Filme, die hierzulande kurz vor “Heilig Abend” im Kino starten, sind leider oftmals unerträglich verkitschte Schmonzetten, betuliche Lehrstücke oder “alternativ” pseudolusitger Klamauk auf RTL-II-Niveau: die beiden Streifen, die wir diese Woche kurz beleuchten, heben sich hier erfreulicherweise ab und sind doch auf ihre ganz eigene Weise besinnlich und gewitzt zugleich.
Gemeinsam wohnt man besser – die etwas andere WG-Komödie aus Frankreich
In Regisseur Francois Desagnats Film kommt es zunächst zu einer missverständlichen Begegnung zwischen einem latent mürrisch wirkenden alten Mann und einer eher unkonventionell erscheinenden jungen Frau, die in kürzester Zeit sein Leben auf den Kopf stellen soll. Eigentlich war er auf der Suche nach einer Putzfrau, doch im Cafe um die Ecke mit einem “Schwarzen Brett” für Angebote von Kunden für Kunden hat er den falschen Telefonnummerzettel abgerissen. Und so steht sie nun da, hat einige ihrer Habseligkeiten dabei: denn sie ist auf Wohnungssuche. Was für den Mann nicht nur aufgrund des Altersunterschieds keinesfalls in Frage kommt. Obgleich: Platz hat Hubert (André Dussolier) genug in seiner großen Loft-Wohnung. Vor nicht allzulanger Zeit ist, das wird nach und nach klar, nämlich seine Frau verstorben. Doch Studentin Manuela schickt er weg. Nur weil diese draußen (nicht insziniert) auf der Straße unter seinem Fenster von ihrem bisherigen Vermieter abgepasst und lautstark bedroht wird (ihrer Darstellung nach, hat er irgendein runtergekommenes Loch mehrfach untervermietet), weil sie vermeintlich Mietrückstände hat, lässt er sich doch noch erweichen…
“Gemeinsam wohnt man besser” ist nicht “nur” eine Geschichte über eine ungleiche Wohngemeinschaft – auch gewichtige Themen Krankheit, Tod und Wohnungsnot (wie man sie nicht nur aus Paris sondern auch längst aus deutschen Großstädten kennt) werden hier verhandelt, ohne vordergründig auf die Tränendrüse zu drücken. Weihnachten kommt auch kurz am Rande vor – da hat Hubert bereits noch zwei Untermieter aufgenommen. Eine weitere Figur, die in dieser Geschichte immer wieder auftaucht, ist ein Kumpel des alten Mannes, der ihn partout mit irgendwelchem jungen Gemüse verkuppeln will. Wofür dieser, trotz der nun gestarteten Mehrgenerationen-WG nun wirklich nicht zu haben ist.
FAZIT: Ein Film mit vielen schönen Situationskomiken, aber einer, der sich dabei über keine seiner Figuren ernsthaft erhebt, obgleich alle auf ihre Art sehr schrullig sind.
Ebenfalls neu im Kino: Eine schöne Bescherung
Auch wenn der Filmtitel den der deutsche Verleih hier verwendet ziemlich einfallslos daherkommt – die schwedische Regisseurin Helena Bergström liefert in ihrer Abhandlung über eine Patchworkfamilie ein absolut sehenswertes Plädoyer für Vielfalt und Toleranz ab: Ein schwules Pärchen lädt seine jeweiligen, latent homophoben Eltern und einige mehr oder minder chaotische Familienmitglieder zu Weihnachten ein, um ihnen endlich von ihrer schon sehr weit gediehenen Familienplanung zu berichten. Mit Hilfe einer seit Jahren befreundeten Leihmutter wollen sie selber Eltern werden. Erwartungsgemäß verläuft die Feier nach dieser Offenbarung turbulent.
Mancheiner kennt einen der werdenden Opas in dieser Geschichte, Schauspieler Robert Gustafsson (Jahrgang 1964), vielleicht als „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg“ – in seiner Heimat ist er vielmehr als astreiner Komiker populär. Hier nun spielt er jemanden, der nur schwer aus seiner Haut kann, aber tatsächlich eher weniger vorurteilsbehaftet durch’s Leben geht, als seine von Maria Lundqvist (Schwedisch für Fortgeschrittene) verkörperte Film-Ehefrau. Die behandelt ihren Gegenschwieger, der aktuell mit Reinigungsarbeiten sein spärliches Auskommen bestreitet, und den sie kurz vor dem Fest in ihrer Eigenschaft als Hotelgast kennenlernt (da noch nicht ahnt, dass der Grieche zur Familie des Partners ihres Sohns gehört) sehr von oben herab. Zu allem Übel betont sie den typischen Zacken zu aufgesetzt, dass das natürlich keineswegs rassistisch gemeint ist.
Oscar (Anton Lundqvist) und Simon (Anastasios Soulis) – das schwule Pärchen selbst – sind in diesem ansonsten kurzweiligen Streifen leider die blassesten Charaktere: aber dank des Spiels der weiteren “Familienmitglieder”, von einer schwerhörigen Großmutter (“Nur Idioten sind an Heiligabend nüchtern!”) bis hin zu einer trolligen kleinen Nichte (der man nebenbei gerade beizubringen versucht, dass sich ihre Eltern gerade getrennt haben) und der Leihmutter Cissi (Rakel Wärmländer) sowie einigen weiteren wohl dosierten Nebenkriegsschauplätzen ist es eine Geschichte über leider ganz normalen Weihnachtswanhsinn. Eine, bei der sicher neunzig Prozent aller Zuschauer eigene “Leichen” im Keller der eigenen “buckeligen” Verwandtschaft erinnern dürften und im Idealfall vielleicht auch eigene Vorurteile über dieses oder jenes zu hinterfragen beginnen.
