mit kochendem Wasser gelegt werden muss. Ohne Deckel wird das Ganze dann knapp eine halbe Stunde lang leicht gekocht. Ein Gabel-Schlitz an der Packung ermöglicht es, dass der Beutel ohne Probleme aus dem Topf herausgefischt werden kann. Dann heißt es nurmehr: aufschneiden, Inhalt auf einen Teller herausgleiten lassen und servieren. Doch das Einzige, was bei der Eigenwerbung zutrifft, ist tatsächlich einmal mehr nur die einfache Zubereitung, “kulinarischer Genuss wie im Restaurant” mutet wie ein Hohn an! Selbst bei einem Hühnchengericht erscheint das Fleisch alles andere als zart, und die Sauce ist schon optisch niederschmetternd: glibberig! Und last but not least der Geschmack: leider richtig fad.

“Ach ja, fast^^ vergessen: Auch das Hirschgeschnetzelte der “Carne diem”-Reihe überzeugte nicht, es mundet genauso ärgerlich wie sein großer Bruder mit der Preiselbeer-Cranberry-Sauce.



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