Auch wenn es die hiesigen Politiker und Medienkollegen oftmals abstreiten oder zumindest wegzuwischen versuchen: Zensur und oder Unterdrückkung der Kunstfreiheit ist in Deutschland keine Seltenheit. Es läuft halt nur vieles subtiler und geräuschloser ab als anderswo*. In den 1980ern etwa bekam die Erste Allgemeine Verunsicherung (EAV) insbesondere vom zwangsfinanzierten Bayerischen Rundfunk für das satirische Anti-Atomlied “Burli, Burli” – um es höflich zu sagen – mächtig Gegenwind. Und es ist klar, in vielen Fällen braucht es nicht mal offizielle Zensuransagen. Etwa wenn “Journalisten” und Radiomoderatoren willfährig – dereinst um nicht zu sehr daran zu gemahnen, dass es auch in der BRD zu einem “Tschernobyl” kommen könnte bzw. die Folgen des Super-GAUs in der Ukraine ohnedies auch im deutschsprachigen Raum messbar waren – unliebsame Titel einfach nicht spielen, obgleich die EAV damals ansonsten omnipräsent war.
Wer “nur” Titel wie „Küss die Hand“ oder „Märchenprinz“ kennt, ahnt vielleicht gar nicht, dass die Mannen um Klaus Eberhartinger auf früheren Alben dezidiert unter anderem auch jedweder Form von Kulturchauvinismus und Fremdenfeindlichkeit bitterböse den Spiegel vorgehalten haben, etwa mit dem “Balkan-Boogie” von der CD “Spitalo Fatalo”. Viele Titel auch der allerersten EAV-Alben haben daher über die Jahre (leider) nichts an Aktualität eingebüßt.
Wer vielfältige Popmusik mit bissigen Kabaretteinlagen erleben will, darf sich somit auf den 25. Juli freuen: denn dann sind die Österreicher bei „Live am See“ auf dem neu gestalteten Open-Air-Gelände am Dechsendorfer Weiher bei Erlangen zu Gast.
* Aus Anlass der bigotten Böhmermann-Diskussion haben wir unlängst bei Facebook völlig verschiedene Beispiele zusammengetragen, wie in der BRD Presse und Kunst beschnitten wurden und werden (sollen).
