Eine alleinerziehende junge Mutter hat viel um die Ohren: neben ihrem Kind muss sie sich neuerdings noch intensiver um ihren kranken Vater kümmern, dazu der Job und eine verloren geglaubte Leidenschaft. Die deutsch-französische Produktion „An einem schönen Morgen“, die dieses Jahr bereits erfolgreich in Cannes lief, startet in Deutschland am 08. Dezember im Kino.
Sandra Kienzler arbeitet als Übersetzerin und Dolmetscherin. Sie ist Mitte 30, lebt in Paris und zieht ihre Tochter allein groß. So oft sie kann, besucht sie ihren Vater, einen ehemaligen Philosophieprofessor. Georg Kienzler leidet an einer neurodegenerativen Krankheit, dem so genannten Benson-Syndrom. Stück für Stück hat er sein Augenlicht verloren und langsam lässt auch das Gehirn, die Erinnerungsfähigkeit nach. So muss ihn Sandra bei einem ihrer Besuche als sie offenbar noch keinen Schlüssel zur Wohnung hat von draußen zu der verschlossenen Tür dirigieren und das Aufsperren neu beibringen, damit sie zu ihm gelangen kann. Eine schwere Situation für die ganze Familie: neben Sandra gibt es da noch ihre Schwester und die von Georg eigentlich lange geschiedene Mutter. In jedem Fall muss er in ein Heim, aber es gibt in der französischen Hauptstadt offenbar kaum vernünftige und bezahlbare Alternativen, wo der dement anmutende Mann bis zu seinem Lebensende gepflegt werden kann. In dieser Situation trifft Sandra auf ihren alten Bekannten Clément, den sie seit Jahren aus den Augen verloren hatte. Und obwohl Clément verheiratet und Vater ist, stürzen sich die Beiden in eine leidenschaftliche Affäre.
„An einem schönen Morgen“ stammt von einer Frau, die während der Berlinale 2016 mit dem Silbernen Bär für die Beste Regie bei „Alles was kommt“ ausgezeichnet wurde. Nun zeichnet die Französin Mia Hansen-Løve das Portrait einer relativ jungen, betont sensiblen Frau, hin und her gerissen zwischen Glück und Traurigkeit, Zärtlichkeit, Sehnsucht und Sorgen. In der Hauptrolle mit der herausragenden Léa Seydoux – anders als in vielen Produktionen davor ohne jedweden Glamour. Pascal Greggory spielt nicht minder überzeugend und würdevoll ihren Vater, der von einem Krankenhaus zum anderen gezogen wird auf der Suche nach einer würdevollen Bleibe und Behandlung. Melvil Poupaud schließlich verkörpert Clément, ein Freund von Sandras Ex, der offenbar schon damals heimlich in sie verliebt war. Nun muss er zwischen seinen Pflichten als verheirateter Mann sowie Vater auf der einen und seiner Geliebten auf der anderen Seite eine schwere Entscheidung treffen. „An einem schönen Morgen“ ist ein nur vordergründig trauriger, stellenweise gar mit leichtem Humor erzählter, atmosphärisch verdichteter Film, bei dem die Zuschauer die Hoffnung schöpfen können, dass trotz allem das Leben weitergeht. Und sei es mit der Option auf eine Patchworkfamilie. Die Regisseurin selbst will ihre Geschichte als “Meditation über Verlust und Wiedergeburt” verstanden wissen – trotzdem oder gerade deswegen kommt ihr Streifen ohne unnötiges Pathos aus.
