Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Dreißig Jahre nach einem Doppelmord

Ein FBI-Täterprofil, das nie in den Prozess eingebracht wurde; zahlreiche DNA-Proben vom Tatort, die nicht mit der DNA jenes Mannes übereinstimmen, der seit 1986 wegen dem Mord an den Eltern seiner damaligen Freundin einsitzt, bilden das Grundgerüst eines realen Falles, dem die Doku “Das Versprechen” nachspürt.

1990: Der Angeklagte Jens Söring vor einem US-Gericht
1990: Der Angeklagte Jens Söring vor einem US-Gericht
Es geht um den deutschen Diplomatensohn Jens Söring und seine damalige Freundin Elizabeth Haysom. Er hat den Doppelmord an ihren Eltern zunächst gestanden, sie sitzt gleichzeitig zweimal lebenslänglich ab – wegen Anstiftung. Er behauptet seit nunmehr Jahrzehnten – um sie vor dem elektrischen Stuhl zu bewahren – für sie gelogen zu haben, auch weil er sich sicher gewesen sei (aufgrund des Status seines Vaters) selbst nicht in den USA, sondern bestenfalls in Deutschland belangt zu werden. Als 18-Jähriger verliebte sich Söring in das Unternehmertöchterchen Liz – er studierte, mit gleich zwei raren Stipendien qua als Intelligenzbestie ausgezeichnet, an der University of Virginia. Die Doku, die den Fall nun neu aufzurollen versucht und bei der Daniel Brühl dem Protagonisten die Off-Stimme leiht, wenn dessen absurderweise (weil sich die US-Beamten ja eh alles übersetzen würden) in englisch verfasste Briefe an seine Familie dem Publikum nahegebracht werden sollen, ist erkennbar parteiisch: Was nicht schlimm sein muss, wenn man hart an der Faktenlage orientiert gearbeitet hat.

Elizabeth Haysom sei den Filmemachern auch auf wiederholte Bitte hin nicht zur Verfügung gestanden. Das Team um Karin Steinberger und Marcus Vetter hatte, wie man gegen Ende erfahren wird, auch Söring nur ein Einziges Mal zum Interview treffen können. Dieses bildet den Rahmen der in sich erfreulicherweise jedoch stets plausibel argumentierenden, keineswegs agitatorischen Leinwandarbeit. Ihr Trumpf: sie konnten in ihre Arbeit reale Filmaufnahmen aus diversen Gerichtsverhandlungen einfließen lassen, bei denen man als Zuschauer glauben möchte, Jens und Liz kurz nach der Bluttat ein Stück weit in die Seele blicken zu können. In Addition mit dem eingangs erwähnten, nie in das Verfahren eingeführten FBI-Täterprofil (das eine Alleintäterschaft der Tochter der zwei Ermordeten nahelegt), der Frage der perfiderweise ebenfalls staatlicherseits vernachlässigten DNA-Spuren und vielen, wirklich vielen Indizien mehr – wenngleich das Gros auf direkten und indirekten Schilderungen des Jens Söring beruht – sind Zweifel an der Rechtsstaatlichkeit des Verfahrens nahezu zwangsläufig. Fakt ist, dass bisher alle Revisions- und Berufungsanträge scheiterten. Und: dass der Film – bei einer Doku, erst recht einer, die selbst wenig auf sensationslüsterne Bilder setzt, alles andere als eine Selbstverständlichkeit – für’s Kino absolut trägt. Mehr als 100 Minuten lang.



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