Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Bayern kehrt Rest-Deutschland den Rücken

Nominell könnte man vermuten, der diese Woche startende Film “Austreten” wäre ein ausgesprochen politischer und bewege sich auf der Höhe der Zeit: Schließlich wuchs im realen Leben direkt nach der jüngsten Bundestagswahl der Druck auf CSU-Chef Horst Seehofer. Und bereits zehn Tage später gerät auch auf der Leinwand ein Ministerpräsident aus Bayern in Bedrängnis?

Eine Art Versprecher des bayerischen Ministerpräsidenten tritt eine medial befeuerte Diskussion um einen Austritt Bayerns aus der Bundesrepublik los. Eigentlich wollte Seehofer – pardon! – eigentlich wollte Ministerpräsident Reitmayer (Markus Böker, Serienjunkies deutscher TV-Produktionen vielleicht bekannt aus “Forsthaus Falkenau” oder “Die Rosenheim-Cops”) tatsächlich nur auf’s Klo: aber da er dies während einer Pressekonferenz mit einem Schlagwort, welches eben schlicht auch der Filmtitel ist, für alle im Saal klar und deutlich aussprach, wo es gerade eigentlich um die Frage gehen sollte, wie sich der “Freistaat” gegen vermeintliche Zumutungen aus “Berlin” zur Wehr setzen solle, nimmt das Unheil seinen Lauf. Könnte man in den ersten Filmminuten zumindest glauben.

Doch grau ist alle Theorie und “Austreten” (ein Projekt der jungen Chiemgauer Filmemacherfamilie Schmidbauer, sie landete 2014 einen kleinen Überraschungserfolg mit “Hinterdupfing”) leider alles andere als eine Politsatire. Die Grundstory hätte vielleicht sogar mit der gleichen Filmcrew einen achtbaren Kurzfilm ergeben. Aber was hier nun in teilweise schlicht ermüdenden knapp zwei Stunden geboten wird, schrammt einzig aufgrund eines sympathischen Soundtracks, einer unaufgeregten Kameraarbeit und der Tatsache, dass keiner der – außer dem vorgenannten und Eisi Gulp als Gaststar eher unbekannten – Darsteller für sich genommen grottig agiert, am Prädikat “absoluter Totalausfall” vorbei. Das mit zahllosen Zoten und unlustig geratenen Abhandlungen über vegane WG-Mitbewohnerinnen, spontane Geschäftsideen auf Autobahnraststätten oder Großeltern, die das erste Mal mit einem Smartphone umgehen wollen, gespickte Filmchen, hat ansonsten ein dermaßen schlechtes, durchweg apolitisches Drehbuch, dass man unter’m Strich einzig die liebeswerten kleinen Parodien auf das schon lange, dem Sendetitel zum Trotz angepasste “BR”-Format “quer” (und seinen selbstverliebten Frontmann Christoph Süß) als halbwegs sehenswert einstufen kann. Aber die lohnen denn letztlich nicht einmal einen DVD-Abend einzulegen, geschweige denn einen Kinobesuch.

Dem Vernehmen nach wollten die Schmidbauers ihre Produktion schon vor der Bundestagswahl in die Lichtspielhäuser bringen. Doch letztlich habe man sich für einen späteren Start entschieden, dass der im Untertitel gar mit dem im wahren Leben vielsagenden Spruch “Ma sogt ja nix, ma red’ ja bloß” kokettierende Film “nicht als Werbung für Separatisten wie die Bayernpartei missverstanden werden” konnte. kulturkueche.de sagt jedoch – wenn in diesem Streifen vor der Wahl irgendeine Gefahr lag, dann eine dieser beiden: zum einen, dass arglose Zuschauer in dem Leinwand-Protagonisten aufgrund seines formalen Amts im Film und ein paar zarter Andeutungen über schwierige Familienverhältnisse mit dem realen Seehofer gleichgesetzt werden könnte und am Ende plötzlich als doch recht feiner (sic!) Kerl dasteht; zum anderen, dass man den Typen, der im Kino Reitmayers Pressesprecher spielt, mit dem realen CSU-Generalsekretär verwechselt und sich dann irgendwann bei irgendeinem TV-Quiz oder – im realen Leben wahrscheinlich wahrscheinlicher – Stammtisch-Talk oder artverwandtem Gedankenaustausch ein wenig blamiert.



1 thought on “Bayern kehrt Rest-Deutschland den Rücken”

  • Ein gewisser “Generalsekretär” wollte hier heute einen “Kommentar” hinterlassen. Wir fühlen uns geehrt! Leider hat er bei diesem Versuch jedoch unseren Domainnamen in jenem Pflichtangaben-Feld missbraucht, welches generell für die Verifizierung einer *gültigen* Mailadresse bestimmt ist. Und so sortierte unser WordPress-Anti-Spam-Tool folgenden Link zunächst aus. Wir möchten das nette Filmchen, welches schlicht “Böger&Kreß lesen Kritiken” betitelt ist, unseren Lesern nicht vorenthalten! Nebenbei bemerkt müssen^^ wir gar zugeben: wir haben beim Anschauen herzlich gelacht.

    https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=1996363763945052&id=1772231956358235

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