Das britische Trio ZOOT WOMAN zelebriert die Eleganz der 80er
Zoot Woman hätten es beinahe schon einmal ganz nach oben geschafft. 2001, gerade rechtzeitig vor dem großen 80ies-Revival stand die Band mit der Debutplatte LIVING IN A MAGAZINE in den Bestenlisten, auf Titelseiten und weltweit oben in Coolness-Barometern. All das mit schickem, edlem 80er Hochglanzpop, synthesizer-dominierter Musik, den Vorbilden wie Human League oder Heaven 17 nicht unähnlich. Dazu drei perfekt gestylte attraktive Jungs in weissen Anzügen, die durch kunstvolle Designervideos tanzten – das alles deutete auf The Next Big Thing hin. Doch den großen Reibach mit den 80ies machten andere: Nena, Westbam, RTL, die Berliner Elektronikszene und die Erfinder von Electroclash. Zoot Woman hatten das Pech, Glück zu haben. Denn Madonna kam und engagierte den Bassisten und Kreativkopf der Band, Stuart Price, als musikalischen Leiter ihrer letzten Welttour. Zweifelsohne ein guter Mann, hatte Price doch schon lange vor Zoot Woman mit dem Ein-Mann-Projekt Les Rythmes Digitales die ungeheure Hippness im Sound des 80er Pop geahnt und diese Musik jahrelang quasi alleine Mitte der 90er produziert.
Schön für Stuart, schlecht nun für seine neue Band, denn beim Startschuss zum Spurt auf den Pop-Olymp standen Zoot Woman plötzlich ohne ihr wichtiges Gründungsmitglied da. Der Durchbruch blieb damit trotz freier Fahrt und grünen Ampeln aus. Als dann noch Ärger mit der Plattenfirma dazu kam, steckte das vielversprechende Trio ganz schön in der Krise.
Nun aber haben sich die drei Endzwanziger berappelt und wagen den zweiten Versuch mit dem neuen, zweiten Album: ZOOT WOMAN. Darauf hört man gereiften Elektropop von ein paar Ästheten, die gelernt haben, dass man nicht immer nach Perfektion schielen muss. Die Erfahrungen auf Madonnas Welttournee und die Erlebnisse der Restband – alleine auf Tour – fließen nahtlos in diese kompakte Platte mit zehn Songs in gerade mal 39 Minuten. Auch hier setzt die Band wieder auf Synthiemusik, kühl aber nicht kalt, elegant aber nicht glattgebügelt. Silbergrau glitzert Zoot Womans Grosstadtpop, der nach wie vor seine Referenzen aus den 80ern nicht versteckt, sich diesmal sogar mit Einsprengseln von House, aber auch Bands wie The Cure oder den Stranglers schmückt, ohne dies nur simpel zu kopieren. Die drei Schickster, die ihre weißen Anzüge nun umgetauscht haben in Jeans und bequeme Hemden, transportieren dabei aber nach wie vor die Eleganz und den Groove der Vorbilder in eingängige Popsongs mit erlesenen Harmonien und singen dabei von grauen Tagen, unerfüllter Liebe, Erleuchtung und Melancholie. Düsterer als früher, reifer, erwachsener klingt das. Im modernen Wolkenkratzerpop haben sie sich gut eingenistet, beherrschen es fast schon beängstigend gut, poppige Synthiemusik mit knackigen Bassläufen von jeglichem Ballaststoff zu befreien. Mit dem schimmernden Ergebnis von fast perfekten Popsongs.
