Ein FBI-Täterprofil, das nie in den Prozess eingebracht wurde; zahlreiche DNA-Proben vom Tatort, die nicht mit der DNA jenes Mannes übereinstimmen, der seit 1986 wegen dem Mord an den Eltern seiner damaligen Freundin einsitzt, bilden das Grundgerüst eines realen Falles, dem die Doku “Das Versprechen” nachspürt. 
Elizabeth Haysom sei den Filmemachern auch auf wiederholte Bitte hin nicht zur Verfügung gestanden. Das Team um Karin Steinberger und Marcus Vetter hatte, wie man gegen Ende erfahren wird, auch Söring nur ein Einziges Mal zum Interview treffen können. Dieses bildet den Rahmen der in sich erfreulicherweise jedoch stets plausibel argumentierenden, keineswegs agitatorischen Leinwandarbeit. Ihr Trumpf: sie konnten in ihre Arbeit reale Filmaufnahmen aus diversen Gerichtsverhandlungen einfließen lassen, bei denen man als Zuschauer glauben möchte, Jens und Liz kurz nach der Bluttat ein Stück weit in die Seele blicken zu können. In Addition mit dem eingangs erwähnten, nie in das Verfahren eingeführten FBI-Täterprofil (das eine Alleintäterschaft der Tochter der zwei Ermordeten nahelegt), der Frage der perfiderweise ebenfalls staatlicherseits vernachlässigten DNA-Spuren und vielen, wirklich vielen Indizien mehr – wenngleich das Gros auf direkten und indirekten Schilderungen des Jens Söring beruht – sind Zweifel an der Rechtsstaatlichkeit des Verfahrens nahezu zwangsläufig. Fakt ist, dass bisher alle Revisions- und Berufungsanträge scheiterten. Und: dass der Film – bei einer Doku, erst recht einer, die selbst wenig auf sensationslüsterne Bilder setzt, alles andere als eine Selbstverständlichkeit – für’s Kino absolut trägt. Mehr als 100 Minuten lang.
