Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Von wegen kalter Kaffee

Mit dem neuen „Espresso extra shot“ in Alu-Dosen weicht Emmi von seiner üblichen Becher-Darreichungsform ab und hofft, sich somit erfolgreich in der Riege der Energy-Drinks einreihen zu können. Verständlich, enthält diese Caffè Latte Sorte immerhin fünfmal mehr Koffein als ein “normaler” Espresso. Bei einer weiteren Neueinführung hat die erfolgreiche Schweizer Molkereimarke gezielt an Menschen mit Lactose-Intoleranz gedacht. Neben dem Wachmacher, von dem Emmi verspricht, er sei “so erfrischend wie ein Eiskaffee”, haben wir auch den speziellen Cappuccino getestet. 

Wer Coffee-to-go als Erfrischung sucht, greift gemeinhin zu Produkten aus dem Kühlregal – das Angebot in diesem Sektor ist nominell reichlich, doch qualitativ mitunter enttäuschend. Insbesondere viele “namenlos” Produkte wirken entweder irgendwie “wässrig” oder haben einen viel zu süßen oder unangenehm bitteren Nachgeschmack. Neben anderen Marken-Herstellern ist auch Emmi aus Luzern, die größte milchverarbeitende Firma der Schweiz mit ihrer seit etwa dreizehn Jahren bestehenden Caffè Latte-Reihe, hingegen einer jener Anbieter, der generell für Produkte mit sanften, ausgewogenen Aromen bekannt ist. Und seit kurzem will Emmi gar beweisen, dass man mit kaltem Kaffee durchaus imstande ist, auch hartgesottete, aus welchen Gründen auch immer nach Energieschub lechzende Männlein und Weiblein zu bedienen: „Espresso extra shot“ ist ausschließlich in der 250 ml Aluminiumdose zu haben. Dass das Unternehmen damit auf eine Zielgruppe schielt, die sich bisher eher mittels Taurin wachgehalten hat und dabei Gummibärchengeschmack in Kauf nahm, ist unverkennbar. Schon nominell fällt auf: das “extra shot” ist wortwörtlich zu nehmen. Der Inhalt einer Emmi-Dose bietet nämlich beispielsweise fast doppelt so viel Koffein wie jene Erzeugnisse, die von den von uns aufgrund seiner Spiel- und Transferphilosophie (die anders als beim BVB, Bayern und Schalke bisher zumindest nicht darauf abzielt Konkurrenten im Fußballoberhaus leer zu kaufen) sehr geschätzten Rasenballsportlern aus Leipzig beworben werden.

Die Dose bietet aber auch einen ganz simplen Praxisnutzen. Im Unterschied zu den Coffee-to-go-Bechern, die man bisher von Emmi kennt, muss die – pfandfreie – Alu-Verpackung im Gegensatz zu jener Darreichungsform beim Händler nicht ins Kühlregal. Es reicht, wenn dies der Verbraucher ein paar Stunden vor dem Konsum tut. Monatelange Haltbarkeiten sind so garantiert. Andererseits sind Dosen-Verpackungen, erst recht wenn sie als Einweg laufen dürfen, ökologisch natürlich nicht der Weisheit letzter Schluss. Bei Emmis jüngstem Caffè-Latte-Sproß kritisieren Umweltschützer des Landes, in dem das Unternehmen seinen Sitz hat, überdies, dass “zwar mit Schweizer Milch hergestellt” wird, “das Produkt aber im norddeutschen Münster in Dosen abgefüllt und dann per Lastwagen zurück in die Schweiz befördert” wird. Dass es in der Alpenrepublik keine entsprechenden Abfüllanlagen gibt, ist da leider nur ein schwaches Argument: denn irgendein kürzerer Hin- und Rückweg als 1360 Kilometer müsste doch wirklich zu finden sein. Aber dies nur nebenbei.

Überhaupt nicht’s zu kritisieren gibt es hingegen laut den Meinungen unseres wie üblich bunt gemixten Vekostungs-Teams am Produkt selbst. Sogar Menschen, die eigentlich nicht besonders gern Kaffee trinken, aber erst recht jene, die keinen Tag ohne starten wollen und oder eben beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit eine handliche Erfrischung suchen, die trinkfertig parat steht, urteilen: ausreichend gekühlt bietet der extrastarke Dosenespresso, welcher übrigens eine UVP von 1,89 € aufweist, ausgesprochen viel für die Geschmacksnerven. Der vollmundige Kaffee enthält nicht nur sehr viel Koffein (um auf die gleiche Koffeinmenge zu kommen, wie bei „extra shot“ müste man übrigens fünf normale Espressi trinken), sondern auch vergleichsweise nicht übermäßig viel Zucker (Red Bull weist einen Wert von 10 g pro 100 ml aus, hier sind es 8,8 g pro 100 ml). Vor allem lobten die meisten unserer Probanden, das Gefühl zu haben, gerade etwas angenehm weiches (das Getränk beinhaltet 35 % teilentrahmte Milch mit 1,5% Fettanteil) zu trinken und dabei in ganz kurzer Zeit trotzdem wirklich richtig wach zu werden. Den Kick merkte auch der einzig wahre Kaffeejunkie der Testerrunde noch, obgleich er bereits gedopt^^ zur Verkostung erschienen war.

Ebenfalls neu bei Emmi: Caffè Latte Cappuccino Lactose Free

Ehe es an einem anderen Testtag an die zweite Emmi-Neuheit ging, hat sich die achtköpfige Crew bewusst den Geschmack von einigen längst am Markt etablierten “Caffè Latte”-Sorten dieses Unternehmens in Erinnerung gerufen beziehungsweise erstmals probiert. Denn nun ging es darum zu beurteilen, ob ein lactosefreies Produkt mit den bisher bekannten Mischungen mithalten kann oder ob nicht doch irgendetwas zentrales am Geschmackserlebnis fehlt. Während die ausgewiesenen Cappuccino- und  Schokoladen-Emmis mit “normaler” Milch allesamt gut ankamen oder als zumindest ausgewogen, schlimmstenfalls punktuell zu süß wahrgenommen werden, spalten sich bei der Caramel-Variante der Schweizer bereits die Geister. Selbst manche Naschkatze im Team meinte, dass jene Sorte schon sehr speziell ist.

Ganz anders wieder die Testurteile bei den neuen “I’m very Gentle” untertitelten Emmi “Cappuccino Lactose free”-Mischungen aus Arabica Kaffee (17%), laktosefreier Milch (78%), mit etwas Kakao (0,2%), Zucker (8 g pro 100 ml) und 80 mg Koffeingehalt pro Becher: die stießen in der kulturkueche.de-Runde auf  überraschend breite Zustimmung. Der einzige Lactose-Intolerante war ganz besonders begeistert, zwei außerhalb der Zielgruppe haben lustigerweise – was wohl allein schon für eine recht runde Sache spricht – nicht einmal unmittelbar bemerkt, dass sie gerade auf ein “Spezialprodukt” zurückgreifen. Der Rest der Tester würde aber trotz aller Anerkennung für diese kleine Innovation im Kühlregal auch fortan lieber weiterhin Coffee-to-go-Produkte mit „normaler“ Milch bevorzugen.

Was übrigens alle Probanden an Emmi-Bechern gleichermaßen begeistert: das kleine Loch in der Abdeckung, durch das man – bei Mitbewerbern keineswegs selbstverständlich – praktischweise direkt problemlos trinken kann und das ganze Kaffeevergnügen somit, egal ob man zu Fuß oder im Auto unterwegs ist, angenehm verschüttsicher macht.



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