Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Eltern-Sohn-Beziehung mal anders

Omer_Fast_ContinuityTorsten (André Hennicke) und Katja (Iris Böhm) sind verheiratet, gut situiert, wohnen in einem Haus mit Swimmingpool in einer namenlosen Kleinstadt. Sie bereiten offenbar ein Fest vor, in der Küche steht eine Torte geschmückt mit der deutschen Flagge. Alsbald geht es mit dem Auto zum Bahnhof – die Beiden treffen sich dort mit Daniel, einem jungen Mann in Bundeswehruniform. Das Wiedersehen mit dem zurückgekehrten Sohn verläuft etwas holprig: während die Mutter sich dem Soldaten an den Hals wirft, wirkt der Vater deutlich distanzierter. Auch Daniel fühlt sich sichtlich unwohl. Am Abend bei Tisch wird der Junge noch wortkarger, isst kaum, Katja versucht ihm näher zu kommen. Die Umarmungen und Küsse werden inniger – spätestens jetzt wirkt alles unpassend für eine “normale” Mutter-Sohn-Beziehung. Als Daniel auf sein Zimmer verschwindet, folgt sie ihm und legt sich zu ihm ins Bett. Der Sohn stellt sich schlafend. Am nächsten Tag sitzen Torsten und Katja wieder im Auto und fahren erneut zum Bahnhof. Dort wartet wieder ihr Sohn auf sie, nur scheint der junge Mann optisch leicht verändert, und vor allem weitaus extrovertierter: mit Umarmungen hat er kein Problem (mehr), und er scheint selbst mit sexuellen Anzügligkeiten von Mama-und-Papa kein Problem zu haben. Er unterhält die Alten gern mit Anekdoten aus dem Krieg in Afghanistan – wobei so manches nach einer Räuberpistole klingt, was auch die Mutter kurzzeitig moniert…

Spätestens als an einem weiteren Tag erneut eine Fahrt zum Bahnhof ansteht, um den nächsten Daniel abzuholen, der nun deutlich anders aussieht als die ersten beiden vermeintlichen Kriegsheimkehrer vor ihm, ist auch dem letzten Zuschauer klar, dass hier gezielt Verwirrung gestiftet wurde, der reale Sohn von Katja und Torsten eventuell “gefallen” sein könnte. Der israelische Regisseur Omer Fast, der eigentlich aus dem Kunstbereich kommt und mit dem selben Titel Continuity vor vier Jahren bereits eine Videoinstellation veröffentlichte, die in diesen Kinofilm weitgehend eingeflossen, mit vielen Nachdrehs aber ergänzt und inhaltlich neu justiert worden sei, lässt phasenweise aber auch den Schluss zu, dass die beiden “Eltern” nur irgendwie pervers sind.

Ganz gleich, ob man nun an die Geschichte eines Paares glauben mag, welches den Verlust des Sohnes auf sehr merkwürdige Weise verarbeitet, in dem es sich quasi Callboys (Lukas Steltner, Niklas Kohrt, Josef Mattes) in Soldatenuniformen bestellt: richtig wirr, billig und auch formal hingeklatscht wirkt die Geschichte, als in einem vermeintlichen Nebenplot immer wieder ein Drogendealer (Constantin von Jascheroff) und in Schnittbildern Sex unter Männern im Kriegseinsatz auftauchen. Wäre die ganze Story nicht auch in der PR rund um diesen Film immer wieder mit dem realen schlimmen Afghanistanthema verknüpft, auf der Leinwand dann aber (bis auf besagte Räuberpositole, in der es aber um “Notwehr” bzw. eine er-oder-mein-Kamerad-Situation geht) in Wahrheit nicht eine Sekunde vom Morden, vom Zerstören “fremder” Kulturen (durch u.a. amerikanische und deutsche Soldaten) und oder von verlogenen Kriegsgründen die Rede, könnte man den Film als “nur” belanglos zur Seite legen. So aber ist es ein absolut ärgerliches Machwerk, das obgleich es im Grunde gar nicht um Geschehnisse in Afghanistan geht, Wasser auf die Mühlen von “Unsere Freiheit wird am Hindukusch verteidigt” sein kann, wie es dereinst “Verteidigungsminister” Struck blökte.

Wer in “Continuity” hingegen einen Abgesang auf Kriegslüsternheit erkennt, hält Mario Barth nach seinem Kurzausflug vor’s Trump-Tower warscheinlich auch für den größten politischen Kabarettisten aller Zeiten – wobei der Ansatz des deutschen Comedian, der bisher eher für platte Mann-Frau-Witzchen bekannt war, sogar meilenweit spannender war, als diese Filmsuppe hier, in der (scheinbar?) irgendwann die Mutterdarstellerin kurz wechselt (oder – Spoiler? – erleben wir hier eine Rückblende und den Machern war nur die Schminke ausgegangen, die Hauptdarstellerin zu verjüngen), und sie dann den Namen ihres Sohnes vergessen zu haben scheint. Und wenn man dann noch lesen muss, dass ein Björn Schneider (Spielfilm.de) sich bei diesem Streifen ernsthaft an Werke von David Lynch erinnert fühlt, so möchte man nur noch die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Aber manche Kollegen (Schneider steht nicht alleine) müssen Kino aus Deutschland anscheinend notorisch über den grünen Klee loben, selbst wenn es wie hier einfach nur wichtigtuerisch daherkommt und sich bei näherem Hinsehen gar als reine Blase entlarvt.



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