Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Eins mit der Natur

8eit Jahrzehnten gilt: Jeder, der sich mit der Frage gemeinsame Wurzeln zwischen Mensch und Primat auch nur am Rande beschäftigt, dürfte alsbald – oder noch früher – über den Namen der Schimpansenforscherin Jane Goodall stolpern. Nicht zuletzt, weil es schon mehr als einen Film über ihr Schaffen gab. Mit “Jane” kommt nun eine Doku ins Kino, in der auch die “Jane” der Ist-Zeit ausgiebig zu Wort kommt. Und vor allem eine Produktion, die mit verschollen geglaubten Aufnahmen aufwartet. Aber leider auch mit einer Menge Musik. 

Der an sich kurzweilig, aber dennoch unaufgeregt geschnittene, wenig verkopft daherkommende Streifen krankt sehr daran, dass die Macher ohne jedweden erkennbaren Grund mitunter absolut effekthascherisch wirkende Musikteppiche unter teils betörend schöne, in jedem Fall nachdrücklich im Gedächtnis bleibende Bilder gelegt haben. Die Doku arbeitet ansonsten sehr zielgenau mit einer Mischung aus Filmaufnahmen, die die britische Verhaltensforscherin Goodall bei ihren sorgsam vorbereiteten Annäherungsversuchen zu Schimpansen in Gombe (einem entlegenen Gebiet des nordwestlichen Tansania) und ihren folgenden Feldstudien, sehr nahen Begegnungen mit diesen Tieren, zeigen; einer Menge Einblicke in ihre eigene Kindheit (ihre Mutter begleitete sie in den 1960er Jahren zunächst nach Afika – Jane war damals Mitte 20) und die Beziehung zum niederländischen Filmemacher Hugo van Lawick, der phasenweise mit ihr an der Erforschung der Primaten arbeitete, vom National Geographic geschickt worden war und mit dem sie einen Sohn zeugte (über das Aufwachsen des Letzteren wird auch einiges erzählt) und eben – wie angedeutet – aktuelleren Statements, persönlichen Rückblicken zu Fragen der Natur sowie der Evolution, aber auch der Rolle der Frau vor einigen Jahrzehnten und privaten sowie beruflichen Geschichten.

Letztere – egal ob anhand alter Filmaufnahmen erzählt oder im Rückspiegel der Protagonisten – nehmen insgesamt ein wenig zu viel Raum ein. Wenngleich sie durchaus einige überraschend erfrischende O-Töne eben zu Geschlechterklischees oder  Gedankenspiele zu “Tarzan” oder “Dr. Doolittle” bereit halten. Ohnedies: die Bilder (meist 16mm-Material in sattesten Farben), die Goodall (häufig in kurzen Hosen und Sneakers unterwegs – völlig wider jedem Urwaldklischee!) in der Interaktion mit Affen – oder die Tiere alleine – zeigen, unter anderem wie die Schimpansen einerseits teils liebevoller und kooperativer miteinander umgehen, als manches menschliche Ehepaar, andererseits aber auch gegeneinander “in den Krieg” ziehen oder schlussendlich an Krankheit respektive Trauer leiden (und mitunter daran eingehen), machen vieles wett.

Wer die in dieser Produktion wirklich sehr nervtötende Musik von Philip Glass auszublenden vermag und auch über ein paar dramaturgische Schwächen, einige allzu starke Anbiederungen an eine allerdings tatsächlich äußerst spannende Frau, hinwegsehen kann, wird einen tollen Filmabend erleben! Eine Doku, die unbedingt auf die große Leinwand gehört.



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