Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

ARCHIVtext 2003-2010 8 Frauen und die träge Masse

Die Damenkapelle swingt und singt gegen die Depression an

 

Laut Programminfo sind sie das süßeste Mittel gegen eine Novemberdepression. Aber trotz schwung- und temperamentvollen Einmarsches der Damenkapelle zu ihrem Tanzkonzert mit dem hoffnungs-vollen Titel “Let’s do it!” ins Berliner BKA-Luftschloß, blieb das nur ein frommer Wunsch. Das lag aber nicht unbedingt an den sieben Musikerinnen und ihrer singenden Frontfrau Kitty Hoff, die sich redlich mühten, das nur mäßig gefüllte Haus in Schwung zu bringen. Vielleicht ist der November schon zu trübe, die wirtschaftliche Depression zu weit fortgeschritten und der Durchschnittsberliner einfach zu temperamentlos, um die träge Masse Publikum in Bewegung zu setzen. 

 

Dabei hat die Damenkapelle durchaus einiges zu bieten, was einen Besuch lohnen würde. In stilechten 20er-Jahre-Kostümen und abwechslungsreich instrumentiert, schaffen sie es zuweilen sogar so etwas wie mondänen Flair ins ansonsten eher nüchtern-düstere Luftzelt am Schlossplatz zu zaubern. Das Repertoire erstreckt sich im Rahmen altbekannter Klassiker von Swing, über Chanson und Walzer zum Schlager der Vorkriegszeit. Man merkt den Damen auch die Freude am Spiel an, jedoch sind die Arrangements teilweise wenig innovativ und wirken so etwas hausbacken. 

 

Ob man sich nun im “Cabaret“” in “New York, New York” ein “I wanna be loved by you” zuraunt, oder die “Girls, Girls, Girls” dem “Knut”, den sie alle gut finden, ein “Nimm dich in acht vor blonden Fraun” mit auf den Weg geben, vom Hocker reißt das an diesem Abend jedoch keinen. Und der durchaus nette Versuch einige der englischsprachigen Gassenhauer auf Deutsch zu präsentieren, leidet letztlich an den zu biederen Übertragungen. Da wäre es für die Zukunft sicher angebracht mehr Mut zu eigenen Werken aufzubringen, wie dem wirklich witzigen und flotten “Warmduscher-Samba”. Auch die dramaturgischen und szenischen Möglichkeiten, die so geballte Frauenpower bietet, werden zu wenig erkannt und leider erst im Zugabentitel wahrgenommen. Für die Zuschauer allerdings wirklich ärgerlich ist das völlig dilletantische Lichtdesign, das sich am Niveau Teenie-Geburtstag im Partykeller orientiert, als auch die dumpfe Soundabmischung, durch die Sängerin Kitty Hoff allzu oft nur schwer zu verstehen ist. 

 

Und sie ist nun wirklich der absolute Höhepunkt des Abends. Ob in glitzerndem Goldfummel oder elegantem schwarzen Abendkleid mit Fellboa, Kitty Hoff strahlt eine Eleganz und mondäne Lebensfreude von der Bühne, die einen manche Unzulänglichkeit des Konzerts vergessen lässt. Mit nonchalanter Ironie singt sie sich durchs gesamte Programm und wirkt dabei immer leichtfüßig und unangestrengt. Mit Esprit und Charme springt sie von einem Titel zum nächsten, ohne in langatmige Conferencen auszuarten. Und zu jedem Lied hat sie das passende Minenspiel parat, stets mit kokettem Augenaufschlag und verschmitztem Lächeln. 

 

Da verliert auf die Dauer selbst das reservierte Publikum seine Scheu und lässt sich von so viel Charme betören. Zum Tanzen, was ja eigentlich das ausgemachte Ziel des Abends war, bringt sie die Leute aber auch nicht. Vielleicht ist das zu triste und wenig intime Ambiente ein Grund für die Lethargie der Leute, von denen viele aus der Zielgruppe Ü 50 sind, deren Bewegungsdrang sich aufs Tippen ans Sektglas beschränkt. Oder alle Tanzwütigen sind an diesem Abend auf einer Konkurrenzveranstaltung – dem Bundespresseball. Dort hätten die sympathischen Frauen von der Damenkapelle mit ihrer charismatischen Sängerin wohl weniger Probleme die Novemberdepression in ausgelassenes Tanzbeinschwingen umzubiegen. Vielleicht geht es der dortigen Zielgruppe aber einfach noch so gut, dass Depression bei Ihnen nur in Verzichtsansprachen ans breite Volk aufkommt.



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