Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

ARCHIVtext 2003-2010 Cat Stevens will im Irak helfen

Kindern Hoffnung geben. Das klingt natürlich erst einmal sehr edel. Wenn es dann wie bei dem Album „Hope“ gar um das Wohl und Wehe von Kriegsopfern geht, steckt darin Potential, mit dem sich nicht nur zur Weihnachtszeit gut verdienen lässt.

 

Da jedoch namhafte Künstler, wie David Bowie oder George Michael, ohne Honorarforderung Stücke beisteuern, damit im von ihren Landsleuten zerbombten Irak Kindern zügig geholfen werden kann, lohnt sich vielleicht ein zweiter Blick.

 

Anders als peinliche Wiederverwertungsplatten wie „Hey Mr. President: No Bomb!“ handelt es sich ausnahmslos um bisher unveröffentlichtes Material. Wirklich neu sind zwar nur die Beiträge von Moby, Blue, Spiritualized, Brit-Award-Gewinner Tom McRae, Billy Bragg, Travis und Basement Jaxx, der englischen Antwort auf Daft Punk. Die anderen liefern Remixe eigener Songs oder covern bei Protestbewegungen einschlägig bekannte Stücke, wie Jimmy Cliffs „Vietnam“ oder Curtis Mayfields „We Got To Have Peace“. Und das nicht einmal schlecht. Das Benefit klingt wie aus einem Guss, verbreitet melancholische, aber keine trübsinnige Stimmung. Auch das Experiment, Generationen und Stilrichtungen zu mischen, geht auf, wenngleich die Werbetexte, die suggerieren, dass sich die Künstler hier speziell für den annoncierten guten Zweck „versammelt“ hätten, übertrieben wirken.

 

So plante etwa Yusuf Islam, vor seiner Konvertierung zum Islam als Cat Stevens bekannt, seine erste englischsprachige Aufnahme nach über 25 Jahren ursprünglich für ein von Nelson Mandela initiiertes Charity-Konzert für Aids-Opfer. Die modernisierte und mit Hilfe des South African Choir Incwenga eingespielte Fassung seines legendären „Peace Train“ bildet dennoch einen der besonderen Glanzpunkte des Albums. Wohl auch weil es neben dem unter Mitwirkung der Dancehall-Legende Yellowman entstandenen „Love is the answer“ am ehesten wirkliche Internationalität, ein gleichberechtigtes Nebeneinander verschiedener Kulturen versprüht.

 

Gespaltenere Gefühle rufen hingegen Avril Lavignes „Knockin` On Heaven`s Door“-Version, die einfach zu gut zu dem ihr angedichteten Rebellenimage passt, und das Mitwirken Paul McCartneys hervor. Schließlich schaffte es der Ex-Beatle weder im Irak-Krieg noch bei seinem jüngsten Auftritt in Moskau, hinsichtlich Putins Tschetschenienpolitik, sich klar gegen das Grundübel Krieg, für dessen Folgen mit dem „Hope“-Album aber ja gerade Geld gesammelt werden soll, auszusprechen. Dafür, dass der Reinerlös der Platte wirklich in die richtigen Hände gelangt, verbürgt sich übrigens die international anerkannte Hilfs-Organisation „War Child“, die 1993 von zwei hierzulande unbekannten Dokumentarfilmemachern nach ihrer Rückkehr aus dem ehemaligen Jugoslawien ins Leben gerufen wurde. Seitdem hat sich die Organisation mit vielfältigen Projekten in verschiedensten Krisenregionen der Welt verdient gemacht.



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