Vordergründig betrachtet ist „Die Q ist ein Tier“ ein klassischer Krimi. In Wahrheit behandelt der Kinofilm (Start: 16.05.2024) jedoch auf äußerst unterhaltsame Weise viele Fragen rund um das Thema Fleischkonsum, ohne mit schockierenden Bildern aus der Massentierhaltung zu schockieren, und im Grunde auch ohne fertige Vorschläge, wie einer zu leben hat, zu unterzubreiten.
Eines Morgens findet ein Schlachthofbesitzer eine ganze Ladung Tierreste in seinem Vorgarten. Garniert mit einem Pappschild mit der Aufschrift „Beendet das Schweigen – Tiere wollen leben“. Wütend ruft er die Polizei an. Ein auf den ersten Blick klassisches Ermittler-Duo beginnt seine Arbeit, wobei die weibliche Beamtin mit jeder Minute des Films mehr ausstrahlt, dass sie den oder díe Täter(in) nicht zwingend habhaft werden zu wollen. Zunächst werden aber die Nachbarn befragt, dann die Angestellten (die in ihren jeweiligen Funktionen als Treiber, Betäuber, Stecher oder Zerteiler lautmalerisch eingeführt werden) verhört und schlussendlich – weil die Polizei scheinbar keinen Schritt vorankommt – alle Aktivisten aus der Umgebung vorgeladen, Menschen, die irgendwie irgendwas mit Tierschutz am Hut haben könnten. Parallel schreibt eine junge Volontärin der Lokalzeitung über den Vorfall und kommt Ungereimtheiten bei der Genehmigung zur Erweiterung des Schlachtbetriebs auf die Spur.
“Die Q ist ein Tier” von Tobias Schönenberg kommt komplett ohne Schreckensbilder aus der Massentierhaltung und Schlachtereien aus. Und das geschah absolut bewusst – denn, so sagt der Regisseur: “Wir haben in diesem Film auf den visuellen Horror der Schlachthäuser verzichtet und uns stattdessen für ein satirisch-unterhaltsames wortgewaltiges Menschenensemble entschieden. Ich hoffe, dass die vielen unterschiedlichen Stimmen in diesem Film zum Streiten anregen.” Anders als etwa eine Raffaela Raab, die insbesondere bei TikTok als “militante Veganerin” mit hartnäckigen Aktionen in Fußgängerzonen gegen jedweden Fleischkonsum zu einer Berühmtheit avancierte (und auf einer anderen, zahlungspflichtigen Plattform auch als “wilde” Veganerin regelrecht freizügig unterwegs war), arbeitet die politisch-philosophisch angehauchte Geschichte also viel subtiler – das durchweg intelligente und vielschichtige Drehbuch von Hilal Sezgin, einer Schriftstellerin und Journalistin, kommt tatsächlich sogar bis zum Schluss ohne den Hauch eines erhobenen Zeigefingers aus.
Rund die Hälfte des Films widmet sich Verhör-Situationen im Polizeipräsidium bzw. Befragungen an den Haustüren der Anwohner sowie Ermittlungen im Schlachtbetrieb. In allen drei Situationen kommt es dabei zu teils absurden und komischen aber auch sehr ernsthaften Inhalten. Besonders nachhallen wird bei vielen Zuschauern, mit welchen Aufgaben eigentlich Tierärzte/Veterinäre, die sich ja offiziell unter anderem um das Tierwohl sorgen sollten, in Schlachtbetrieben betraut sind. Noch unbekannter dürfte bei vielen Kinogängern sein, dass auch in der sogenannte Bio-Landwirtschaft Knochen und Borsten als Düngemittel auf die Äcker kommt, welches seinerseits aus der konventionellen Tierhaltung stammt. Für Bio-Hornspäne gibt es nämlich tatsächlich auch im echten Leben bis heute keine so eindeutigen Kriterien. Im zweiten Handlungsstrang mit der jungen Journalistin geht es um die Verstrickungen der Politik – ob lokal oder höher – mit “Unternehmern”, um Profit und Habgier.
„Die Q ist ein Tier“ wurde übrigens im Rahmen der Weiterbildung für Schauspieler „Für den Film“ realisiert. Neben einigen bekannten Gesichtern, wie Martin Timmy Haberger (u.a. „SOKO Hamburg“) und Anna Pfingsten Sahagian (u.a. „Die Grenze“, „Bauchgefühl“), die meistens zuhören und mit minimalen Gesten alles auf den Punkt bringen, wirken ca. 50 weitgehend unbekannte, aber ziemlich überzeugend agierende Mimen in nahezu gleichwertig großen Rollen. Dafür hat die Agentur für Arbeit der ausführenden Tobby Holzinger Filmproduktion GmbH Fördermittel zur Verfügung gestellt. Die Gewinne aus der Filmvermarktung sollen daher wiederum ausschließlich für gemeinnützige Zwecke verwendet werden. Apropos Geld: Ein besonders schöner Satz im Film lautet „Ein Hartz-IV-Empfänger kann sich keinen Tofu leisten!“
