Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

ARCHIVtext 2003-2010 Ungekünstelt und unbekannt

Heather Nova verbreitet einen Sturm der Gefühle und pure Vorfreude auf ihre anstehenden Akustikkonzerte

 

Heather wer? Zugegeben, einen Liedtitel zu nennen, damit sie auch Musikfreunde, die nicht allzu oft schauen, was sich außerhalb von Playlists, Hot-Rotations und anderen vermeintlichen Gradmessern von “Top oder Flop” auftut, einordnen können, fällt verdammt schwer. Bestenfalls “Walk This World”, der aber bereits bald 10 Jahre alt ist. Kennern des deutschen TV-Films “Ein Lied von Liebe und Tod” ist vielleicht noch ihre Interpretation des schwermütigen Stücks “Gloomy Sunday” in schaurig-schöner Erinnerung.

 

Dabei schrammen die Verkaufszahlen von Heather Novas Longplayern meist nur knapp an der ¾-Millionengrenze vorbei. Schon populärste Künstler wie Neil Young und Pearl Jam wählen sie als Support Act. Und überhaupt begeistert sie live auch bei internationalen Rock-Festivals die größten Skeptiker, die einer Sängerin und Songwriterin, die als Kind auf einem Boot aufwuchs, als menschenscheue Akustikgitarrenspielerin gilt und gerne Landschaften musikalisch aufbereitet, nicht wirklich etwas Mitreißendes für die Massen zugetraut hätten.

 

Genau hier liegt aber das Geheimnis. Die Stimme der 35-jährigen zieht in den Bann – egal ob beim kleinen Akustikset in einer Kirche oder trotz fetter Instrumentierung auf einer riesigen Open-Air-Bühne. Bereits im Zuge ihrer ersten Welttournee (1995-1996) gab Heather um die 300 Konzerte, wo sie beides erfolgreich ausprobierte.

 

Nach einem kommerziell gedachten Ausrutscher vor zwei Jahren mit “South”, der erstmals nicht unter dem Prädikat “filigrane Melancholie” subsumiert werden konnte, hat sich Haether auf ihrem fünften Studioalbum nun wieder gefunden. Rund die Hälfte der Stücke wirken ruhig und betont gefühlvoll. Und doch schwingt bei jedem Lied so etwas mit – ein wohliger Sturm der Gefühle rauscht einem da langsam aber unaufhaltbar entgegen und die von ihren Fans gern als Folkfee titulierte Amerikanerin glücklicherweise wieder etwas mehr am Zeitgeist vorbei.

 

Womit “Storm” andererseits natürlich nicht für hohe Chartplatzierungen prädestiniert ist. Hier ist zuhören und zurücklehnen gefragt. Dann scheinen auch Tagträume möglich. Gleich am Anfang ertönt die eindringliche Aufforderung “lass uns nicht von Liebe reden” und doch klingt ihre Stimme farbenprächtiger, romantischer aber auch zerbrechlicher denn je. Im Folgenden ist viel von unerfüllten Wünschen und dem Fluss des Lebens zu hören. Schlichtweg herzzerreißend, aber keine Sekunde schwülstig schmachtend. Getragen nur von einem Piano, einer Gitarre und unaufdringlich arbeitenden Hammond-Orgel und Bassklängen.

 

Heather selbst meint, dass sich die neuen Songs locker in zwei Kategorien einordnen lassen. Solche, die eine Geschichte erzählen, wie “Fool For You” und “One Day In June”, und solche wie “Aquamarine”, die nur Textur sind, Landschaften, Augenblicke im Fluss der Zeit: “Wenn ich eine Zusammenfassung des Albums geben sollte, würde ich sagen, es handelt von Versuchung, Verlangen und Schuld.”

 

Passend dazu ihr jüngstes Statement zum Thema Massentourismus. “Ich finde es schrecklich, wenn die Reisebusse kommen und die Menschen uns anstarren, als seien wir Zootiere.” Sie sehe ihre Heimat bedroht, will nach zwölf Jahren in London wieder ganz auf die Bermudas, wo sie mit der ganzen Familie – auch den Geschwistern und dem Cousin in derselben Straße wohnen könne – zurück und sich aktiv für deren Schutz einsetzen.

 

Das Touren will Heather Nova dabei aber freilich nicht aufgeben. Bereits im September wird sie Deutschland gemeinsam mit dem britischen Songwriter Lloyd Cole, der in den 80ern unter dem Bandnamen The Commotions große Erfolge verbuchen konnte, beehren. Auf kleineren Bühnen und wieder gänzlich ohne nennenswerten elektronischen Schnickschnack.

 



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